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thoreauvian ::: sich selbst überfluten

»unsere entzückten Zustände die so geringe Frucht zu erbringen scheinen, haben zumindest folgenden Wert: Mögen wir auch in den Zeiten wenn unser Genius herrscht, keine Kraft zum Ausdruck haben, so kommt doch in den ruhigeren Zeiten, wenn unser Talent aktiv ist, die Erinnerung an diese seltenen Stimmungen um unser Bild zu färben, und ist sozusagen der beständige Farbtopf, in den wir unseren Pinsel tauchen. … nähern uns unweigerlich einer Erfahrung unendlicher Schönheit die uns befähigt stets getreulich zu übertreiben. … Augenblicke der Eingebung sind nicht verloren … ihre Wahrheit schlägt sich nieder und in kühleren Augenblicken können wir sie als Farbe benutzen …« (die Metapher schwemmt ihn davon) » … wenn der Augenblick kommt verleihen sie dem Schriftsteller einen gewissen Überfluss an Reichtum und bewirken dass sein Ausdruck sich selbst überflutet.« (sagte ichs nicht?)

(Henry D. Thoreau, Tagebuch III)

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mars ::: schwarz/weiß, schneefarben

»der Schnee machte jede Nacht schimmernd und unruhig … es schneite. Obwohl es noch früh am Morgen war, war es schon trübe. Wind peitschte durch das Chaos und wirbelte die Nebelschwaden über das zerklüftete Land … Landschaft war in eine Million kleiner Klippen, Löcher, Mesas, Grate und Piks aufgebrochen … alles wirbelt in Sicht und wieder fort, wenn Ballen und Schleier aus Schnee vorbeigetrieben wurden. Dann hörte der Schneefall auf. Der Wind legte sich. Die schwarzen Vertikalen und weißen Horizontalen gaben der Welt ein ungewöhnliches Aussehen, und die Landschaft glühte als ob Licht durch den Schnee auf die Unterseiten der dunklen niedrigen Wolken strömen würde. Alles war scharf und deutlich, wie in Glas gefasst. … Wolken im Westen schimmerten wie Perlmutt, das einzige Anzeichen an diesem trüben Tag dafür, dass die Sonne sich senkte … hinter den Wolken war die Sonne untergegangen und das Licht entschwand aus dem leeren Land.«

(Kim Stanley Robinson, Roter Mars)

… nicht lange her & hin

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fuchs ::: diffusion, maßstäbe, ruhe

»… die Mathematik – und das ist schließlich der Maßstab (denn so steht es in den Direktiven) – unterscheidet nicht zwischen »ein wenig unordentlich« und »sehr unordentlich« … seine Gedanken werden mutlos und philosophisch. Bohrend und philosophisch. Dunkel und philosophisch. Beziehungsweise: Eigentlich nicht sonderlich philosophisch. Eher und nur wie bei jedem seiner Artgenossen und Kollegen: in ihrer Verstiegenheit trist. Beziehungsweise: durch ihre Kompromisslosigkeit tragisch. Beziehungsweise: tragisch würde ja heißen, dass man durch seine Bemühungen sein eigentliches Ziel untergräbt. Aber das ist hier nicht der Fall. Der Agent und sein Ziel sind deckungsgleich …

… Beziehungsweise, das denkt er natürlich alles nicht. Er denkt gar nichts. Diese Gedanken schweben ihm aber vielleicht über der Gehirnhaut, wie ein niemals endender, weil niemals richtig ausbrechender Schauer. Etwas das viel älter ist als sein uraltes Gehirn … ein ich hinter dem ich. Eine Sehnsucht. … dieses Gefühl niemals einen rettenden Ort zu erreichen – da im eigenen Inneren. Und trotzdem niemals aufhören zu können, danach zu suchen … dieses Gefühl ist identitätsstiftend … im All irrend wie ein Mensch im Wald bei Nacht.

Kurze Diffusion … ein sehnsuchtsvoller Gedanke … der Nullpunkt – die ideale Prosa der Wirklichkeit. Keine Entropie, denkt er vielleicht … und ein religiöser Schauer überkommt ihn. … es gibt ihn: den Moment absoluter Ruhe. An dem das Universum monolithisch wird. Der Ort an dem die Sprache des Universum klar und eindeutig ist. An dem die Waage austariert ist. Die Sehnsucht der Trilliarden Agenten die täglich in der Achsenzone mit einer ungestalten und chaotischen Welt zu kämpfen haben …«

(Nis-Momme Stockmann, der Fuchs)

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satz ::: im Raum schwingen

»… mit einem leisen Staunen dachte Mahler an diese Zeit. Wie jung er damals war. Es kam ihm vor, als läge das alles ein Leben lag zurück. Man schlägt einen Ton an, und der schwingt dann weiter im Raum. Und trägt doch schon das Ende in sich.«

(Robert Seethaler, der letzte Satz)

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fuchs ::: tiamat ark – beta, beschreibungsschwierig …

… Demarkation dekodieren; naturwissenschaftlich philosophisch sprachliche Verdrillung von möglichen Generierungsprinzipien; Sprache & Schöpfung

»All die Dinge die Tiamat erzeugte, waren oder bestanden dazu im Gegensatz stets aus Kontinua: Feldern ohne klare Grenzen, die einen kognitiven Eingriff zwingend nötig machten, wenn man sie bezeichnen und daraus Wirklichkeit machen wollte. Es brauchte den Betrachter als Medium, ja: als Schöpfer, der sich über die Sprache und den Blick den Phänomenen näherte. Als simples Beispiel die Frage: wo hörte ein gegebenes Objekt auf, wo fing es an? Schon bei einfachen Dingen wie … Kieselsteinen, Grashalmen, Ästen war keine klare Demarkationslinie zu ziehen (sogar die Grenze zwischen Himmel und Meer war für jeden denkenden Kopf eine einzige – ach was: – die größte Verarschung – Eine leicht aufzudeckende noch dazu). Weder in den Dimensionen des Raums, noch in den Dimensionen der Zeit: die molekulare Struktur eines, sagen wir, Kieselsteins veränderte sich laufend, in den Molekülen die Atome, in den Atomen die Quanten und in den Quanten die singenden und swingenden Strings. Nichts war jemals, alles Sein zerstob in Bewegung: waberte, tropfte, floss, zirkulierte, expandierte, konvulsierte – dafür musste man nicht mal die höheren Dimensionen betreten. Nichts Monolithisches, keine klaren Konturen, kein Augenblick von Ruhe oder Dauer. Alles Sein war bei genauer Betrachtung eine unhaltbare Behauptung, war in Wahrheit ein Werden. In jedem Augenblick war alles anders als zuvor, als zuvor, als zuvor – und zwar so anders, dass – wollte man mathematisch denken (und das wollte Abzu) – es mehr Sinn machte, die Unterschiedlichkeiten ein und derselben Sache als Beschreibungsgrundlage heranzuziehen, als die Ähnlichkeiten. Dass man überhaupt von ein und derselben Sache sprach, war nur das Produkt einer kognitiven Leistung. Eine Pflanze tauschte innerhalb ihrer Lebensdauer mehrfach ihre gesamte Zellstruktur aus. Wie konnte da von derselben Pflanze die Rede sein. Das war eine gemachte Wirklichkeit, keine zwingend wirkliche. Andere Betrachtungen wären genauso valide gewesen. … | … [Tiamat erschafft nicht planerisch, sondern mit dem wilden Strich eines expressionistischen Künstlers, so sieht zumindest Abzu es. Später wird angedeutet dass Tiamat sich dabei weitaus mehr gedacht hat] … | … Für das mathematische A = A gab es in der Textur der sich zeigenden Wirklichkeit keine Entsprechung. Es war ein Albtraum … | … [es gab nur ein A ~ A] … | … Und diese Annäherung machte ihn verrückt. Alles eine große Suppe. Alles war im Grunde genommen verbunden. War eins … | … Natürlich gab es auch in Tiamats Wirklichkeit kleine und kleinste Teile … aber sie waren im Grunde genommen nicht diskret und reduzibel: Elektronen und Quarks zum Beispiel waren sogar, ganz genau besehen, überhaupt keine Teilchen sondern Felder. … Kontinuierliche Objekte die den Raum ähnlich füllen wie Gase oder Flüssigkeiten … | … [Marduk hingegen sollte hingegen ein anderes Prinzip veranschaulichen, reduzibel und streng diskret] … formal und inhaltlich ein Denkmal für die Ordnung. Eine sich selbst organisierende zugleich selbst erhaltende Parzellierung die lawinenartig und ganz automatisch um sich herum Materie anziehen, transformieren und parzellieren sollte. Die dritte Generation des Göttlichen … | … [Erinnerung, wie er Tiamat einmal einen perfekten Dodekaeder aus Pyrit zeigte an dem er 10000 Jahre gearbeitet hatte, 15 Symmetrieebenen, sie sagt] schön Abzu – komm wir gehen in den Garten und probieren ihn aus … [lt. Abzu ihn für ein Spielzeug haltend, und er ist endlos gekränkt. Versteckt sich im Garten und weint] … aus Zorn, aus Verletzung, aber auch aus dem unendlich einsam machenden Gefühl nicht verstanden zu werden. Kack-Hecke, dachte er: unförmig und beschreibungsschwierig … | … [seine Schöpfung wenn sie Erfolg hat, eine totale Revision der Grundsätze nötig machend, wie alles aufgebaut ist, mit seinem viel einfacheren, logischen, ästhetisch glatten Aufbau/Schöpfungsmodell, somit Tiamats Schöpfung und letztlich Tiamat selbst obsolet machend] … [Tiamats Konzept hingegen] … über wilden Ausstoß alles in die Welt blasen und gucken was sich so durchsetzt«

(Nis-Momme Stockmann, der Fuchs)

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thoreauvian ::: vom Botanisieren auf und in den Abend blicken

»eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang war ich am Tupelo Cliff und als ich von meinem Botanisieren aufblickte … sah ich das Siegel des Abends auf dem Fluss. Der Landschaft wohnte zu dieser Stunde eine stille Schönheit inne, die meine Sinne zu schätzen bereit waren. Die Sonne ging am westlichen Ufer unter, wobei diese Seite schon zum größten Teil im Schatten lag, doch erhellten ihre Strahlen das Wasser und die Weiden und die Seerosenblätter mehr als zuvor … die Banalität des Tages ist vorüber. Die größere Stille, die Heiterkeit der Luft, ihre Kühle und Transparenz, sind für das Denken günstig. (Der nachdenkliche Abend.) Die Kühle des Abends kondensiert allmählich den Mittagsdunst und macht alles durchscheinend und die Umrisse der Gegenstände fest und deutlich und rein … ebenso wie ich durch mein Bad gekräftigt wurde, bin ich beherrschter im Denken. Nach dem Baden, sogar mittags, verwirklicht der Mensch ein Morgen- oder Abendleben. Die Abendluft ist solch ein Bad für Geist und Körper gleichermaßen. Wenn ich den ganzen Tag vergebens unter der sengenden Sonne gegangen bin und die Welt – Feld und Wald und Straße – ganz banal war, dann legt sich abends die Sonne im Westen nieder, und mit ihr legt sich der Wind, und der Tau beginnt die Luft zu reinigen und sie durchscheinend zu machen, und die Sehen und Flüsse gewinnen eine gläserne Stille und spiegeln den Himmel, Reflexion des Tags. … verlockend ist die Linie wo Wasser und Land sich treffen, die nicht deutlich ist, von deren Existenz man aber weiß … wie üppig ist der Schauplatz dieses Flusses, gleich dem was wir gern über die südamerikanischen Urwälder lesen! Welch prächtiges Wachstum von Kraut, welche Tiefe des Schlamms an seinen Ufern! Diese alten vorgeschichtlichen, geologischen, vorsintflutlichen Felsen: nur urtümliche Watvögel, die immer noch unter uns weilen sind würdig sie zu betreten.

Die Jahreszeit die wir in Vorahnung zu leben scheinen, ist gekommen.

Das Wasser spiegelt in der Tat den Himmel deswegen, weil mein Geist ihn spiegelt …«

(Henry D. Thoreau, Tagebuch III)

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fuchs ::: tiamat ark alpha

Beginn des Mythologiebogens, rund um Tiamat, Abzu und Marduk. Und während all der immer wiederkehrenden Seiten rätsele ich, …

»Tiamat betrachtete sorgenvoll die Weltachse … im eigentlichen Sinn keine Achse, sondern ein Baum, auch wenn man nicht von einem Baum sprechen konnte, sondern von dem Baum, – denn er war der einzige. … | … [Alles was sie ersinnt, teils gegen ihren Willen in fiebrigen Träumen, sammelt sich in dichten Clustern um den Baum, und kreist darum. Daher der Begriff Achse.] … | … Besonders zufrieden war Tiamat mit ihrem Einfall das Konzept des Seins grundsätzlich zu reformieren. Denn Tiamat die schon immer war und immer sein würde, wollte jedem Ding Anfang, Mitte und Ende verordnen, nicht nur zeitlich, sondern auch räumlich … da sich die meisten Phänomene mit denen sie zu schaffen hatte durch dieses Prinzip auf weniger als neun Dimensionen reduzierte, war es ihr als höherdimensionales Wesen möglich, selbst komplexe Phänomene übersichtlich zu betrachten und komfortabel zu bearbeiten. … | … [außerdem Hinweis dass so der Kosmos weniger zurümpelt, und die Urgöttin den Überblick behalten kann. Der einzige Grund dafür.] … | … das endliche Sein, das war ein radikales Konzept und sie war einigermaßen stolz … |… [Rolle Abzus, hilfreich, verspielte Ideen.] … | … [Aufbau von Momenten, Zeit und Dauer. Abzu erklärt] wenn zwischen zwei definierten Zeitpunkten eine unendliche Anzahl von Momenten liegt, wie kommen wir dann jemals von einem Moment zum anderen? – Tiamat überlegte, Gut – dann verbinden wir die Punkte mit einer endlichen Anzahl von Punkten. Und zwei Zeitpunkte mit einer endlichen Anzahl von Momenten. – Abzu erwiderte noch leiser. Aber, verehrte Tiamat, dann wären sie ja nicht verbunden … Ich … ähm … und Tiamat konnte nicht anders als es Fragment zu belassen. … [die Götter selbst scheitern an manchen Grundfragen, und lassen es deshalb einfach verworren und verwaschen, es ist eine naheliegende Erklärung] … | … es war passiert, die Struktur des Universums war für sie alleine nicht mehr zu durchdringen. Wann war alles so komplex geworden? … | … schau dir den Weltenbaum an. Er lässt sich nicht versprachlichen. Wirklichkeit, vor allem göttliche, darf nicht durch abstrakte Bezeichnungen wiederzugeben sein. Man darf sich ihnen durch sie nähern. Ja – das ist wichtig und sinnvoll. Aber die Sprache muss an dem Göttlichen scheitern, an der Grenze dazu stehen bleiben, seinen Raum nicht betreten. … | … [Tiamat soll sich nicht als Linie denken, denn das wäre zu abstrakt und begreifbar, lieber ein länglicher Körper, mit Anfang und Ende,] diese Distanz zwischen Idee und Phänomen ist die Unerreichbarkeit deiner Größe … und ein Leib von solcher Länge, dass er das ganze Universum umschlingt. Es als solches abgrenzt und markiert. Und jetzt kommt der Clou … wenn sich das Ding mit einem Anfang und einem Ende zu einem Kreis zusammenlegte – dann ist es ein Ding ohne Anfang und Ende. Was deine ursprüngliche und eigentliche Gestalt symbolisiert: die Ewigkeit. … das ist die logische Form. … Tiamat nickt nachdenklich. Wann hatte Abzu sich das alles einfallen lassen. Sie fragte sich ob ihm dazu auch schon ein lustiger Begriff eingefallen sei. Wie aus der Pistole geschossen antwortete er: Schlange, und grinste breit. Zum ersten Mal hatte es etwas Schmieriges. Tiamat lächelte seufzend und sagte: Meinetwegen: Schlange … | … [nun also Arbeitsteilung, und Tiamat fühlt sich tatsächlich entlastet, sie gebar und schirmte den Kosmos ab, und Abzu sortiert, selektiert und benennt. Während Tiamat sich] für die Dauer eines Schläfchens zurücksinken ließ in die Ewigkeit aus der sie gekommen war (was sehr oft geschah, denn sie war sehr müde in letzter Zeit. Gott weiß warum). … [hier klingt es sehr so, als wäre die Idee Abzu wäre der christliche Gott. Gedanke genial reizvoll, dieser Gott von der Schlange hervorgebracht, die den Gläubigen nur in einer kleinen Nebenrolle bekannt ist, doch ihnen ist der Blick auf das große Ganze durch ihren monotheistischen, vereinfachenden Glauben, bzw. durch diesen Gott selbst, versperrt.]«

… soll einer der beiden Herren der christliche Gott sein?

(Nis-Momme Stockmann, der Fuchs)

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sprachfunde ::: universeum

verschrieben. vgl. Universum, Museum.

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fuchs ::: jegliches Sammeln & Menschen, die See

»… dieser Moment liegt unzerstörbar und komplett in meinem Kopf. Als müsste ich nur einen richtigen Schritt tun und ich wäre wieder da … | … das Ereignis jährte sich … war es einfach nicht mehr wirklich erfahrbar und rückte, wie alles in Thule, zu dem man keinen wirklichen Kontakt mehr hatte, schnell und wirksam in die Ferne … | … [Petros, im Pril stehend, immer wieder Dinge aufhebend] … Das salzige Wasser zieht über die beiden Löcher – in der Unendlichkeit der Ebbe winzig; und nach 40 Sekunden hat die Natur ihn vergessen. Keine Spur von seinem Dastehen. Und er sinkt, mit der Stoik eines zenbuddhistischen Mönchs – Ursache, Weg und Ziel zu einem verschmolzen – an einem neuen Ort ein. Wie eine fleischgewordene Beweisführung gegen die Chronologie der Zeit. Um ihn herum verliert sich dieser haltlose Unsinn in der Ebene: nein, Zeit zerfällt und fragmentiert, kreist, steht, staut sich auf – aber fortschreiten? Pft. … von ihm ausgehend, scheint es, expandiert sie in alle Richtungen. Sieht man ihm aber einen Vormittag lang zu, begreift man irgendwann: im Gegenteil: sie verdichtet sich bei ihm. … Blick für Blick geht er den ganzen Vormittag, Schritt für Schritt die Wüste des Wattenmeers ab. Bis die Flut kommt und ihn zurück ans Ufer drängt. … [und manchmal hebt er etwas auf, und sieht es sich genau an] als würde es sich um eine bedeutungsvolle Kreuzung handeln: zwischen dem Schicksal dieses Dings und seinem. Nach einem undurchsichtigen System gibt er den Gegenstand dann entweder wieder zurück – ganz vorsichtig, wie ein Fisch, den man, um sein Überleben besorgt, ins seichte Wasser entlässt – oder er steckt es, offenbar als Fund ausmachend, einige Sätze murmelnd in einen wetterverbeulten und blassen Plastikköcher den er am Gürtel trägt. … | … Für Katja passt das alles ins Raster. … Ich meine: was wenn dieser offensichtlich schon basisverrückte Mensch in den einsamen Jahren nach dem Verlust seiner Arbeit und dem Tod seiner Frau einfach ziemlich viel Zeit hatte, seinen Wahnsinn, gemeinsam mit der Hütte, fein auszubauen … | … ich stehe auf, laufe hinein in diese unbeschreibbare Topographie und gerate in eine wunderbare Ruhe. Das Schreien der Möwen in der Ferne. Der in unwirscher Sprache auf mich einredende Wind in den Ohren. … ein Schritt der wie der vorherige ist. Der wie der vorige ist. Und genau darin liegt der Reiz.«

(Nis-Momme Stockmann, der Fuchs)

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thoreauvian ::: fühlt sich skythisch und schildert Begegnung mit einem Fuchs

Läuft auf Schlittschuhen einem Fuchs hinterher und fühlt sich skythisch. – Ich bemerke dass mir gerade zu warm ist, um skythisch nachzuschlagen, vermute aber etwas Antikes. – Jedenfalls fühlt er sein Stadtleben dadurch aufgelockert. »mich erfreut stets der Anblick eines solchen Phänomens – ein Stück wilde Natur. … alle wilden Tiere … haben ein Talent zum Geheimnisvollen – einen orientalischen Sinn für Symbole und Zeichensprache. – im Fuchs offenbarte sich eine fast menschliche Ahnung des Geheimnisses.« – Das unergründliche im Sein das auch in einem selbst liegt? – Fuchs flieht wenn Thoreau sich ihm nähert, bleibt Thoreau stehen, bleibt auch der Fuchs stehen, »irgendein seltsames, aber unwandelbares Gesetz seiner Natur …«, in den Bann geschlagen, und Thoreau ist es ebenso, beobachtend. »Offenbar gehört der Fuchs zu einer ganz anderen Ordnung von Dingen als der im Dorf herrschenden«, auch wenn die Gerichtshöfe Prämien für sein Fell aussetzen, oder man Moral aus seiner Schläue zieht, beide »sind in kaum einer Hinsicht Zeitgenossen seines Waldlebens.« – Das Menschliche ist für diese Tiere so fremdartig, außerirdisch, beinahe überirdisch muss es ihnen sein. Was natürlich wieder nur eine Anthropomorphizierung ist. Wahrscheinlicher, dass wie auch den frühen Menschen, nichts was in der Natur vorkam, unnatürlich sein konnte. Es war einfach, alles.

(Henry D. Thoreau, Tagebuch II, ein 7. Januar, gelesen im Hochsommer)

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thoreauvian ::: weder Ganzheiten noch Schatten

»ich fürchte dass mein Wissen von Jahr zu Jahr einen deutlicheren und wissenschaftlicheren Charakter annimmt; dass ich, statt Ansichten so weit wie das Himmelsgewölbe zu haben, auf das Feld des Mikroskops eingeengt bin. Ich sehe Einzelheiten, weder Ganzheiten noch den Schatten des Ganzen. Ich zähle einige Teile uns sage: ich weiß.«

(Henry D. Thoreau, Tagebuch III)

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thoreauvian ::: schlichteste Beobachtungen, meteorologisches Tagebuch des Geistes

»Der Dichter muss beständig die Stimmungen seines Geistes beobachten, wie der Astronom die Aspekte des Himmels … selbst der schlichteste Beobachter würde ein paar Sternschnuppen sehen. Eine genaue Beschreibung, die eine unparteiische Person von den Gedanken gibt, die einen bestimmten Geist in siebzig Jahren aufsuchten, ist so, als würde jemand die Zahl und die Art der Fahrzeuge aufzeichnen, die an einem bestimmten Punkt vorbeikommen. Wie Reisende die Welt umrunden und von natürlichen Gegenständen und Phänomenen berichten, so soll ein anderer getreulich zu Hause bleiben und über die Phänomene seines eigenen Lebens berichten – Sterne katalogisieren, solche Gedanken, deren Umlaufbahnen so selten berechnet werden wie Kometen … ein meteorologisches Tagebuch des Geistes. Ihr könnt beobachten was in eurer Breite vorkommt, und ich das, was in meiner passiert.«

»Der Dichter ist ein Mensch der letztlich von der Beobachtung seiner Stimmungen lebt …«

(Henry D. Thoreau, Tagebuch III)

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thoreauvian ::: neigung umherzuwandern nachgeben

»wie viele Dinge tragen dazu bei, einen Menschen zu Hause zu halten, zu verhindern, dass er seiner Neigung, umherzuwandern nachgibt! … es einiger Entschlossenheit wie auch Tatkraft und Voraussicht bedarf, um die einfachste Reise zu unternehmen. … wenn ich mir überlege wie viele Dinge ich bequem tragen kann, dann halte ich es für gewöhnlich für das Bequemste zu Hause zu bleiben. …«

(Henry D. Thoreau, Tagebuch III)

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rabenschwarz ::: quorren krächzen ratschen

»… was uns als unschönes Quorren, Krächzen oder Ratschen ins Ohr geht hat für die Krähen, Elstern und Häher einen ähnlich präzisen Klang wie die Stimme des Menschen mit dem wir vertraut sind.«

(Josef H. Reichholf, Rabenschwarze Intelligenz)

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thoreauvian ::: orakelhaft

»… sollte ich zu meinen Freunden sprechen? Denn wie selten bin ich ich, und sind sie sie? Wir werden uns dann treffen, weit entfernt. Die Samen des Sommers trocknen und fallen von tausend nickenden Köpfen. … ah selbst die Bäche scheinen mehr angefüllt mit Spiegelungen als sie es wirklich waren! Ah was sind das für herausfordernde orakelhafte Sätze! Der seichteste ist zugleich der unergründlichste. Wie kann die Tiefe dort ausgelotet werden, wo ein Mensch sich selbst gespiegelt sieht?«

(Henry D. Thoreau, Tagebuch III)

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