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thoreauvian ::: mehr nachdenklichkeit denken

17. August 1851. Ein paar kühlere Tage. Bemerkt dass die Kühle das Denken konzentrierte. Was zu drei Seiten ohne Absatz führt. Wünscht sich mehr Nachdenklichkeit, denkt sie tut ihm gut. »Warum sollte Nachdenklichkeit mit Traurigkeit verwandt sein? Es gibt eine gewisse fruchtbare Traurigkeit die ich nicht meiden sondern eher ernsthaft suchen möchte. Sie ist entschieden freudvoll für mich. Sie bewahrt mein Leben davor trivial zu sein. Mein Leben fließt in tieferer Strömung und nicht mehr als flacher murmelnder Fluss, der durch die Sommerhitze ausgetrocknet und eingeschrumpft ist.«

(Henry D. Thoreau, Tagebuch III)

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thoreauvian ::: im richtigen Augenblick nach draußen

Hochgelegene Weiden, Gras so trocken wie Heu. »Der Umlauf der Jahreszeiten stockt keinen Augenblick lang und daher verweilt die Natur auch nicht länger auf ihrem Höhepunkt als auf irgendeinem anderen Punkt. Wenn man nicht im richtigen Augenblick nach draußen geht, kann der Sommer vorbeiziehen, ohne dass man ihn gesehen hat.«

(Henry D. Thoreau, Tagebuch III)

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thoreauvian ::: Sommermemento

14. Januar 1852 – »Ich mag es, jetzt einen Haufen dunkel-rötlichen Wiesenheus anzuschauen, voll Farn und anderer Wiesenpflanzen der gröbsten Sorte. Meine Einbildungskraft sorgt für das Grün und Wiesensummen. Welch ein Sommermemento ist solch ein Heuhaufen! Im Winter neben einem mit Schnee bedeckten Heuhaufen stehen, durch den die trocknen Wiesenpflanzen hervorlugen! Und doch überleben unsere Hoffnungen.«

(Henry D. Thoreau, Tagebuch IV)

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le guin ::: normal denkend fliegen können

wieso wurde auf Winter nie ein Flugzeug erfunden? »Wie soll ein normal denkender Mensch je darauf kommen, dass er fliegen kann, erwidert Estraven streng.« Genly sieht es ein, auf der Welt Winter gibt es kein Lebewesen das Flügel hat.

(Ursula K. le Guin, Linke Hand der Dunkelheit)

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le guin ::: Ausmörteln zu Ende bringen

… das Musikinstrument Gossiwor wird nur in der Gegenwart des Königs gespielt. Trauriges Gebrüll. »Vierzig von Ihnen, zusammen gespielt, erschüttern den Verstand jedes Zuhörenden, erschüttern die Haustürme von Erhenrang, schütteln die letzten Regentropfen aus den windgetriebenen Wolken. Wenn dies die königliche Musik sein soll, dann ist es kein Wunder, wenn alle Könige von Karhide wahnsinnig sind.« Zeremonie, der König fügt einen Schlussstein auf einer Brücke ein. Und macht es ordentlich. »In Karhide darf man nicht ungeduldig sein. Die Menschen hier sind zwar alles andere als phlegmatisch, aber sie sind hartnäckig, sie sind ausdauernd, sie bringen das Ausmörteln von Steinfugen zu Ende. … Noch während ich dies denke, verdunkeln die Wolken die Sonne, und kurz darauf zieht ein dünner, aber harter Regenschauer den Fluss herauf, durchnässt die Menschen auf der Uferstraße und trübt den Himmel … dann schließen sich die Wolken endgültig … der Fluss färbt sich bleigrau …«

(Ursula K. le Guin, Linke Hand der Dunkelheit)

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woolf ::: farbe fließt zurück

Jakob liest, »das Buch auf den Boden legend, begann er, wie inspiriert von dem was er gelesen hatte, Notizen zu machen … Geschreibsel auf denen ein Lebenswerk fußen kann; oder auch, es fällt zwanzig Jahre später aus einem Buch, und man kann sich an kein Wort davon erinnern.« … Sommerzeit. Höhepunkt der Saison. Mit elektrischem Licht übersäte Platanen. »… und Vorhänge die das Zimmer noch vor dem Morgengrauen bewahren. Menschen murmeln noch einmal das letzte im Treppenhaus gesprochene Wort vor sich hin, oder lauschen angestrengt durch ihre Träume hindurch auf die Stimme des Weckers.« Draußen Insekten, und eine Spinne eilt rasch eine Kerbe in der Rinde empor. … vergleicht die Netzwerke der Natur mit denen der Stadt …

»aber die Farbe kehrt zurück; fließt die Stengel des Grases hoch; bricht in Tulpen und Krokusse aus; überzieht die Baumstämme mit Streifen; und erfüllt das zarte Gewebe der Luft und die Gräser und Tümpel.«

»… trug sie die verzückte Miene jemandes, der an einem Sommernachmittag durch Menschengewimmel streift, wenn die Bäume rauschen, die Räder gelb schwirren und der Tumult der Gegenwart wie eine Elegie auf vergangene Jugend und vergangene Sommer scheint, und in ihrem Gemüt mache sich eine seltsame Traurigkeit breit, als zeigten sich Zeit und Ewigkeit durch Röcke und Westen, und sie sah Menschen tragisch in ihr Verderben rennen.«

(Virginia Woolf, Jakobs Zimmer)

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thoreauvian ::: schmetterlinge im kopf

»Der Vormittag ist lichtvoller.« Schmetterlinge auf Blüten selbst wie Blüten. Sehnt sich nach verschlängelten Straßen die von den Städten wegführen, »wo man vergißt in welchem Land man unterwegs ist … wo mein Geist frei ist … wo dein Kopf mehr im Himmel ist als deine Füße auf dem Boden sind … Wanderer [die] weiterziehen und dich deinen Gedanken überlassen … wo du ohne die geringste Behinderung gehen und denken kannst, da es nichts gibt, an dem das Fortschreiten zu messen ist …« usw. usf. beschreibt in variationsreichen Details Orte an denen sich seine Gedanken ausdehnen, oft sind es spezielle Orte, versucht herauszufinden, welcher Einfluss aus ihnen diese Orte ausmacht. Ein Wegweiser ist umgefallen und zeigt zu einem Sudbury in den Wolken, bedeutsam. »dort kann ich gehen und das verlorene Kind das ich bin zurückgewinnen …«

(Henry D. Thoreau, Tagebuch III)

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seethaler ::: so schön getorkelt

»… ich wäre gerne über die Felder gezischt wie die Schwalben. Oder wenigstens über die Felder getorkelt wie die Schmetterlinge. … Das ist so schön, da möchte man fast an Gott glauben. Aber das bringt einen auch nicht weiter. Die Schönheit der Schmetterlinge braucht keinen Gott. Es gibt sie ja wirklich.«

… sieht nachts ihr Kind an. »Ich weiß nicht warum sich alles was ich in Ruhe tue, immer wie Abschied anfühlt.«

(Robert Seethaler, Annelie Lorbeer in: das Feld)

→ weil man das ganze Leben irgendwie Abschied nimmt? Sich vom Leben verabschiedet indem man es in Vollkommenheit auslebt?

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montaigne ::: in uns selber doppelt

Notiz zu den Anmerkungen »… gewissermaßen in uns selber doppelt …«

(Sarah Bakewell, Wie soll ich leben? – oder das Leben Montaignes
in einer Frage und zwanzig Antworten)

… bspw. Körper & Bewusstsein, das Sein & das auf das Sein (aufmerksam) gewordene Sein.

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montaigne ::: gleichbleibend

»Ich bleibe fast immer in derselben Verfassung, wie es für schwere und träge Körper kennzeichnend ist.«

(Sarah Bakewell, Wie soll ich leben? – oder das Leben Montaignes
in einer Frage und zwanzig Antworten)

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sich in … Sucht Wissen

… alles verschlingenden Neugierspiralen immer weiter drehen …

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woolf ::: Arabesken und Bögen in einen Teich der Nachdenklichkeit aufgelöst

»Auf einmal wurden aus den leeren Stufen vor dem Salon, dem Volant des Sessels drinnen, dem jungen Hund, der auf der Terrasse herumtollte, dem ganzen Gewoge und Gewisper des Gartens so etwas wie Bögen und Arabesken, die sich üppig um ein Zentrum völliger Leere entfalteten.« Will Hr. Carmichael fragen, wie er sich alles erklärt. »… denn die ganze Welt schien sich zu dieser frühen Morgenstunde in einen Teich der Nachdenklichkeit aufgelöst zu haben, ein tiefes Becken der Wirklichkeit, und fast konnte man sich ausmalen, wie, hätte Mr Carmichael gesprochen, ein kleiner Riss durch die Oberfläche des Teiches gelaufen wäre.«

(Virginia Woolf, der Leuchtturm)

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thoreauvian ::: festzustellen wann das Gras wogt

von wogendem Gras kann man erst im Juni sprechen, »wenn die Frösche träumen, und das Gras wogt, und die Butterblumen ihre Köpfe hin und her schwenken und die Hitze dazu verleitet in Teichen und Flüssen zu baden, dann hat der Sommer begonnen.«

(Henry D. Thoreau, Tagebuch III)

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thoreauvian ::: aufstehen ohne Morgengedanken zu verschütten

»Vor dem Erwachen heute Morgen hatte ich einen Gedanken. Ich bemühte mich ihn fest im Sinn zu behalten, nachdem ich bei Bewusstsein war, doch, auf dem Rücken liegend, bezweifelte ich, dass mein Geist ihn erfassen könnte, wenn ich aufrecht stünde. Ein schwierigeres Kunststück, aufzustehen, ohne seine Morgengedanken zu verschütten …«

(Henry D. Thoreau, Tagebuch III)

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thoreauvian ::: Tag erleuchtet keineswegs

Juli 1851, 2. Juli. Frischer, kühler Sommermorgen, Great Meadows haben eine leicht bläuliche, neblige Färbung, an anderen Stellen einen eisgrauen Schimmer. Von Grashalmen reflektiertes Licht, ein Grasmeer, eisgrau von Licht. »Bis jetzt hat es noch kein Mäher entweiht … Meilen wogenden Grases schmücken die Erdoberfläche. … [Gras wächst bemerkenswert rasch. Woche zuvor war es ihm noch kaum aufgefallen, also nicht im Weg, und nun, steht es hoch und wogend auf den Fluren, so dass er: auf die Straße ausweichen muss!] … Man weiß kaum dass es gewachsen ist … [geht nach vielen Nachtspaziergängen nun wieder tagsüber. Findet keinen überragenden Vorteil darin.] … Ich sehe kleine Gegenstände besser, doch erleuchtet mich das keineswegs. Der Tag ist banaler … [Banause! … bewundert dass nach wolkigem Wetter die Sonne nur nach und nach, abgestuft, hervorkommt, um den Pflanzen nicht zu schaden ... → könnte nicht behaupten dass dem durchweg so wäre].«

(Henry D. Thoreau, Tagebuch III)

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