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Tool | 15.05.22 | Mercedes Benz Arena

Noch tief erschüttert von der Konzerterzählung einer Freundin zur selben Location – in der Nachos und andere sinnintensive das aufmerksame Zuhören unterminierende Darreichungen eine unerträgliche Rolle spielten – doch unter ungetrübt blauen Himmel bewegen wir uns via Autobahn gen Berlin. Kalauervibes, toole T-Shirts (E.), und – im Hinblick auf die in München nicht aufgetretene Vorband Brass Against – Blas-phemie (P.). Mich nehmen nach Wittenberg/Dessau zunehmend gelb leuchtende mml. Ginsterbüsche in ihren Bann, sowie in der großen halbvertrauten Stadt rund um Friedrichshain & Simon-Dach vorbeiflattaternde Pieris. Die Gegend um die Warschauer Brücke subtil gewandelt, immer bebauter, schnieker doch dadurch auch austauschbarer, es könnten in beliebigen Städten die selben Gebäudeensemble stehen, alle Straßen so breit, Menschen, überall soviele Menschen. Doch rund um die Simon-Dach scheint die Welt noch stabil. Landen in einem thailändischen veganen Restaurant, Tourmeister S. wirkt zeitlich entspannt, bis er es nicht mehr ist, und wir mit vollem Magen zur Arena hasten. Allein für Tourischnappschüße von der Warschauer Brücke scheint noch Zeit sein. Der Einlass zieht sich ein wenig, doch irgendwann sind wir drin, schnell an den toolen T-Shirts vorbei, können der Vorband noch einmal winken, die covernde Blas-phemie haben wir leider versäumt und das Warten auf Tool beginnt.

. Da vorne, zwei Blöcke weiter trägt doch tatsächlich jemand Nachos vorbei . Wa-ahhh und hier nur einen Block weiter auch .

Das Konzert, Aufmerksamkeitsrangeln der Sinne. Visuelle Effekte, kaleidoskopische Mandalas durch die man eine Welt wie ein Eintauchen in bewegte 3D-Bilder betrachtet, im ersten Drittel zudem mehrschichtig, auch auf dem transparenten Rundbogenvorhang projiziert, intensives Lichtfarbleuchten, rote Welten, blaugrüne Welten wie ein Einfliegen in einen langen Wald, 70erquietschbunte Welten – wäre Tools Musik nicht die die sie ist sie würde darin untergehen. So verbindet sich alles zu einem epischen Ganzen voller Kulturbezüge. In den roten Welten kommt man nicht umhin durch die halbhockende Stehhaltung von Maynard James Keenan an Höllenkreisszenarien zu denken, dazu und dazwischen durchsetzt mit okkulten und fernöstlichen Symboliken. Nach dem Öffnen das Vorhangs kommen leuchtende Laserebenen und Flutgelichter hinzu, zaubernder Glitter der von der Decke schwebt, und ein magisch glimmendes Septagon.

. Neben uns setzen sich warme und intensive Geruchspartikel verbreitende Pommes .

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Jesse Ahern ::: Chuck Ragan | 13.05.22 | Conne Island

»… der große Saal war gefüllt mit dem Schweigen von Hunderten,
die den Atem anhielten. Buddys Finger bewegten sich.
Er spielte drei einfache Akkorde. Und dann sah er auf.

Hallo Ankh Morpork!

Klippe spürte, wie die Musik hinter ihm aufstieg und ihn
in einen Tunnel aus Feuer, Funken und Aufregung stieß.
Er schlug mit den Hämmern zu. Und es erklang
Musik Mit Steinen Drin.« – Terry Pratchett, Rollende Steine

Postmigräneaura. Der lange Weg durch die Stadt, schlafwandlerisch auf alten Pfaden, der Hinterhof voll entspannt wartender, plaudernder oder einfach seiender Menschen. In das Dunkel, es sind noch Seniorensitzplätze frei. Einfach. Wieder vertraut. Vorband, ein leichtes Wiedereinschwingen schrammenden Gitarrenklang mit kräftiger Stimmuntermalung zu hören. Mr Ahern sinnt über Livemusik, das Wichtigste auf der Welt, und vieles andere was ihn besonders die letzten zwei Jahre bewegte.

The Dictionary of Obscure Sorrows möge der Welt das Wort für das Gefühl etwas erst dann zu vermissen wenn man es wieder zurückerhalten hat geben.

Chuck Ragan und Band betreten zu Blues, Frauenstimme, die Bühne. Der große Saal ist gefüllt mit dem Begrüßungsjubel von Hunderten. Und es erklingt die Musik mit Chucks Stimme drin. Der Bassist scheint erst aus der Dark Star gefallen zu sein, bis sehr spät endlich die eigentlich darunter liegende Ähnlichkeitserinnerung sich aufdeckt, aus DS9, der Steinwandler. Hinter der Säule wird ein Tastenmann wiederentdeckt, Todd Beene. Die uneigentlichen Tasten haben Saiten die metallisch verzaubernden sphärisch wabernden Klang über das Gitarrenschrammen, das muntere Scheppern der Mundharmonika, den Bass, die Drums und Hr Ragans Stimme legen. Das Steelsaitenwabern und das Gitarren- und Bassklangplingen verschimmern in sehr faszinierender Weise gegeneinander. Das Zuhören wird weiter von vereinzelt gestreuten Arrangementabweichungen gefesselt. Hr Ragan übervoll Freude in seinem Wiedersehen mit dem Conne Island. Und voll Botschaft. Die Wichtigkeit des Lichts am Ende jedes Tunnels in all seinen Songs & im Leben, auch denen die aus der Düsternis kommen, was immer dieses Licht für jeden einzelnen sein mag. Seine Stimme steigt in allen Songs so alles ausfüllend hoch wie es in diesen Gemäuern zu erwarten ist.* Die Kette seiner Hits reicht für viele Zugaben lang, wie in einem Rausch treiben sie vorbei. In jedem Mal ein Wiedererkennen und Erinnern, auch diesen Song gab es ja noch. Und auf den Ohren ist es nur ganz wenig dumpf. Und das lang ungewohnt ausdauernde Klatschen tut nur ganz wenig weh. Zurück durch die Nacht, die Stadt, voll Menschen.

– Slippery past 2008 2009 1018
* vgl. Shawshank Redemption

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Altin Gün | 6.2.20 | Conne Island

Alles auf die Seniorenplätze! Neben uns wird sehr hübsch zur Retrovordisco in Gestiken getanzt, in den Stücken gibt wie in einem Kaleidoskop viel neues zu entdecken, die Erinnerung birgt ein Muse’sches Flackern, innerhalb der Vielzahl anderer Elemente die sich in den psychedelischen Schlager einfinden, aus den Tasten winden sich unwahrscheinliche Töne, alles trommelt, glitzert, und schellt – eine ganze Welt. Mehr Altin Guen.

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Okta Logue | 17.11.19 | Naumanns

Vorband. Suzan Köcher’s Suprafon sehr stimmungsvoll einstimmend. Die Atmosphäre und das Selbst entspannt sich in Reminiszenzen an Air, Au Revoir Simone, Moon Duo auch, vermeint sich im Road House, der Raum dunkel, die Bühne neblig, und auf ihr eine Band, die auch Hr. Lynchs transzendierenden Musikgeschmack wie von Traum vernebelter Wahrnehmung sehr gut treffen würde. Metallsaiten, Schellenkränze, Rasseln, Schlagbläche und wie im Traum vernommene Stimmen hallen von sehr metallhaltigen Canyonwänden wieder.

Und dann, der kleine Laden, und wie die Musik ihn ausfüllt. Im Nachhinein erinnert es an Jenniferever in der Mule. Noch mehr Nebel, ein Musiker beklagt sich dass er sein Instrument kaum noch sieht. Die Musik umschließt einen. Intensive Mimik und ebensolches Gitarrenspiel wieder untrennbar miteinander verbunden. Musik aus den 70ern aber mit glänzend neuem Klang. Wieder eintauchen in Okta Logue …

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Brutus | 17.9.19 | Naumanns

»… Brutus, wann sehen wir uns wieder?«
(2018)

Es ist durchaus warm, immer noch, im Naumanns. Die zu Beginn hinter Hr. Walte quatschenden Bewunderer schwärmen im zweiten Song pogend nach vorne, und drängen dadurch den sichtversperrenden Schrank ab. Situatives Glück. Und die Musik? So berauschend wie eh … melodisch, intensiv, trommelnd, zauberhaft, die superschnellen Melodien aus der Gitarre, der wummende Bass, und die Melodien aus der Stimme – Seligkeit leuchtet hell auf allen Gesichtern. … die schiere Energie die einen durch den Abend staunend vorantreibt und äußert zufrieden, vergnügt und berührt in die bereit stehende Bahn springen lässt!

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Jonathan Bree | 10.09.19 | UT Connewitz

»… schon allein optisch bemerkenswert …«
(Hr. Walte, private communication)

Auf der Konzertseite des Lebens ist der Abendhimmel wunderschön blau, es ist nicht heiß, und das erst so leere UT füllt sich wie stets.

Der Vorkünstler, Ryder the Eagle, der »dirty crooner«, scheint eine Parallelinkarnation von Helge zu sein, persifliert sich mit großer Mimik durch die Schmachtfünfziger und begeistert durch Kostüm, überbetonte Tanzbewegungen und Stills. Witzig.

»… in Cowboy-Kostüm gekleidet, schmachtete zu vom iPad abgespielter Schlagermusik, warf sich in diverse dramatische Posen, tanzte expressionistisch und ekstatisch und kletterte als Höhepunkt der spektakulären Darbietung mit entblößten Oberkörper auf den Tresen der UT-Bar und sang von dort aus das Publikum an. Wellen der Irritation, Begeisterung und Fremdscham schwappten abwechselnd durchs Publikum«

Zeit für den Bree’schen Mummenschanz, seinen beiden requisiten Damen – vom weißen Hütchen bis zur Rüschenbluse piourettierend wie aus einem englischen Romantikfilm in Zeit des frühen 19. Jahrhunderts gefallen, die noch berüschte Hotpants schlagen das Zeitenrad zum High Heels-Stiefel-Look und Aerobic-Bewegungen der 60er –, Schlagzeuger und den in der Ferne dieser wabernden Zeitblase noch vage zu sehenden Gitarristen, allen das Gesicht unter weißem Tuch verborgen, Herr Bree selbst kontrastierend statuesk während er mit tiefrunder Stimme seine Welt singt, und so die Bühne in einen bizarren Schleier taucht.
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La Dispute | 7.07.19 | Conne Island

Wer braucht schon ein Mikrofon?

Addendum zu La Dispute 2015. Alle Beobachtungen, und darauf beruhenden Analysen und Thesen dort konnten durch die Wiederholung des Versuchsaufbaus umfänglich bestätigt werden.

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Bloc Party | 25.06.19 | Parkbühne

Abays Postband Razz ist diesmal Vorband. Sehr vernünftiger 00-Jahre-Retro, Reminiszenzen an Interpol et al.

Die erwartende Spannung. Das Publikum in der Zwischenpause ist trotz alles belegender Hitze hibbelig, die eine Hälfte hüpft immer mal wieder auf und ab, die andere wippt mit einem Bein. Und irgendwann ist es soweit, Bloc Party in halber damaliger Besetzung, neuen, vermutlich nicht mehr ganz neuen Bassisten und Schlagzeugerin betreten die Bühne. Beginnen mit einem der ruhigeren Lieder, unklar ob der Sound sich noch einspielen muss, oder nein, oder doch, Änderungen an den Arrangements vorgenommen wurden. Hie und da Abzweigungen in der history lane genommen werden. Hr. Walte berichtet aus späterem Forenstudium von der überzeugenden Vermutung das Album sei rückläufig abgespielt worden. So beginnen wir mit two more years, treiben über little thoughts und compliments* weiter zurück, und immer weiter zurück und entdecken das nie Vergessene neu. Die übereinander und oftmals auf so schwer nachvollziehbare Weise ineinandergehenden Layers der Songs treiben durch die mit Mückenspray durchsetzte Sirupluft wie verlangsamt auf einen zu, während einen das Grün der umstehenden Bäume umringt, und den Blick immer mal wieder abfängt. Und man kann sich eine Weile vollauf damit beschäftigen diesen so speziellen Bloc Party-Effekt auszuloten, den man immer unbewusst mitfühlt, wann immer man an ihre Musik denkt, aber live nochmal neu, unmittelbar und intensiv wahrnimmt, und die besondere Schönheit ihrer Musik ausmacht.

Die verschiedenen Lagen sind durchsichtig, die Songs haben immer, bei allen harten Einschlägen und Schrammen, etwas darüber und darunter und alles umgebendes schwebend Ätherisches, durch das der besondere Drive von Bloc Party gleitend hindurchmanövriert, die Beschleunigung zwischen vollkommener Ruhe und Geschwindigkeit, Brüche, Abruptheit, sie mögen sich direkt aus dem Herzschlag und Lebensgefühl von Kele Okereke speisen. In ihm und den Liedern von Bloc Party scheint eine nahezu Gleichzeitigkeit an unterschiedlichen Stimmungen zu existieren. Ein stetes Flimmern zwischen Hektik und Ruhe. Silent & Alarm.
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Altin Gün | 30.5.19 | UT Connewitz

Jetzt, gerade damals spielt eine psychodelic Rock Band in den 70ern, die alle Klänge des immer ferneren Ostens gierend aufnimmt bis sie in der Sonne Kaliforniens verweilt, und hier, gerade hier, hören wir diese Musik durch all die Jahrzehnte hindurch, sie kommt auf uns zu und klingt durch akustische Verschiebungen über diese lange zeitliche Distanz verzerrt und gekrümmt an uns heran. Das Publikum ist weitaus bunter als gewöhnlich, und vielleicht auch als damals. Lockerer. Wilder. Entspannter. Lebendiger. Diese besonders tief quietschigen Klänge aus den Tasten sind schiefer und verzückender. Ein aufgeräumter Rasselständer neben dem zweiten Trommler ordentlicher. Der Lauf der Melodie auf der Saz komplizierter und verschränkter. Und das erste Lied der Zugabe wie ein zusätzlicher Fehler im Raumzeitkontinuum, erinnert an sphärisch verklärte Musik aus dem Norden. Und dann tänzelt die Musik wieder in Richtung Mittelmeer und schrammenden Postrock, nur ein wenig, beschleunigt, verzerrt sich dadurch noch ein Stückchen mehr, und das Herz ist genau darin. Genau darin ist das Herz.*
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Esben and the Witch | 7.02.19 | UT Connewitz

Vorband nyos. Alles vibreatiert. Exaltiert fröhliche rasant angezupfte Surfweisen kollidieren endlos geloopt mit Punkmetallwänden, blue suede dancing shoes und wild trommelnden baren Socken. Alles loopt.

Esben. Mondnachtrunde Stimme. Alles ist leicht und zugleich unter Spannung. Alleinstehende Gitarrengodspeedmomente. Der essentielle base der Sängerin manchmal in diesem beinahe hohl, blechern klingenden Effekt. Klangschalenbleche und anderer Klangzauber am Schlagzeug. Das Bewusstsein wiegt im glücklichen Dämmerzustand und treibt in nebelige unirdische Ferne. Und eilt zurück auf einem schlagenden, schwirrenden, flirrenden, hämmernden und lautrauschenden Teppich aus Beat. Ein Lied am Ende, sie ohne Gitarre, singend, die Lippen des Schlagzeugers singen wie verloren mit, das Publikum schwebt wie verloren mit …

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Matze Rossi ::: Chuck Ragan | 12.12.18 | UT Connewitz

Matze Rossi. Die Kunst einfache Worte, Weisheiten des privaten Lebens zum Glücklichsein, Familie und Freunde, und das eigene Selbst als Gegenüber, zu runden Texten und Liedern ineinander und zusammenfließen zu lassen. Die Kunst für alle im Publikum ein Freund auf der Bühne zu sein. Texte, Melodien und eine Stimme, die einen Aufheben. Humor und Lebensfreude. Entscheidungen und Traurigkeit. Zum vierzigsten im Spiegel, sich selbst vehement verbietend nun mit irgendwelchem hätte-ich-nur zu kommen. Ein Manifest wie seine Beerdigung zu feiern ist. … und das Lied, geschrieben für seinen Freund als dieser in Chemotherapie war, All for one, best friends, es scheint Chuck und Todd überraschen ihn indem sie auf die Bühne kommen um den Refrain mit ihm zusammen zu singen … stellvertretend.

How do one seize the slippery past?* Sicher ist dass man vieles der Sache nach noch weiß, doch nicht mehr darin sein kann, wie es war es zu erleben. So ist es auch immer wieder ein neues Erleben, wenn einem die Stimme von Chuck Ragan auf einem Konzert von neuem um die Ohren fliegt. Und die Texte und Gedanken in den Verstand.

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Nada Surf – Let go & Nada Surf | 13.11.18 | Täubchenthal

sich selbst eröffnen

Jedes Album spannt einen Raum auf. Manche sind verworrene Traumräume. Orientierungslos, wenn auch nicht notwendigerweise unzufrieden deswegen, treibt man hindurch. Manche bilden ein Ganzes. Manche fühlen sich an wie ein zu Hause. Es sind Räume die man normalerweise mit seinem Inneren aufsucht. Und dann kann man die Let Go an einem Abend mit seinem ganzen Sein betreten, nicht nur mit dem Geist.

what it’s like, in the inside of … let go

Wir sind in der Let go. Der erste Raum in gedämmten Licht, Blizzard, beginnt allein im Dreigesang. Weitere Räume durch die nur selten, doch wohl gesetzt Zerrgeräusche flattern. Überwiegend fein säuberlich aufeinander gelegte Gesangslinien, Gitarrenwände in Regalen. Überall begleitet einen freundlicher und alle Lebenslagen verstehender Gesang. Ein Tisch über dem Fruchtfliegen kreisen, schlechtes Fernsehen, Zeit vergehen lassen. Sie sind voller Utensilien aus denen Alltag besteht, und so vertraut wie die Requisiten umgibt einen die Musik. Magie des Alltags. Das French room. Zwischen der sprühenden Lebensenergie mancher Tage, voller Gitarrenfunken und antreibendem Beat, und der verschlafenen Melancholie anderer. Regentage. Tage die zur Decke sprechen. Vorbeitreibende Satzfragmente wie an Fensterglas abperlende Tropfen aus denen sich eigene Räume spinnen lassen, erfüllt von bedeutenden Worten und magischen Momenten, die auf besondere Weise aus der Verbindung dieser Worte und der Musik entstehen, und aus Erfahrungen die uns allen gemeinsam sind.

left some food wrapped up in a plastic bag on the kitchen table way too long
i sat down to eat next to the bag i was too tired to throw it out
i saw a swarm of fruit flies i took the bag downstairs
when i came back they were still there
flying jerky patterns like snowflakes in the air
i’m sorry you’ve got nowhere to go

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Abay | 25.10.18 | Werk II

The Polish Club. Rock’n'Soul & Punk in schneller scheppernder Taktung aus Australien.

Sehr schön getanzt, Güllener!

Abay. Episch, und viel zu kurz. Raumfüllend, Musik die in die Weite geht, ganz nach oben fliegt, und in das Selbst. Und in die konzertgelebte Erinnerung, ins Naumanns. Andere zerstören Songs bisweilen mit Gitarreneinschlägen und Schlagzeugrauschen, hin und wieder zerschreddern Abay wummernde postrock-Arrangements indem sie Leichtigkeit in die Songs hineinfallen lassen. Space Cold. Ja, Weltraum war auch viel. Hinter jeder Biegung, jedem Moment andere Genre, Einflüsse, Referenzen, Zitate, Postcore, Rockover, Swingpop, Indiegaze. Der Gesang der Stücke aus dem alten Album auch im Dreiklang unterlegt sehr fein. Stücke von denen eine seltsame Geborgenheit ausgeht. Marching Drums, Spannungsenergie, nicht zutreffende Erinnerung an black parade. Für ein Lied außerhalb der Verstärkung gesungen. Zu Beginn. Dirigierend. Leicht. Erhaben. Pathetisch. Verspielt. Ein bisschen emotionale Ergriffenheit bitte. Alles … abay. Das Draußen nieselt.

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Jaye Jayle ::: Emma Ruth Rundle | 18.10.18 | UT Connewitz

JJ. Polternd dumpfer Einsatz, sirenschwirrender darauf folgender Sound, porzellanklarklingende Klänge die gleichwohl über der Bühne zerwabern, schmirgeln, zerfließen und übereinander dringen. Durchhallende Schläge aus dem Bass. Klackernde Schlagstäbe und dumpfes Pochen. Irre aus einer synthetischen Orgel fliegende, sirrende Tonreihen, wie aus einer Gitarre gejagt und über allem die Tempi des Blues, aus dem grauen Gewebe herausschleifende Reminiszenzen an Moon Duo, im digitalen Nachhören an Portico Quartet, und durch alles der für allerlei dunkle Einflüsterungen oder Beschwörungen so geeignete Gesang von Evan Patterson und seiner backraunenden Bandkollegen. What took you so long. Aus allem ein dichtes Gewebe, zweifach Schlagwerke, Saiten, Tasten, Verzerrungen scheinen ein Raumloch zu öffnen, aus dem zusätzliche Klangteilchen aus einem anderen Universum hinzuzufließen scheinen, auf die Bühne des UT zutreiben wie auf das Zentrum einer Aggregationsscheibe. Wir wirbeln schneller mit jeder Umdrehung bis alles stillsteht. Dicht, satt, und bereit für ERR.

Einstand dieses Mal sogleich mit Bandunterstützung, wie letztes Jahr sind wieder der Sänger und der Bassist von JJ dabei, und der Schlagzeuger gewechselt. Ein vielschichtenschimmernder Metallsaitensound in dem Emma Ruths Stimme nur im eigenen Kopf zu existieren, mit allem anderen zu verschwimmen scheint. Doch in weiteren und vor allem auch älteren Stücken ist die umgebende Klangwand etwas zurückgenommen, Emma Ruths Stimme und Ausdruck klar zu hören, so berührend, herausfordernd, wiegend, empfindsam und plötzlich ausbrechend wie je, die Schlagzeugklänge deutlich herausgestellt gesetzt, und einen weiten Teil der Aufmerksamkeit hypnotisierend, wie sie die Melodie antreiben, zügeln und wieder aufscheuchen*, klirren, scheppern, pochen. Die Saiteninstrumente schwingen im Rausch von Ebbe und Flut, in Ruhe klingende weich umspielende Melodien die dann wieder von aufbauschenden Rauschen verweht werden, Sturm der durch still stehende Bäume geht. Das Bewusstsein mit Sound umspült und wohlig umfangen. Für light song wird zum Auftakt ein Bogen an den e-Saiten entlanggezogen, und die Klänge sogleich in schwappenden Krach aufgefangen, Jaye Jayle gibt dunkel seine Stimme zu.

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Brutus ::: Chelsea Wolfe | 7.8.18 | Werk II

Verdichtung von Temperatur & Schall

Wahrnehmungen können sich durch diese Temperatur nur verschwommen an den Geist klammern. Das Sein hatte einen anderen Aggregatzustand erreicht. Es war höchster Sommer und nur erschöpfte Aufzeichnungen haben es durch die Umgebungstemperaturen in das Gedächtnis geschafft, sodann verblichen durch die Zeit, doch Intensität und Wucht beider Bands wummern ungebrochen aus der Vergangenheit und hallen an das Jetzt an.

Brutus. Wie bei Virginia Woolfs Vorgehen beim Leuchtturm könnte es sich bei allen Stücken von Brutus um einen Prozess immer weiterer Verdichtung handeln. Sie verdichten ihre Emotionen und geben sie in reduzierten eingängigen Lyrics, weit ausschwingenden Rufgesang, jede Menge Bass, Blech, Beschleunigung und sich auftürmenden Wänden aus schwingenden Saiten, in die sich der eine der beiden Jungs ordentlich reinkniet, während der Gitarrist eher statuesk seine Melodien schrammt, derart komprimiert weiter, dass sie nur noch aus Energie zu bestehen scheinen. Schlagzeugpräsenz. Singalong. Dazwischen zarte Melodieeinsprengsel, die weiche und so weit reichende Stimme. Der Anfang, ein schlurchzendes waberndes ziehen, zerren, als käme gleich Godspeeds Vorbandmann mit dem universalen Waschgang auf die Bühne. Ein Schlagzeugmoment in dem der Drumstick auf der Trommel nachfedernd belassen wird, und einen kleinen versackenden Wirbelton verebben lässt. Oder die leicht versetzten Schläge mit beiden Händen. Alles großartig. Unbekannte neue Stücke die das Album herbeisehnen. Brutus, wann sehen wir uns wieder?

Chelsea. Sakral, elegisch, perfekt abgemischt, dreschende, drillernde, dröhnende, verzerrte Drumbeats, musikalische Kompressionskammer. Hoher, immer höherer Gesang. Immer gewaltigerer Sound. Momente in denen sich über der Hautoberfläche Kälteempfinden einstellt durchziehen die Hitzekammer. Was genau so oder anders im Erleben vor sich geht, mag bereits beschrieben stehen.

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