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Fotorunde ::: be cossi — das Wasser ist gar nicht mehr so nass

Natursichtungen, diverse Hymenopterae, fliegend und summsend, ein sich wie irre abrudernder Turmfalke im Flutbecken, Herr Lampe und ich erschrecken uns gegenseitig, Schafe von weitem, Schwäne, etwas beinahe Haubentaucherartiges, diverse Enten und Blesshühner, Libellen, Baumfreunde, Hecken, Sträucher, Gräser.

Und immerzu der Wind, bis er am Nordufer Meeresstärke anfacht, pfeifend, Haar und Federn zerfleddernd, dazu das Licht, der Steg, die Blumen vor dem Wasserhintergrund leuchtend, Erinnerungen an die Insel bei Oslo und später das Wildschweingehege, an der Lauer vorbei, Zypressen, und im Wald, das Spiel von Schatten und Licht. Ein wie wundervollvoller Tag. Und selbst eine plötzlich im Sitzen herabgestiegene Anhöhe, vom Zufall erwählt, ein so schöner Ort um einfach mal kurz da sitzen zu bleiben …

… mehr See

Nachhauseweg, ein flügeliges Objekt gleitet weit oben über den imposant mit ausgefransten und gefächerten Wolkenmassen verschlierten. Nach kurzer Überlegung erkenne ich dass es ein Flugzeugvogel ist.

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Yob | 23.09.16 | UT Connewitz

Black Cobra. Musik als Hochleistungssport. Der Trommler trommelt einiges weg. Sowohl er als auch der Gitarrist und Sänger scheinen als Ziel zu haben möglichst viele Töne in möglichst kurzer Zeit zu absolvieren. Als halb hypnotischer Eindruck aufs Sehzentrum durchaus annehmbar.

Yob. Konzertbeginn während wir noch an der Seite sitzen. Seitlicher Blick auf die ersten Köpfe vor und zurück schüttelnden Reihen. Alle sind genau im Gleichklang bis auf einer, der langsamer ist, und nur hin und wieder denselben Einsatz trifft, ansonsten tingelt sein Oberkörper immer irgendwo außerhalb der Menge schwankend. Fühle mich identifiziert verbunden.

Komme nicht umhin bei insgesamt vier Männern mit langem, leicht lockigem Haar, darüber nachzudenken, wie es kommt dass die meisten Heavy Metal-Musiker Locken zu haben scheinen. Man verzeihe den unwürdigen Gedankengang, aber ob sie sich über Nacht wohl kleine Zöpfchen flecht…

An einer Stelle beginnt die Musik mit einem sehr interessanten, sirenenhaften Flirren, über das die rhythmisch schlagenden Saiten und Trommeln gezogen werden. Alles natürlich in gemächlich stimmigem und optimalem Haarwurf-Takt. Das Grölen und Schreien ist sehr ausdrucksgewaltig, wenn gesungen wird, erinnert die Stimme frappierend an eines der letzten Lieder in der Rocky Horror Picture Show, … das, kurz bevor das Schloss gen Transylvania abhebt.

Der Sänger ist ein hervorzuhebend frohgelaunt strahlender und freundlicher Mensch. Immer mal wieder reißt er kriegerisch beide tätowierten Oberarme hoch, lächelt dem Publikum glücklich zu, und grölt tiefdurchdringend und aus dem Publikum hallt ihm der Gruß begeistert entgegen. Zu Ende verabschieden er und die anderen der Band sich aus den ersten Reihen mit sehr realen Handshakes.

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Emma Ruth Rundle ::: Wovenhand | 22.09.16 | UT Connewitz

»christlich-schamanistische Fundamentalisten spielen Metal auf Country-Basis«
(Hr. Walte)

Ein Dröhnen und Bohren begleitet den Weg aus dem Reich des Schlafes in die Welt die wir die Wirkliche nennen …

Emma Ruth Rundle. Ein zierliches Wesen dessen Stimme weit in Raum und Zeit greift. Der Gesang der anfangs nur von einer verstärkten Akustikgitarre, aus der immer wieder unvermittelt dröhnende aufhallende, klaffende Akkorde gesetzt werden, begleitet wird, ist wie das Meer das an einen Strand anschwappt, Welle für Welle sich anhebend und sich dann leise verschwindend zurückzieht, und darüber der Gezeitenwechsel. Oder wie der Wind der mal sachte knisternd Blattwerk durchraschelt und sich im nächsten Moment anschickt alles zu entwurzeln. Er ist wie das Ein- und Ausatmen des Lebens. Zugegeben mehr an von Menschen fernen, von Nebel umgebenen Orten. Man sieht Küsten und Lichtungen im Morgengrauen, keine Großstädte, nicht den hektischen Puls großer Menschenmengen. Das war vielleicht einmal, und mag auch wieder sein, wenn sie Bestandteil der Marriages ist. Man sieht die gedankenvolle Einsamkeit einer abgeschiedenen Seele. Der an- und abebbende Effekt der Stimme wird durch vor und zurückwiegenden Tanz um das Mikrofon verstärkt.

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Abay | 15.09.16 | Naumanns

Der Vorfranzose mit Sonnenbrille unterm klabauterblauem Haar betritt die Bühne im dämmrigen Saal und bittet nach der ersten Darbietung um mehr Licht, bitte, und nach der zweiten um mehr Dezibel. Herr Walte unterstellt dem ernstzunehmenden Künstler Hiroshimas Schabernack. Musikalisch werden Anlehnungen oder vielmehr Mischungen aus Grunge und Radioheadgesang zelebriert. Die Nichtsingstimme erinnert durch das weiche und sonore Timbre mit der die deutschen Wörter aussprachegenau geformt werden, und nur einen dezenten französischen Klang beilegen, überraschend und delokalisiert an Pierre Brice.

Abay beginnen mit The Queen is Dead. Das trommelwirbelnde sich weiter und weiter steigernde Schlagzeug setzt den Traum eines perfekten Konzerts in Gang. Erhaben. Spannungsgeladen. Tänzelnd. Leicht. Beschwingt. Voller Abwechslung und Kurzweil. Und dazu der sichtliche Spaß auf und vor der Bühne, nicht zuletzt angetrieben vom vierzigjährigen Jungspund Aydo Abay der während der Lieder kaum still halten kann, und während der Zwischenansagen mit tiefenentspanntem Humor seine hartnäckigsten Fans aus Blackmailzeiten sacht dirigiert.

#mein Freund das ist nett, aber weist du, ich bekomm das Bier hier umsonst, du musst mir keines ausgeben
#ich kann jetzt nicht mit dir reden, ich bin noch auf Arbeit

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Regenmassen ::: Singulariatantum formen Plural durch Komposita

Prasselregen, Platschregen, Dauerregen, Feinregen, Fieselregen, Fernregen, Krachregen, von der Straße wieder hochgeschleuderter Regen, diesiger Regen, emulsionifizierender Regen, von Bäumen gewehter Regen, Schieberegen, Starkregen, anschwellender und verebbender Regen, Weichregen, Seichtregen, in Nebel übergehender Regen, Gleißregen, Gischtregen, scheinbar schwereloser Regen, Regenschleier, Regenreiher, bei Weiden zwischenzeitlich nur sehr wenig Regen …

»Der Regen schien ewig andauern zu wollen. Im Oktober regnet es immer so unaufhörlich, bis die Erde völlig durchweicht ist. Die Bäume, die Autobahn, die Felder, die Autos, die Häuser, die Hunde, ausnahmslos alles saugt sich mit Regen voll und die feuchte Kälte durchdringt erbarmungslos die ganze Welt.«

(Haruki Murakami, Pinball 1973)

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EF | 25.08.16 | Naumanns

Jævlig varmt er det, her i himmelen

Es mag eine weite Strecke im Jahreslauf gedauert haben, doch eines Abends geschieht der perfekteste Sommerabend den es geben kann. Nicht kalt, alles ist von sanft heruntergekühlter Luft umgeben. Der Biergarten am Felsenkeller liegt wohlig ausgereckt auf bereits blättrig raschelnd bedecktem Boden unter den Bäumen. Herr K. reizt wieder das Kombinationsspiel mit Bestellung, Einlass und verrinnender Zeit bis ins Letzte aus, doch jeder Anflug von Unruhe und nervöser Erwartung wird in der entspannten Sommerabendlaune aller umgebenden Biergartenkulturteilnehmer sogleich verweht.

Nach erfolgreichem Abschluss der Nahrungsaufnahme auf Zeit schlendern wir, stolpernden Wurzeln weichend, wieder zu den Treppen vor dem Einlass, erwartungsfroh was als Vorband gegeben wird.

Dort treffen wir auf den Institutsleiter und Dame C., die dicht an dicht mit anderen Treppenstuflern vor dem vom Gesprächsrauschen summenden und vibrierenden Eingang lehnen. Wie nett, sie warten auf uns, dabei hätten sie doch auch schon reingehen können. Noch ganz im Biergartenflair und Zauber des lauen Sommerabends gefangen, dringen die eröffnenden Gesprächsinhalte nur langsam zu mir. In seinen gewohnt fulminanten Geistessprüngen fantasiert und webt der Institutsleiter nahezu ohne Begrüßungszeremoniell wie im Wahn ein Parallelwelt-Gespinst, von Sauna-Aufgüssen auf der Haut der spielenden Band, alles umwringenden Nebeldunst, zischenden Siedewasserklängen auf High-Hats und Zimbeln, alle Konzertbesucher in Handtücher umwickelt … wie immer begeistert von der überbordenden vor nichts Halt machenden und auch vor keinem Sujet aus Ehrerbietung zurückschreckenden Vorstellungsmacht des werten Kollegen, bin ich doch auch etwas aus dem Tritt gebracht, und es scheint, nur die Hälfte dessen was er uns nahebringen will, schwappt an mein Bewusstsein heran, das sich auch halb mit dem bevorstehenden Vertrautmachen eines noch unvertrauten Konzertraums befassen muss, und überdies plötzlich mit der Sortierung von weiteren drängenden Fragen abgelenkt ist. Wir haben die Vorband verpasst? Wieso stehen alle draußen? Und was mag dem Kollegen nur widerfahren sein, das ihn so aufwühlt? Sollte ihm die sicherlich fiebernde Stirn vermessen werden? Und wieso klären wir das im Weiteren nicht drinnen? Er scheint mir wie jemand, der etwas sehr wichtiges mitzuteilen hat, doch es aus unerfindlichen, sicherlich ins Tiefenpsychologische reichenden, Gründen, einfach nicht direkt auszusprechen vermag.

Ich nicke ihm noch einmal aufmunternd und wie ich hoffe bestärkend zu … dann betreten wir den Raum, die Zeit bleibt einen Moment stockend und wie nach Luft japsend stehen. Luft mit Persönlichkeit. Es ist ja neblig, dunstig und heiß wie in einer Sauna hier drin!

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