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wallace ::: haben & beisein

Faszination für die Sprache des Mordwinischen, in der es das Wort haben nicht gibt. »… und weil es ihm so natürlich schien, dieses oder jenes Ding zu haben, wollte er herausfinden, wie es sich anfühlte, wenn die Dinge nicht mehr zu haben waren, sondern nur noch bei einem sein konnten. Trotz intensiver Bemühungen musste er jedoch schon bald feststellen dass sich gefühlsmäßig kein Unterschied zwischen diesen Zuständen einstellen wollte. Spätestens mit der ersten Grippe die ihn eines Nachts im Museum heimsuchte, sah er ein dass es völlig gleich war, ob man eine Grippe sprachlich haben konnte oder ob sie nur bei einem war. Nichtsdestotrotz setzte er seine Lektionen unvermindert fort und entschuldigte dies damit, dass man das meiste im Leben tue ohne zu wissen, ob es irgendwann für irgendetwas gut sein würde.«

(Anselm Oelze, Wallace)

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Sprache ::: triviales Kippeln im Dämmerlicht des Denkens

»Manchmal bleibt einem eine triviale Erfahrung im Gedächtnis haften und löst eindringliche Reflexionen und Überlegungen aus, die weit über die eigentliche Bedeutung des Falles hinausreichen.« Bei ihm ist es die Unregelmäßigkeit der Kasusendungen des lat. Wortes flos, die Blume, was »… eine ganze Kette faszinierender Gedanken in Gang setzte …« Bei Proust ist es unter unzähligen anderen Eindrücken ein loser Pflasterstein auf dem seine Gedanken kippelnd hängen bleiben. »… alles in allem tragen somit die Veränderungen der Bedeutung nicht nennenswert dazu bei, das Dämmerlicht zu erhellen, das über Lauten und Strukturen liegt.«

(Guy Deutscher, Die Evolution der Sprache)

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