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die Amsel

Die befreite Amsel breitete ihre Flügel aus und flog über das Sommerland … bis sie als ferner Punkt im Himmel verschwand …

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knausgård ::: hvorfor skrive? miste seg selv | værensnærvær

»jeg-et i litteraturen ligner jeg-et i virkeligheten på den måten at det unike vet det ene bare kan uttrykkes gjennom det som er felles for alle, som i litteraturens tilfelle er språket.« → vgl. Proust, dass Gefühle/Erleben über das man schreiben will so in der Sprache kodiert werden muss, dass es von den Lesern aufgrund ihres eigenen Erlebens allgemeingültig dekodiert werden kann. Weiter am Beispiel Emily Dickinson, »den store ensomheten og lengselen hun åpenbart følte, er for lengst død og begravet når vi leser dem, bare artikulasjonen av den er tilbake, som vi vekker til live i samme øyeblikk som vi lar blikket falle på ordene hun en gang for lenge siden skrev, og underkaster oss dem. Da synger hun i oss.« … aber an diese zukünftigen Leser kann sie nicht gedacht haben, «hvorfor artikulere livsfølelsen og ikke bare føle den eller tenke den? Ja, hvorfor skrive?»

Im Jetzt. Beschreibt die Sonne, Apfelbaum, Blätter, Schatten, einen Vogel der einen Wurm vertilgt. «luften lyder av kvitring og fuglsang. … alt ligger her, i det jeg gjør nå. Men hva er dette? Ja, hva er det å skrive. Det er først og fremst å miste seg selv, eller sitt selv. I det minner det om å lese, men mens tapet av ens selv i lesingen er til det fremmede jeg-et … er tapet av selvet i skrivingen på en helt annen måte fullstendig, som når snøen forsvinner i snøen, kunne man tenke seg, eller en hvilken som helst annen monokronisme … slik er det skrevne selvets vesen. Men hva er det samme som det både utgjøres av og beveger seg i? Det er det egne språket. Jeg-et oppstår i språket og er språket. Men språket er ikke jeg-ets, det er alles. Det litterære jeg-ets identitet ligger i at det ene ordet blir valgt framfor det andre, og hvor lite sammenholdende og sentrert er ikke den identiteten? På et vis ligner den identiteten på den vi har når vi drømmer, hvor bevistheten skiller like lite mellom det som er oss og det som er våre omgivelser og opplevelser, og vårt jeg er liksom lagt ut i et rom, hvor den grønne benken til venstre er like sentral for den vi er som den sprellende fisken til høyre, eller den Neptun-aktige skikkelsen som stiger opp fra vannet … forskjellen på drømmen og skriften måtte være at den første skjer unkontrollert, i noen av kroppens ubevisste moduser, og er hensiktsløs, mens den andre skjer kontrollert og er målbevisst. Og det stemmer, men likevel ikke, for det vesentlige i likheten har med den manglende lokaliseringen av jeg-et å gjøre … og det spørsmålet det reiser, for er ikke selve sentreringen det som egentlig utgjør jeg-et? Selve sammenholdningsakten? Jo. Men sannheten om jeg-et er ikke sannheten om den egne værenen. Det som stiger opp mellom de ulike bruddstukkene langt ute i det ikke-sammenholdte, er også det egnes klang, denne gjennom livet vedværende selvets tone, det i oss som vi våkner opp til, hinsides tankene vi tenker … og som er det siste vi slipper taket i før vi søvner. Og er det ikke denne selvets klang, denn fjerne tonen fra det egne, som går gjennom all musikk, all kunst, all litteratur, … alt som lever og kan sanse? Den har ingenting med jeg-et å gjøre, og ennå mindre med vi-et … bare med selve væren i verden … når jeg ser på den lille spurven utenfor, hvordan den står på grenen i solen og kaster hodet bakover for å få seg makken eller larven, er det utenkelig at den skulle være helt uten værensnærvær. Kanskje det til og med er sterkere enn vårt, siden det umulig kan være tilskygget av tanker. Det jeg-sammenholdende tankene er det lesningen og skrivingen kan oppløse …« → im Lesen loest sich das ich auf, aber nicht das sein. »… i første tilfellet går inn i det fra utsiden ankomne fremmede, og i den andre … går inn i det egne fremmede, som er det språket man selv råder over, med andre ord det språket man sier jeg i. Når man skriver mister man kontrollen over det jeg-et, det blir uoverskuelig … egentlig er en representering av dets faktiske tilstand, eller i alle fall det nærmeste en representering av det faktiske jeg-et vi kommer.« → sich in sich fremd finden

Dazu ein berühmtes Tagebuch zitierend, 1954. »Mandag – jeg. Tirsdag – jeg. Onsdag – jeg. Torsdag – jeg«

(Karl Ove Knausgård, Min Kamp 6)

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knausgård ::: verschwindet der leser aus sich selbst

»for en leser, derimot, finnes ikke krav om selvstendighet eller individualitæt, tvert imot, hele literatursystemet er basert på at leseren skal underordne seg verket og forsvinne inn i det.« → eine Variation von in sich selbst lesen, doch ordnet man sich unter, oder ist es Reflektionsfläche für eigene Überlegungen … verschwindet man im Lesen? Verschwindet der Leser aus sich selbst …

(Karl Ove Knausgård, Min Kamp 6)

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thoreauvian ::: sich selbst überfluten

»unsere entzückten Zustände die so geringe Frucht zu erbringen scheinen, haben zumindest folgenden Wert: Mögen wir auch in den Zeiten wenn unser Genius herrscht, keine Kraft zum Ausdruck haben, so kommt doch in den ruhigeren Zeiten, wenn unser Talent aktiv ist, die Erinnerung an diese seltenen Stimmungen um unser Bild zu färben, und ist sozusagen der beständige Farbtopf, in den wir unseren Pinsel tauchen. … nähern uns unweigerlich einer Erfahrung unendlicher Schönheit die uns befähigt stets getreulich zu übertreiben. … Augenblicke der Eingebung sind nicht verloren … ihre Wahrheit schlägt sich nieder und in kühleren Augenblicken können wir sie als Farbe benutzen …« (die Metapher schwemmt ihn davon) » … wenn der Augenblick kommt verleihen sie dem Schriftsteller einen gewissen Überfluss an Reichtum und bewirken dass sein Ausdruck sich selbst überflutet.« (sagte ichs nicht?)

(Henry D. Thoreau, Tagebuch III)

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fuchs ::: jegliches Sammeln & Menschen, die See

»… dieser Moment liegt unzerstörbar und komplett in meinem Kopf. Als müsste ich nur einen richtigen Schritt tun und ich wäre wieder da … | … das Ereignis jährte sich … war es einfach nicht mehr wirklich erfahrbar und rückte, wie alles in Thule, zu dem man keinen wirklichen Kontakt mehr hatte, schnell und wirksam in die Ferne … | … [Petros, im Pril stehend, immer wieder Dinge aufhebend] … Das salzige Wasser zieht über die beiden Löcher – in der Unendlichkeit der Ebbe winzig; und nach 40 Sekunden hat die Natur ihn vergessen. Keine Spur von seinem Dastehen. Und er sinkt, mit der Stoik eines zenbuddhistischen Mönchs – Ursache, Weg und Ziel zu einem verschmolzen – an einem neuen Ort ein. Wie eine fleischgewordene Beweisführung gegen die Chronologie der Zeit. Um ihn herum verliert sich dieser haltlose Unsinn in der Ebene: nein, Zeit zerfällt und fragmentiert, kreist, steht, staut sich auf – aber fortschreiten? Pft. … von ihm ausgehend, scheint es, expandiert sie in alle Richtungen. Sieht man ihm aber einen Vormittag lang zu, begreift man irgendwann: im Gegenteil: sie verdichtet sich bei ihm. … Blick für Blick geht er den ganzen Vormittag, Schritt für Schritt die Wüste des Wattenmeers ab. Bis die Flut kommt und ihn zurück ans Ufer drängt. … [und manchmal hebt er etwas auf, und sieht es sich genau an] als würde es sich um eine bedeutungsvolle Kreuzung handeln: zwischen dem Schicksal dieses Dings und seinem. Nach einem undurchsichtigen System gibt er den Gegenstand dann entweder wieder zurück – ganz vorsichtig, wie ein Fisch, den man, um sein Überleben besorgt, ins seichte Wasser entlässt – oder er steckt es, offenbar als Fund ausmachend, einige Sätze murmelnd in einen wetterverbeulten und blassen Plastikköcher den er am Gürtel trägt. … | … Für Katja passt das alles ins Raster. … Ich meine: was wenn dieser offensichtlich schon basisverrückte Mensch in den einsamen Jahren nach dem Verlust seiner Arbeit und dem Tod seiner Frau einfach ziemlich viel Zeit hatte, seinen Wahnsinn, gemeinsam mit der Hütte, fein auszubauen … | … ich stehe auf, laufe hinein in diese unbeschreibbare Topographie und gerate in eine wunderbare Ruhe. Das Schreien der Möwen in der Ferne. Der in unwirscher Sprache auf mich einredende Wind in den Ohren. … ein Schritt der wie der vorherige ist. Der wie der vorige ist. Und genau darin liegt der Reiz.«

(Nis-Momme Stockmann, der Fuchs)

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Ausblick ::: sich selbst verheddern

Ausblick: in rekursiven Schlaufen des Selbst verheddern

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montaigne ::: in uns allen selbst lesen

»Pascals Bemerkung »Nicht bei Montaigne, sondern in mir selbst finde ich alles, was ich dort sehe« könnte als das Mantra der gesamten nachfolgenden Wirkungsgeschichte der Essais betrachtet werden. Die Zeiten ändern sich. Jeder neue Leser entdeckt in den Essais sich selbst und fügt damit dem bisherigen Bild neue Bedeutungsnuancen hinzu.« … Malebranche »Der Verstand kann an der Lektüre eines Schriftstellers kein Vergnügen empfinden wenn er nicht seine Meinungen unterschreibt, wenn er nicht wenigstens etwas von denselben mit seinen eigenen vermischt und so dieselben dunkel und unverständlich macht.« … Montaigne, »sah sich als durch und durch gewöhnlichen Menschen … bis auf seine Angewohnheit Dinge aufzuschreiben … genau darum geht es in den Essais: wenn sich niemand in ihnen wiedererkennt, wozu sollte man sie dann lesen?«

(Sarah Bakewell, Wie soll ich leben? – oder das Leben Montaignes
in einer Frage und zwanzig Antworten)

vgl. Proust, in sich selbst lesen

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montaigne ::: in sich selbst sehen

»… ich wende meinen Blick nach innen, und da halte ich ihn fest und lasse ihn verweilen. Jedermann schaut vor sich, ich schaue in mich hinein. Ich habe es nur mit mir selbst zu tun …«

(Sarah Bakewell, Wie soll ich leben? – oder das Leben Montaignes
in einer Frage und zwanzig Antworten)

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jerome ::: sich reviktualisieren

»We did our marketing after breakfast, and revictualled the boat for three days. George said we ought to take vegetables – that it was unhealthy not to eat vegetables …«

(Jerome K. Jerome, Three Men in a Boat)

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roger ::: sich verzögern & sich konzentrieren

Gespräch von Bowles und Beckett über das Dazwischen, zwischen Entschluss etwas zu tun und tatsächlicher Ausführung. Oder es dann doch nicht zu tun. Projektion des Bildes gleich etwas zu tun. In diesem Moment, »man verzögert sich und ist in diesem Augenblick festgehalten von einem Zustand vor der Tat, gebrochen in der Nicht-Identität mit dem eigenen Handeln und doch eingefroren in der Immunität des Moments. Und dieser Moment mag sich dehnen zur Periode, er mag lebensentscheidend, mag Existenzform werden, wie der Maler Jasper Johns es fasste, als er sagte, Meine Schwäche ist es, nie zu wissen, ob ich expandieren oder mich konzentrieren soll«

Und Marcel Duchamp hat »eine so vollgestopfte Vergangenheit dass es mir schwerfällt etwas wirklich zu betrachten«, wohinzu »Alberte Giacometti weiß nicht woran es liegt, weiß aber wohl dass sein Stift nicht zeichnen kann was das Auge sieht. Zwischen sich und der Zeichnung liegt die Störung. Er weiß weder was diese ausmacht, noch, wie sie aussieht.«

(Roger Willemsen, Der Knacks)

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roger ::: sich selbst fragmentieren

»Leonardo da Vincis Aufzeichnungen lassen manchmal das Dunkel des Nichtverstehens ein. Es überschwemmt seine Sätze wie eine eigene Kraft und bringt sie nur halb zum Vorschein. … als er die folgenden Zeilen schrieb und ihnen dunklen Widerschein gab, fragmentierte er da den Mann, den Gedanken oder sich selbst? »Man wird häufig einen Mann drei werden sehen, und sie alle werden einander folgen, und oft wird der eine, der wirklichste, es aufgeben.««

(Roger Willemsen, Der Knacks)

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stapelie ::: sich selbst erinnern

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kollektaneen ::: thematisch sammeln

Kollektaneenbuch, »eine Sammlung thematisch geordneter Zitate und Geschichten, wie es in jener Zeit populär war.«

(Sarah Bakewell, Wie soll ich leben? – oder das Leben Montaignes
in einer Frage und zwanzig Antworten)

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wallwitz ::: unerhörte begriffswirbel im kopf

Leibniz ging mit der Mathematik um wie mit einem Gott, ehrfurchtsvoll aber nicht immer gewissenhaft. Seine eigentlich Stärke, die Verknüpfung seiner Gedanken, unvorhersehbar wie bei einem Würfelspiel. »Der Zufall, den er nicht aus seinem Kopf bekam, und der den systematischen Fortschritt behinderte, brachte ihn auf eine exzentrische Bahn und förderte zugleich seine Kreativität. Tausende von Mutmaßungen stellte er an, schüttelte die Begriffe und spielte mit ihnen, bis sie entweder einfacher wurden oder bis sie sich zu etwas Neuem zusammenfügten. Da er ganze Bibliotheken im Kopf hatte ergaben sich unerhörte Begriffswirbel. Leibniz wusste dass er in seinem leicht irritierbaren Geist Ordnung schaffen musste, um sich in der Realität zu verankern. Denken war an sich ja nutzlos, wenn es mit dem Denken der anderen unverbunden blieb.

… er saß traurig, aber nicht humorlos, inmitten eines gigantischen Haufens Papier, Buchmanuskripte, Notizzettel, Entwürfe, Sendschreiben, Polemiken, Exzerpte, Abhandlungen, Briefe, Konzepte, die er längst nicht mehr übersah. … in unübersehbaren Haufen von Ideen und Papier fand er sich selbst nicht mehr wieder, seine eigenen Gedanken entglitten ihm und es rächte sich nun dass er nur wenige publikationsreife Stücke produziert hatte. Die Ordnung der Begriffe war ihm abhanden gekommen und damit war ihm genau das passiert was zu verhindern sein Lebensziel gewesen war.« … und so kommt er zur Idee seiner Jugend zurück, die Ordnung der Begriffe.

»Die Schönheit in Leibniz Scheitern bestand darin, dass das Fluktuieren, Assoziieren und Kontrastieren der Gedanken ganz wesentlich zu Leibniz Genie gehörte. Er hatte keine eherne Methode um alles nach demselben Schema zu bearbeiten, er ließ den Dingen und Wahrheiten ihren Atem und versuchte sie von ihrem eigenen Wesen her zu begreifen. Willig ließ er sich von Faktoiden bombardieren, für die er dann geeignete Theorien bildete.«

(Georg von Wallwitz, Meine Herren, dies ist keine Badeanstalt)

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igel ::: nur sich selbst begegnen

»wir sehen nie über unsere Gewissheiten hinaus, und was noch schlimmer ist, wir haben es aufgegeben, Begegnungen zu machen, wir tun nichts anderes, als uns selbst zu begegnen, ohne uns in diesen ständigen Spiegeln wiederzuerkennen. … und wenn die Leute an der Concierge vorbeigehen, sehen sie nur Leere, weil sie sich in ihr nicht widerspiegeln.«

(Muriel Barbery, die Eleganz des Igels)

vgl. Proust, in sich selbst lesen

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