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Rocket from the Crypt | 12.07.17 | Festsaal Kreuzberg

Damals, 2017 war das. Ich weiß es leider nicht mehr als ob es gestern wäre. Aber das Gefühl, an das erinnere ich mich noch als wäre ich genau dort, in diesem Augenblick, mit Rocket from the Crypt und all ihren Fans. In einem der die Tanzfläche umgebenden Sitzgruppen des Saloons. Habe selten härter gesessen. Der Gin Tonic vor mir leuchtet. In Bearleans Creek war das. Da wo es immer regnet, wenn wir hindurchziehen. Festsaal Kreuzberg. Der Schuppen, im wörtlichen Sinn des Wortes, in dem vorher das White Trash Fast Food war. Die Zeit und die Läden vergehen. Doch die Szene bleibt. Das Gefühl ist tief im Innersten verankert. Diese schiere Freude die sich aus der Energie von Rock’n'Roll . Punk . Garage . und Gebläse in einem einzigen Rauschgefühl entlädt. Draußen rollt das Tumbleweed zum langgezogenen Ruf des Kojoten, der aus dem Canyon mitten in der Stadt herüberweht. Und hier drinnen, da steht dieser mitteilsame nette Mann auf der Bühne, und unterhält die ganze Stadt. Zwischendurch macht er mit seinen Freunden Musik. War heiß die letzten Tage. Die Vergangenheit sirrt und verschwimmt wie die Landschaft die man hinter den erhitzten Luftschichten in Bodennähe flimmern sieht. Vielleicht war alles auch ganz anders …

Im Dunkel der Bühne entfaltet sich ein silbriges Glitzern dass sich kreisend bewegt. …

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Kamikaze Fest mit Talking to Turtles ::: A Dead Forest Index ::: White Wine | 1.07.17 | Arena im Panometer

Es schickt sich an prächtiges Festivalwetter zu werden! Noch ist der Himmel zwar bedeckt, die Luft schon angereichert mit Feuchtigkeit, aber abgesehen von einem nachmittäglichen Schauer ist das Wetter doch leider noch nicht anders als trocken zu nennen.

Am Panometer vorbei, eine kurze Erinnerung an das lunare Strahlen des Narrenturms in Wien, weiter zur Arena, im Näherkommen wird die von Weitem wahrgenommene Musik immer deutlicher die von von Talking to Turtles. Schnell durch den Einlass und gleichzeitig vom »Innen draußen« Eindruck des luftigen Gebäuderestes, unerwartet grasbedecktem Boden und dem durch dieses abgemauerte Rund schwebenden glücklich freien Klang aufgefangen.

Im weit ausgedehnten Innen nur wenige sich darin verlierende Menschen, dadurch noch mehr das besondere Gefühl der umgebenden Leere und Luft, ein kleines abgekapseltes Universum für sich.

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Binoculars ::: Digger Barnes | 23.06.17 | Schauspielhaus

Eine sanfte Stimme fliegt verträumt durch eine matt glänzende Welt aus bisweilen sphärischen dann schrammeligen aber dabei immer in sich ruhenden Klängen die mit elektronischen Einsprengseln versehen ist, und man befindet sich unmittelbar in der Welt von Rue Royal und ein bisschen in der von Spain, und auch Air und Kante scheinen dort zu schweben. Der Schlagzeuger gibt den ruhigen Pulsschlag dazu, und hin und wieder seine Stimme. Ein weiteres Gefühl kann erst benannt werden, als die Bühne für die Diamond Road Show zurechtgeschoben wird, und Binoculars ihre Plätze einnehmen. Das der Vertrautheit. Es ist die Stimme die auf dem Album Every Story True so zauberhaft als Gegenpart neben Digger Barnes erklingt.

. _ . _ . . _ . _ . . welcome to the magical theater . . _ . _ . . _ . _ .

I, II, III, IV, V, VII

Die Bühne des Theaters füllt sich mit soviel Band wie es zu Digger Barnes noch nie gab*, während in einem vor Spannung vibrierenden Moment die Leinwand mit einem sanften nicht hörbaren Wusch nach oben gleitet und diesmal den gesamten Hintergrund ausfüllt, und nicht nur ein über der Bühne schwebendes Fenster in das Universum der Diamond Road Show ist. Diese Leinwand auf der später irritierenderweise keine Schatten der Menschen die vor ihr sind zu sehen sein werden. Die Projektion von Pencil Quincys kleiner sich in einem Lichterkarrussel drehenden Welt voller angemalter Schnittfiguren wird offenkundig nicht an die Wand geworfen, sondern spielt sich auf ihr ab.

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Husky Loops ::: The Kills | 7.06.17 | Täubchenthal

fieser, gnadenloser Pop*

Das Täubchenthal ist angenehm mit Menschen gefüllt und im direkten Vergleich mit dem Haus Auensee einfach nur schnucklich klein. Wohlfühlgröße. Nach überlegendem Schlendergang oben auf der Galerie und unten durch den Saal fällt die Wahl des Standpunktes auf einen Platz weit vorne links außen, der unvermittelt ein Loch bis ganz vor die Bühne mit Stahlträgerlehngelegenheit offen lupft. Auf der Bühne werden diverse bodennahe Ventilatoren erspäht.

Husky Loops. Auf der neuen All Areas ist ein neues Lied von Franz Ferdinand** bei dem man nie und nimmer an Franz Ferdinand denken würde***. Aber Husky Loops klingen als könnten sie ein neuorientiertes, gitarrenkrachzugewandteres Franz Ferdinand**** sein. Blechernes Geschrammel, Fiepen, Knirschen, Knarschen, und noch verzerrtere Töne wechseln sich mit melodischen Gesangsmomenten und herben Riffs ab. Was an elektronischen Effektverzerrungen möglich ist, wird eingestellt, und ganze Songs in diesem Verzerrklang durchgespielt. Show Tunes. Crazy Tunes. Erinnerungen an Bul Bul, mit Ghinzu vermischt, im letzten Song könnte das Rohmaterial von System of a Down stammen, und in einem Lied stimmt der Sänger eine Art kontrolliertes Gackern in das Mikrofon. Metallwaleinsatz. Schrappende Slides. Druck. Dann geben wir alle diese Einzelzutaten nochmal in einen Mixer, und schalten ihn auf eine dieser Stufen die ein die Nerven zerlegendes hohes Schrappniergeräusch von sich geben. Ja, genau so! Hervorragend.

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Yotam ::: Rob Moir | 28.05.17 | Ilses Erika

An einem sonnenschweren Nachmittag im baumgrünen Freisitz des Prager Frühling. Zestbedingt zu spät für den ersten Teil des Konzertabends, doch wird uns versichert dass es großartig war. Doch rechtzeitig für den Soundcheck von Yotam auf der winzigen vor pittoresk verfallener Mauer und großem Baum auf der einen, und blaubeblühtem Kräuterhang auf der anderen Seite umgebenen Bühne, um in Ruhe noch kurz alles in Augenschein zu nehmen, Strandstühle, Hunde, Kinder, entspannte Menschen überall.

Das Konzert erinnert an das im letzten Jahr in noch winterlicher Kälte, doch irgendwas an der Umgebung, scheint noch mehr die albernen und witzelnden Seiten Yotams hervorzuholen, und weniger die schwermütig Nachdenklichen. Und so besingt er mit seiner einzigartig fließenden Stimme seine, nach eigener Aussage, Lieblingsthemen, das Tourleben, Schweiß, Whiskey, Beziehungen, und baut dabei improvisierend den ein oder anderen Hund der gerade vor einem Kind sitzt und es anstarrt, oder sich an einem Tisch knapp vor der Bühne begrüßende Menschen mit in seine Songs ein, »Hi, nice to see you again«, die sodann ertappt bis verdutzt aufblicken, oder entledigt sich seiner Gitarre um mit einem Sandkasteneimer und entsprechender Schaufel gegeneinander schlagend nur vom dumpfen Hall dieses Rhythmusinstruments und dem Publikum begleitet seine Weisen weiter in die Welt zu singen. Es schrammelt wohlklingend, mit einer belebten Dosis Punk, und voller froher Laune. Kurz vor Zugabe holt er sich noch einen befreundeten Musiker mit nach vorne, und dann auch Rob Moir, der zur Improvisation gezwungen darüber singt, dass er schon weiß warum er vor Jahren damit aufgehört hat, aber darin brilliert indem er einen kleinen blonden Jungen in der Strandstuhlreihe ansingt, was er denn mal werden möchte, von diesem keine Regung im etwas bockigen Gesicht empfängt, und ihm dann eine Zukunft als Emo weissagt.
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The Dead South ::: Max Paul Maria ::: Del Suelo | 25.05.17 | UT Connewitz

Bier! Bärte! Banjo! … und eine Lady

The Dead South betritt in aktueller Konzertkonstellation die Bühne des UT und sehen dort ausnehmend schmuck aus. Traveller Hats, weiße Hemden, Hosenträger, Manschetten, wucherndes Haupthaar, und die entzückend banjofunkensprühende schwarz bekleidete Eliza »Miss Mary« Doyle. Der Cellist Erik »Bonesaw« Mehlsen, a.k.a. Del Suelo, eröffnet die Show mit sonnenleichten, oft leicht jazzigen Gitarrenstücken als singender Schriftsteller, was die Suche nach Songtiteln sehr zu erleichtern scheint. »The next song is called chapter five …«. In der Mitte der Landpartie Nate Hilts und Scott Pringle. In Deutschland wird die Truppe wieder von Max Paul Maria begleitet, der mit schwer stimmgewaltiger Melancholie und diesmal ausschließlich mit bisweilen ordentlich lärmenden e-Saiten und zur Dylandiskussion gestellten Mundharmonika, sowie einer luftundurchlässigen wenn auch an den Ellbogen löchrigen Jeansjacke, die zweite mal krachende mal bluesjazzende Einstimmung in den Abend gibt, und im weiteren als Saitenjunge unermüdlich gerissene Saiten neu spannt und den Whistl zu good company leiht, da Del Suelo nicht so pfeifen kann wie Danny Kanyon.

Die Show ist wieder ein fröhlicher unwiderstehlich mitreißender tanztreibender Wirbel aus fliegenden, gezupften, geschrammten und plektrierenden Saiten, aus dem sich hin und wieder der Klang des gestrichenen Cellos mit aufreibender Schönheit erhebt, auf den Instrumenten rauholzig geklopftem Takt, knarrenden, hauchenden, jubelnden, weit wehendem Gesang, ekstatisch lässigen Tanzmanövern, Zeiten in denen es geziemend ist, um eines der Instrumente einen hervorhebenden Kreis zu bilden, und stampfenden Stiefeln. Das faszinierte Augenmerk fällt zu Beginn auf einen Bodenschellenring. Zu einem der neuen Songs wird zu Beginn und Ende sehr passend Unwetter eingespielt. Und im bisherigen Magnus Opus, dem mit fünfundzwanzig Minuten angekündigtem Gunslingers Glory, was ggf. aber auch den ein oder anderen Abstecher in zeitlos verstreichende Parallelwelten in denen sich das Rad der Zeit in anderer Geschwindigkeit, wenn überhaupt noch dreht, beinhalten muss, holt Miss Mary mit elegantem Schwung aus um mit Wucht auf eine silbrig glänzende Blechdose abgesetzte Schläge zu dreschen, was einen sehr kaizervollen Effekt erzielt. … und so dreht sich das Rad durch rhythmische Ausleihen aus Sirtaki, berückend stockenden Walzern, aussetzenden Takten osteuropäisch verklärter Wehmütigkeit hindurch gen Zugabe, um zu klären wie sehr man ein Saitenspiel beschleunigen kann, bevor das Universum voll Glorie daran zerschellt, seine Einzelteile wieder aufsammelt, und weiterdreht.

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Run on Sentence ::: The Builders and the Butchers | 19.05.17 | So & So

… nachdem Run on Sentence und Builders & the Butchers
die Gehörgänge fachgerecht zerlegt haben, wird
Käptn Peng morgen unser Gehirn aus-ein-
ander-schrau-ben. Das wird ein Spaß!

Auf dem Gelände des TV-Clubs betritt man durch einen holzgezimmerten Vorbau einen fürsorglich begärtnerten und dezent mit industriellem Zierrat dekorierten und mit verschiedenen Sitzgruppen ausgestatteten Hinterhof, in dem Leute mit Getränk, Geräuch und Plauderei die Zeit bis zum Konzert vergehen lassen. Wir sitzen neben einer Winden-Pflanze die porzellanene kleine werdende, noch hellgrüne Blütenansätze aufweist, ein Blick nach oben in zwei blaue Blüten zeigt mir, dass dies meine erste unverhoffte Begegnung mit einer Clematis ist. Ein Traumfänger hängt von einem Holzgerüst das einen jungen Baum umgibt, sowie ein kleines mit grünem organischen Material gefülltes offenes Fläschchen. In einer Ecke ein Tank, in Ansätzen von Efeu berankt, obenauf ein Glaszylinder, ebenfalls von einer neongrünen vor sich hin modernden Flüssigkeit ausgefüllt. Ein Schnurtelefon an einer Holznische. Eine Affenmaske mit rot leuchtenden Augen die den Eingang nach drinnen überspannt, als wäre es das Bergwerk von Monkey Island. Zwei ältere Herren in Karohemden. Tätowierungen. Barfüßigkeit. Darüber ein wunderbarer vorgewittriger Abendhimmel mit immer neuen Wolkenmustern, meist einzeln schemenhaft dunkleren Wolkenflecken vor gleichgetöntem Grund. Es läuft beschwingter Soul.

Drinnen eine Bautreppe und dunkel ausgekleideter Raum, weitere Sitzmöbel, Kinosessel, geschreinertes, und eine aus mehreren nebeneinandergestellten Klavieren bestehende Bar. Noch weiter nach innen wird der Konzertraum entdeckt, dessen Bühnenhintergrund aus den eng aneinanderliegenden Kreisformen von Trommeln besteht, momentan in groovy Pink ausgeleuchtet, aber an sich in verschiedenen Farben ausleuchtbar. Davor eine angedeutete Waldreihe von Birkenstämmen. Jeder Moonatics-Mondbar wäre es ebenfalls eine Zier.

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Therese Aune ::: Einar Stray Orchestra | 25.04.17 | UT Connewitz

Man stelle sich vor, nach einer sphärisch in nachtnebeligen Feenwäldern verträumt geträumten Nacht erwacht man munter bis energieplatzend mit tausend Ideen die alle gleichzeitig umgesetzt werden wollen voll quirligen Tatendrangs und Übermut. So in etwa wirkt das Fräulein Aune im Vergleich zu ihrer letzten Darbietung im UT.

Das Instrumentarium des Abends besteht aus Synth-Tasten, die in komplexen Mustern verwobene Klänge und Rhythmen wiedergeben, und viel weiterer Elektronik, durch dessen Klänge sich Therese Aunes Stimme und warmherziges Wesen als Faden spannt, wie ein aus goldschimmerndem Zwirn gewirkter Stoff mit Spitzen. Im stürmischen Synthmeer taucht der Eindruck auf, dass sich Therese Aune mit ihren neuen Stücken auf Gleisen bewegt, die im Gleismeer in diesselbe Richtung wie die von Me & My Drummer führen.

Das letzte Stück ist darin wie ein Blick zurück. Broken Bird, dieser Song mit dem so rührend bezaubernden Text. Es gibt wieder selbstgebastelte CDs, wie Fräulein Aune mit einem »kind of pirate copying myself« bekannt gibt.

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Käptn Peng und die Tentakel von Delphi | 20.05.17 | Haus Auensee

Logbucheintrag siebzehn fünf zwei(null). An meinem Fenster fliegen Meisen vorbei. Menschen! So viele! Ein Kontrabass _ Köpfe _ Gedankengänge _ durch die Bedingungen der Akustik nur erahnbare Dichtkunst. Ermangelung von Sichtung. Inszenierung. Magie. Percussion. Peli-di-peli-di-peli-peli-peli-peli-peli Peli-peli-Pelikan. Fuchs. Weltall. Hunderttausend Jahre alt und noch immer ein Kind. Mehr Gesang, mehr stimmig. Tastenklang. Beat. Schräg. Schön. Sonderbar. Wunderbar. Musik so wandelbar, voll von besonderen Momenten. Die Stimme der Socke – das wahre Wesen. Erkenntnis. Ein Kreis. … liegenbleiben, ich hab eure Schnürsenkel zusammengebunden …

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Michelle Gurevich | 4.04.17 | UT Connewitz

In abendlicher Nacht auf dem Weg zu einem Konzert, bei dem man im vorhinein eine gewisse Unwissenheit im Gefühl hat, denn das Konzert könnte sich in jede Richtung ausgestalten, alles könnte einen erwarten. Das was man in den Weiten der wirbelnden Welt aus Daten von Mme Gurevich an Videos und Audios findet, hat es verraten, und nicht wenig in gebannte Aufregung versetzt.

Und so findet man sich wieder im ehrwürdigsten Konzertraum der Stadt, in dunklem Licht, und erwartungsvollem Ausblick auf die Bühne auf der diverser musikalischer Zierrat verheißungsvoll schimmert. Die Bühne wird von den zwei begleitenden Musikern betreten und mit raunendem Gespür in bemessener Zeit folgend, der Auftritt von Michelle Gurevich in vaganter Garderobe die indirekt später Thema einer ihrer erzählerischen kleinen Intermezzi für das Publikum sein wird.

Jeder der drei Musiker hat Tasten in Reichweite, Mme Gurevich wechselt zwischen e-Piano und drei Gitarren, der Gitarrist rechts hat ein Klangblech das in ein oder zwei Stücken wirkungsvoll eingesetzt wird, und ein sehr weites Tastenwerk, und die Dame aus Dänemark links hat einen zwei-Tastenaufbau der hörbar auch irgendwo noch ein Drumpad enthalten müsste. Die Synth-Klänge scheinen von der Herausforderung, sich aus den unendlichen Möglichkeiten für eine Klang-Beat-Kombination zu entscheiden, zu erzählen. Aus dem Instrument des Gitarristen ist zu Beginn ein beinahe hölzernes Klackern besonderer Aufmerksamkeit wert, im zweiten Lied ein tremolierender Perlklang wie aus einem Vibraphon oder einer Harfe.

Die Klänge aus den Tasten, Saiten und der Stimme schweben jeder für sich in das Dunkel des putzbröckelnden Raumes über der Bühne und füllen doch den ganzen Saal. Für sich allein, verbinden sich nicht, treideln umeinander wie verloren. Es entsteht ein sehr eigener Effekt, wie als sollte er die Einsamkeit jedes Menschen die in den Liedern durchscheint noch weiter illustrieren.

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Moon Duo | 27.03.17 | UT Connewitz

Die Soundwand der Vorband Fabian wirkt sehr interessant ornamentiert. Postrock mit starken Jazzeinschlägen, besonders in Bass und Schlagzeug und nicht zuletzt in der wandlungsfähigen singenden bis schreienden Stimme der Sängerin. Mitunter unvermittelte Wechsel in andere Musikgenre und Stimmungen, und all das wird zu einem sehr eigenen Klang-Ambiente mit bisweilen berückend kantigen Beats gemischt. An der Erinnerung werden glücklich Eindrücke anderer Bands wachgezupft, von Jenifer Ever bis Portico Quartett, ein Hauch Nico, Xiu Xiu und immer endlos weiter. Ein belebend frivoles Vergnügen.

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Maria Taylor | 23.02.17 | Moritzbastei

Die lange Jahreszeit hat uns mal wieder an den Strand gespült.
Die Meteoriteneinschläge häufen sich im Vergehen der Gezeiten.
Doch das Energiepotential steigt wieder an. Der Frühling in uns regt sich. Der kreisende Lauf des Jahres beginnt von Neuem …

Der Konzertverteiler bringt die durchaus mehrfach deutbare Information des Kollegen A., er habe bereits eine Karte für das Maria Taylor-Konzert erstanden. Die Dame, die vor Jahren im Rahmen der Sit down and Sing-Reihe mit Kristofer Åstrom und Wolke einen sehr feinen, unaufgeregten, vielleicht stellenweise fast ein wenig zu unaufgeregten, noch ruhenderen Pol in einem ohnehin sehr gemütlichen Konzertabend gab, nur mit ihrer Gitarre und nur mit ihrer Stimme in der Moritzbastei … es wird das perfekte Konzert sein, um die stille Jahreszeit zu beenden, und spät in das nächste Konzertjahr zu gleiten.

Ein vorbereitendes Einhören erhöht die Vorfreude. Die Stille der Musik scheint in Aufruhr. Und je weiter man hört, so klarer wird, dass Maria Taylor nicht nur eine zarte musikalische Saite (!) hat. Die oft geradezu fruchtgummisüßen Popsongs haben weithin mehr Drive und Schwung als die Erinnerung es hergab, sind voll ansteckender Energie und immerzu jung bleibender Lebenslaune.
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A Dead Forest Index | 5.11.16 | Akko

»brit pop mit sphärischen Einschlägen die sich zu Hymnen aufschwingen« (Mlle Mate)
– a fairy tale

Zwei sehr feine kleine Musikeinheiten im sehr kleinen und feinen Akko. In den Wartezeiten erklingt Jazz und Swing. Den Hummusspeisenden wurden soeben die Klapptische entzogen, und die Bar füllt sich mit Menschenbeinen. Doppelgänger und 80er wohin man blickt. Die Musik von Gemma Thompson, sehr ruhende, meditative Weltallklänge, darin manchmal ein ferner Hauch nach wildem Westen klingender Gitarre, doch nahe an der Grenze zur Illusion, ein Stromausfall, und nach Äonen wird alles von einer Schlagzeugkomposition durchbrochen.

A Dead Forest Index. Soundcheck. Eine Stimme hebt sich über die Köpfe und so etwas wie Stille breitet sich wie eine Welle durch das von den nahen Wänden verstärkte Gesprächsrauschen aus. Es ist das Innehalten im Alltäglichen wenn für einen kurzen Moment etwas zauberhaft schönes in das Bewusstsein geflattert ist. Dieses Gefühl das in Stephen Kings Shawshank Redemption beschrieben wird. Musik die aus einer anderen Sphäre in unsere materielle Welt herüberzuklingen scheint und ein die Welt verklärendes wie verdrängendes Gefühl von Transzendenz hervorruft. Nach wenigen Momenten verebbt es, und die unterbrochene Gesprächszeit setzt wieder ein.

Da der Versuch der Beschreibung der Musik bereits unternommen wurde (Konzert Chelsea Wolfe ::: A Dead Forest Index | 8.11.15 | UT Connewitz), sollen nun im Folgenden stattdessen wirre, zusammengestückelte, sich verheddernde und wiederholend kreisende Ausführungen über das Wesen der Musik als Immanation von Sehnsucht gegeben werden.

In der Name des Windes lernt der musikalisch überaus begabte Kvothe nach einem traumatischen Erlebnis mit seinem Saiteninstrument etwas anderes als Lieder zu spielen.

»Wenn der Sonnenschein das Gras wärmt und eine Brise einen kühlt, ist das ein bestimmtes Gefühl. Ich spielte so lange, bis ich dieses Gefühl auszudrücken vermochte. Ich spielte bis es klang wie warmes Gras und eine kühle Brise. … drei Tage [brauchte ich] bis ich der Wind dreht ein Blatt zu spielen vermochte.«

»Nach zwei Monaten vermochte ich die Dinge mit eben der Leichtigkeit zu spielen, mit der ich sie sah oder empfand: die Sonne geht hinter Wolken unter, ein Vogel an der Tränke, Tau auf dem Farngestrüpp.«

Die Musik von A Dead Forest Index scheint nicht so etwas dinglich Spezifisches auszudrücken, sondern eher als ob jedes Lied Sehnsucht wäre, Sehnsucht nach der Vergangenheit, nach Zukunft, nach dem Leben während man es lebt. Diese Art von Sehnsucht die einen zufrieden, ruhig, gelassen und glücklich macht, da sie so unbestimmt ist. Oder das Ziel der Sehnsucht so erhaben, dass man es gar nicht erreichen muss, sondern sich damit begnügen kann, sich danach zu sehnen, um schon glücklich zu sein. Die Sehnsucht an sich ist schon Bestimmung. Saudade. Krause Schwermut. Oder wie es Hr. Murakami über ein Klavierstück von Franz Liszt schreibt: »die grundlose Traurigkeit die eine ländliche Idylle im Herzen eines Menschen weckt«, und man fühlt, dass er darin etwas Schönes sieht. Über die spiegelglatte metallglimmernde Grundfläche aus verzerrt ferner Gitarre und Schlagzeug wringen sich keltisch zerbrechliche Stimmlagen, weltfern. A Dead Forest Index scheinen wie die englische Entsprechung dieser symbolistischen Seelenlandschaft, ihre Musik eine allumfassende, endlose Sehnsucht. So ruft die Musik Sehnsucht nach sich selbst vor. Sehnsucht nach Sehnsucht.

Nicht unvermerkt soll bleiben, dass dem, was für die Einen die alles umfassende Leichtigkeit und Schönheit des Lebens selbst ist, von Anderen eine gewisse Düsternis attestiert wird, und zu der Frage veranlasst wo denn die ganzen Grufties wohl abgeblieben sind, die eigentlich stereotyper Weise das Konzert hätten bevölkern müssen. Die Antwort in dieser herbstdunklen Nacht ist Placebo.

»Bis zum heutigen Tag weiß ich nicht, wovon die beiden italienischen Damen
gesungen haben. Um die Wahrheit zu sagen, ich will’s auch gar nicht wissen.
Es gibt Dinge, die müssen nicht gesagt werden. Ich will annehmen dass sie von etwas
so Schönem gesungen haben, dass man es nicht in Worte fassen kann und dass es
direkt ins Herz geht. Ich sage Ihnen, diese Stimmen sind höher gestiegen, als man je
an einem so trostlosen Ort zu träumen gewagt hätte. Man hatte den Eindruck als
wäre ein wunderschöner Vogel in unseren freudlosen Käfig gefallen und hätte die Mauern
zum Einstürzen gebracht, und für den Bruchteil einer Sekunde hatte jeder hier in
Shawshank das Gefühl, frei zu sein.«

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All them Witches | 15.10.16 | White Trаsh Fast Food

Berlin, Friedrichshain. Ist ja alles in Laufweite hier. Hr. Walte weist auf den Jahrzehnte alten Müffgeruch der aus U-Bahn-Tunneln steigt hin. Warschauer Brücke zufriedenstellend noch viel großartig grauschmutziger als in der Erinnerung. Möwen kreisen über der innerstädtischen Müllkippenbrache und den aufgegebenen Gleisgeländen als wäre alles am Meer.

Der neblige Dunst hoher Luftfeuchtigkeit verstärkt sich zur erinnernden Illusion man wäre wieder in Bansin oder Porto und blickt aus dem Fenster in morgenfarblosen Himmel. Doch Berlin Friedrichshain & Kreuzberg sind selbst an grauen Regentagen bunt und Straßenzüge voller wild gepflanztem Urwald an Baumscheiben wetteifern mit Balkonen die über und über mit Grün bestückt sind. Hängende Gärten. Farbrauschbunt bemalte Hauswände, Botschaften fürs Leben und für die Gesellschaft. Kreativer Konkurrenzdruck der hippalternativen Läden ist so groß dass sie sich in einem wilden Wettbewerb immer weiter übertrumpfen, was irgendwie ganz und gar großartig ist, aber auch knapp an der introvertierten Überlastungsgrenze an verarbeitbaren Eindrücken schrammt.

Zeit in einem trist gestalteten abgeschiedenen Park desensorisch zur Ruhe zu kommen, den man sich mit vereinzelten Grüppchen von gesellig geschäftigen Menschen teilt, und sich dann im behaglich stillem Hinterzimmer des New Deli Yoga mit einer Freundin zu treffen, bevor man in die allerorts gleich vertraute beruhigende Atmosphäre eines Raumes eintaucht der voller Menschen und Musikerwartung ist. Noch vertrauter wird’s dadurch dass die Staffage des in und aufwändig zusammengezimmerten White Trash Fast Food Restaurants wie auch des Konzertraums opulent an die verrückt überladene Gestaltung der Leipziger Bimbotown erinnert. Nur ohne sich bewegende Möbel.

… mehr graubunt

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Okta Logue | 29.09.16 | Werk II

»Portugal. the Man’s deutsche Reincarnation mit Schlaghose und Rüschenhemd.«
(Hr. Walte)

In jedes Konzert trägt der Konzertbesucher etwas von sich mit hinein. So fließt ein ausgelassen entspannter Frühherbsttag am See in ein Konzert dessen Musik die Farbe von selbstgemachten Honig hat, und in einer beglückenden Aufführung von Hotel California kulminiert.

Die Bühne bevölkert sich, und der Blick wird als erstes von einer weiß leuchtenden Erscheinung in Schlaghose und Hemd in Anspruch genommen, wodurch ein unmittelbares Rockys-Gefühl auflebt. Verstärkend kontrastierend wirken die farbenlichte Ausleuchtung der Bühne und die bunten Gitarrengurtmuster. Es ist alles vorbereitet und eingestimmt um sich in eine jedweden auf dem zurückliegenden Zeitweg fassbaren Musikstil mitreißende Ausweitung legendärer Musikjahrzehnte hineinfallen zu lassen. Es schillert, glitzert, funkelt, rauscht und kracht, während man sich doch samtweich von allen Musikpartikeln eingefangen fühlt in diesem wunderbar gediegen chilligen und doch wirbelnd vorwärtstreidelnden Musikkosmos von Okta Logue.
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