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pratchett ::: sie nennen es regen

»In der Welt außerhalb seines Kopfes begann es zu regnen. Eine weitere neue Erfahrung. Er hatte natürlich schon gehört, dass Wasser in Form kleiner Tropfen vom Himmel fallen konnte, aber nun erlebte er so etwas zum ersten Mal.«

(Terry Pratchett, Pyramiden)

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roger ::: sich verzögern & sich konzentrieren

Gespräch von Bowles und Beckett über das Dazwischen, zwischen Entschluss etwas zu tun und tatsächlicher Ausführung. Oder es dann doch nicht zu tun. Projektion des Bildes gleich etwas zu tun. In diesem Moment, »man verzögert sich und ist in diesem Augenblick festgehalten von einem Zustand vor der Tat, gebrochen in der Nicht-Identität mit dem eigenen Handeln und doch eingefroren in der Immunität des Moments. Und dieser Moment mag sich dehnen zur Periode, er mag lebensentscheidend, mag Existenzform werden, wie der Maler Jasper Johns es fasste, als er sagte, Meine Schwäche ist es, nie zu wissen, ob ich expandieren oder mich konzentrieren soll«

Und Marcel Duchamp hat »eine so vollgestopfte Vergangenheit dass es mir schwerfällt etwas wirklich zu betrachten«, wohinzu »Alberte Giacometti weiß nicht woran es liegt, weiß aber wohl dass sein Stift nicht zeichnen kann was das Auge sieht. Zwischen sich und der Zeichnung liegt die Störung. Er weiß weder was diese ausmacht, noch, wie sie aussieht.«

(Roger Willemsen, Der Knacks)

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roger ::: sich selbst fragmentieren

»Leonardo da Vincis Aufzeichnungen lassen manchmal das Dunkel des Nichtverstehens ein. Es überschwemmt seine Sätze wie eine eigene Kraft und bringt sie nur halb zum Vorschein. … als er die folgenden Zeilen schrieb und ihnen dunklen Widerschein gab, fragmentierte er da den Mann, den Gedanken oder sich selbst? »Man wird häufig einen Mann drei werden sehen, und sie alle werden einander folgen, und oft wird der eine, der wirklichste, es aufgeben.««

(Roger Willemsen, Der Knacks)

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roger ::: garten, schatten, zauber

Joseph Conrad und Knut Hamsun. Fähigkeit Geschichten um eine Leerstelle zu bauen. »Bei Conrad trägt der Knacks den Namen Die Schattenlinie … die Inschrift über einer Zone, in der das Leben zögert, als wolle es Atem holen, und immer noch, gleich nach dem Verlassen der Kindheit, Versprechen zu produzieren. »Man schließt die kleine Gittertür der Knabenzeit hinter sich und – tritt in einen verzauberten Garten ein. Selbst die Schatten darin glühen verheißungsvoll. Jede Wendung des Pfades hat ihr Verführerisches. Nicht weil es ein noch unentdecktes Land ist. Man weiß sehr wohl dass alle Menschen den gleichen Weg gegangen sind. Von dem Zauber allgemein menschlicher Erfahrung erwartet man einen außergewöhnlichen oder persönlichen Eindruck – ein Stückchen Eigenes.««

(Roger Willemsen, Der Knacks)

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munro ::: Combray, Dublin, Jubilee

»… ließ diesen Blick nie vorübergehen ohne etwas zu sagen. Dort ist Jubilee, … oder dort vorne liegt also die Metropole, oder sie murmelte sogar undeutlich ein Gedicht vor sich hin … und durch diese Worte, ob sie nun müde, ironisch oder ehrlich dankbar waren, schien mir Jubilee seine Existenz zu erhalten. So als wären diese Straßenlaternen und Gehsteige, die Festung in der Wildnis, das offene und geheime Muster der Stadt – eine Zuflucht und ein Rätsel – ohne ihr Einverständnis, ohne ihre Billigung nicht da.«

»… die Hauptsache war, dass es mir wahr erschien, nicht real, sondern wahr, so als hätte ich solche Menschen und eine solche Geschichte entdeckt und mir nicht ausgedacht, so als läge diese Stadt unmittelbar hinter der, durch die ich jeden Tag ging … und keine Liste konnte enthalten, was ich eigentlich wollte, denn was ich wollte, war alles, jede Schicht von Sprache und Denken, jeden Lichtstrahl auf Rinde oder Wänden, jeden Geruch, jedes Schlagloch, jeden Schmerz, jeden Riss, jede Illusion – festgehalten und zusammengehalten – leuchtendhell, für immer.«

(Alice Munro, Kleine Aussichten)

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kollektaneen ::: thematisch sammeln

Kollektaneenbuch, »eine Sammlung thematisch geordneter Zitate und Geschichten, wie es in jener Zeit populär war.«

(Sarah Bakewell, Wie soll ich leben? – oder das Leben Montaignes
in einer Frage und zwanzig Antworten)

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montaigne ::: umfassende aufmerksamkeit

Seneca wäre zufrieden gewesen, »solle man sich umsehen und sich für die Vielfalt und Erhabenheit der Dinge ringsum interessieren. Die Rettung liege in der umfassenden Aufmerksamkeit für die Natur der Erscheinungen. Und Montaigne wandte sich dem ihm am nächsten liegenden Naturphänomen zu: sich selbst. … »Wie gelangt man zu innerem Frieden?« Plutarch hielt hierzu denselben Rat bereit wie Seneca: Konzentriere dich auf das, was vor dir liegt, und schenke ihm deine ganze Aufmerksamkeit … der Trick besteht darin, sich in jedem Augenblick ein kindliches Staunen zu bewahren. Und die beste Methode dafür ist, über all das zu schreiben. Einen Gegenstand auf dem Tisch oder den Blick aus dem Fenster zu beschreiben öffnet einem die Augen für das Wunder der gewöhnlichen Dinge. Doch der Blick in das eigene Innere eröffnet eine noch phantastischere Welt. Der Philosoph Maurice Merleau-Ponty nannte Montaigne einen Autor, der »ein über sich selbst staunendes Bewusstsein als Kern der menschlichen Existenz« begriff. … mit zunehmenden Alter verstärkte sich Montaignes Wunsch das Leben staunend zu betrachten nur noch mehr … er wusste dass sich sein Leben dem Ende zuneigte und schrieb: Ich will dass es an Gewicht zunehme; ich will der Schnelligkeit seiner Flucht durch die Schnelligkeit meines Zugriffs Einhalt gebieten … je kürzer ich das Leben noch besitze, desto tiefer und umfassender muss ich von ihm Besitz ergreifen.«

(Sarah Bakewell, Wie soll ich leben? – oder das Leben Montaignes
in einer Frage und zwanzig Antworten)

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le guin ::: verbunden in der landschaft der zeit

»das Meiste was in Takvers Kopf und Seele vorging, hatte wenig mit der Genetik von Fischen zu tun. Sie hegte ein leidenschaftliches Interesse an Landschaften und Lebewesen. Dieses Interesse, oft schwach als Liebe zur Natur bezeichnet, war Sheveks Eindruck nach etwas viel Umfassenderes als Liebe. Es gibt Seelen deren Nabelschnur nie gekappt wurde. Sie wurden nie dem Universum entwöhnt. Sie verstanden den Tod nicht als Feind. Sie freuten sich darauf zu verrotten und zu Humus zu werden. Es war seltsam zu sehen wie Takver ein Blatt in die Hand nahm oder einen Stein. Sie wurde eins mit ihm und er mit ihr.«

Shevek unterhält sich mit einem Zugführer, lange Zeit im nirgendwo gearbeitet, fern von Takver, und auch der Zugführer hat in den Hungerjahren viel Leid erlebt. Der Zugfahrer erzählt irgendwann wurde es ihm langweilig, in jeder Stadt eine andere Frau, nun fährt er hier jahrein und jahraus die selbe Strecke, immer durch die Wüste, und kehrt immer zu seiner einen Partnerin zurück, und langweilt sich bei ihr nie. »es ist nicht der Wechsel von Ort zu Ort der einen lebendig hält. Man muss die Zeit auf seine Seite bringen.«

Später, in Gedanken. Für Odonier gibt es keinen Zweck sondern nur einen Prozess. Es gibt nicht das Ziel wo anzukommen, jemals wo stehenzubleiben. Gegenseitige Verpflichtung zwischen ihm und Takver dadurch lebendig, auch über die Zeit ihrer Trennung. »Erfüllung, dachte Shevek, ist eine Funktion der Zeit. … das Streben nach Abwechslung von schau- oder sensationslustigen Menschen … endet stets am gleichen Punkt. Es hat ein Ende. Es erreicht das Ende und muss von vorne beginnen. Es ist nicht Reise und Wiederkehr, sondern ein geschlossener Zyklus, ein verschlossener Raum, eine Zelle. Außerhalb des verschlossenen Raums liegt die Landschaft der Zeit … ein für Menschen bewohnbares Land. … Treue das Bindeglied zwischen Vergangenheit und Zukunft, das die Zeit zu einem Ganzen fügt …«

(Ursula K. le Guin, Freie Geister)

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pratchett ::: klima hockt in ausgedörrter ebene

»Es war nicht das übliche Wetter von Ankh-Morpork. Das Spektrum des üblichen Wetters reichte von Nieselregen bis zu Nebelschwaden, bescherte der Stadt kühle Tage und kalte Nächte. Jetzt hockte das normale Klima in der ausgedörrten Ebene und schwitzte wie eine Kröte auf einem Schamottstein. … Wind flüsterte, doch er brachte keine Abkühlung, beschränkte sich nur darauf die Hitze gleichmäßiger zu verteilen.«

(Terry Pratchett, Pyramiden)

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knausgård ::: flimrende skyggen, skogen, romformende værme

»farfar kjørte inn på deres plass, inntil et steingjerde, under den flimrende skyggen fra grenene på et stort eiketre … luften der, som anget av jord og gress og trær og blomster, var så varm at det føltes som om jeg trådte inn i den. Det var helt stille, bortsett fra fuglsangen og kanskje noen spredte stemmer eller båtdur borte fra den vesle havnen vi skulle til.«

In die Luft eintreten … Nype, Hagebutte. Kratt, Gebåsch. Beschreibt noch mehr Details der Umgebung, Steingarten, Hummeln, Feuchtigkeit, Gerüche. Wenn man etwas die Erde aufgräbt, »helt andre lukter med større fylde og dyp, på grensen til det råtne.« Sti, Fussweg, Pfad. An Stellen wo die Sonne schon den ganzen Morgen auf den Weg schien, schien sie die Wärme gebunkert zu haben, und es ist als würde man in Räume eintreten und wieder herausgehen. Wechsel zwischen Schattenland und Sonnenreich definiert aufeinander abfolgende, voneinander scharf abgegrenzte Räume. Und

»… parkere bilen på gress!«

Eine Situation in der Straßenbahn. Zwei Jungen, Freundschaft immerzu Wettstreit. Der eine Junge ruft vor Erstaunen begeistert Gras, was sich erst wie Krass anhört, die Strassenbahn fährt über Gras! Der andere Junge gibt sich betont unbeeindruckt.

(Karl Ove Knausgård, Min Kamp 5)

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thoreauvian ::: gedankenschatten inkanieren über den geist

»wenn ich im Wald spaziere kann eines Nachmittags zufällig der Schatten der Flügel eines Gedankens über die Landschaft meines Geistes huschen und mich daran erinnern wie wenig erkenntnisreich unser Leben ist. … dieser Schatten, der derart bald verschwunden ist und dessen Substanz nicht entdeckt wurde, legt nahe, dass es bedeutsame Ereignisse gibt, deren Abstand zu uns eine echte Geschichtsperiode darstellt.« … Technikeuphorie des neunzehnten Jahrhunderts … »keine aufrichtige und zutreffende Darstellung des Lebens eines Menschen oder eines Staates … das ist ein Hochjubeln der sich wechselseitig anhimmelnden Gesellschaft.«

Die einen Jubeln die Natur hoch, darf es für andere nicht die Ingenieurskunst sein? Ah, Hr. de Campos, Sie möchten etwas dazu sagen?

»Wagen fahren vorbei, und wir kennen ihre Substanz ebenso wie ihre Schatten. Sie halten und wir steigen ein. Aber jene erhabenen Gedanken, die in der Höhe ziehen, halten nicht, und wir steigen nicht ein.

Ich spüre dass der Mensch der in in seinem Gespräch mit mir über das Leben in Neu-England großen Wert auf Eisenbahnen, Telegrafen und dergleichen Unternehmungen legt, nicht unter die Oberfläche der Dinge geht. Er behandelt das Seichte und Vorübergehende als sei es tief und dauerhaft. In einer der Inkarnationen des Geistes, in dem Zeitraum zwischen Schlafen und Wachen, ja, sogar in einem der Zwischenräume einer Hindu-Dynastie vielleicht, mögen solche Dinge wie das neunzehnte Jahrhundert mit all seinen Verbesserungen kommen und wieder gehen. Nur was Gewicht hat, macht einen tiefen und dauerhaften Eindruck.«

(Henry D. Thoreau, Tagebuch III)

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attenborough ::: natural world splendour

»I found a prodigality of pattern and colour for which I was quite unprepared. It was a revelation of the splendour and fecundity of the natural world from which I have never recovered.«

(David Attenborough, Life on Earth)

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woolf ::: botaniktreiben

»wieso treibt bloß nicht einer von euch Botanik? … Bei all euren Armen und Beinen, warum treibt bloß nicht einer von euch …?«

(Virginia Woolf, der Leuchtturm )

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wallwitz ::: unerhörte begriffswirbel im kopf

Leibniz ging mit der Mathematik um wie mit einem Gott, ehrfurchtsvoll aber nicht immer gewissenhaft. Seine eigentlich Stärke, die Verknüpfung seiner Gedanken, unvorhersehbar wie bei einem Würfelspiel. »Der Zufall, den er nicht aus seinem Kopf bekam, und der den systematischen Fortschritt behinderte, brachte ihn auf eine exzentrische Bahn und förderte zugleich seine Kreativität. Tausende von Mutmaßungen stellte er an, schüttelte die Begriffe und spielte mit ihnen, bis sie entweder einfacher wurden oder bis sie sich zu etwas Neuem zusammenfügten. Da er ganze Bibliotheken im Kopf hatte ergaben sich unerhörte Begriffswirbel. Leibniz wusste dass er in seinem leicht irritierbaren Geist Ordnung schaffen musste, um sich in der Realität zu verankern. Denken war an sich ja nutzlos, wenn es mit dem Denken der anderen unverbunden blieb.

… er saß traurig, aber nicht humorlos, inmitten eines gigantischen Haufens Papier, Buchmanuskripte, Notizzettel, Entwürfe, Sendschreiben, Polemiken, Exzerpte, Abhandlungen, Briefe, Konzepte, die er längst nicht mehr übersah. … in unübersehbaren Haufen von Ideen und Papier fand er sich selbst nicht mehr wieder, seine eigenen Gedanken entglitten ihm und es rächte sich nun dass er nur wenige publikationsreife Stücke produziert hatte. Die Ordnung der Begriffe war ihm abhanden gekommen und damit war ihm genau das passiert was zu verhindern sein Lebensziel gewesen war.« … und so kommt er zur Idee seiner Jugend zurück, die Ordnung der Begriffe.

»Die Schönheit in Leibniz Scheitern bestand darin, dass das Fluktuieren, Assoziieren und Kontrastieren der Gedanken ganz wesentlich zu Leibniz Genie gehörte. Er hatte keine eherne Methode um alles nach demselben Schema zu bearbeiten, er ließ den Dingen und Wahrheiten ihren Atem und versuchte sie von ihrem eigenen Wesen her zu begreifen. Willig ließ er sich von Faktoiden bombardieren, für die er dann geeignete Theorien bildete.«

(Georg von Wallwitz, Meine Herren, dies ist keine Badeanstalt)

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woolf ::: wie gedanken in köpfen

Im British Museum. »… die Schwingen der Tür schwangen auf, und schon stand man unter der gewaltigen Kuppel, als wäre man ein Gedanke hinter der riesigen kahlen Stirn, die ein so glänzendes Band berühmter Namen trägt.«

(Virginia Woolf, ein Zimmer für sich allein)

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