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Abay | 25.10.18 | Werk II

The Polish Club. Rock’n'Soul & Punk in schneller scheppernder Taktung aus Australien.

Sehr schön getanzt, Güllener!

Abay. Episch, und viel zu kurz. Raumfüllend, Musik die in die Weite geht, ganz nach oben fliegt, und in das Selbst. Und in die konzertgelebte Erinnerung, ins Naumanns. Andere zerstören Songs bisweilen mit Gitarreneinschlägen und Schlagzeugrauschen, hin und wieder zerschreddern Abay wummernde postrock-Arrangements indem sie Leichtigkeit in die Songs hineinfallen lassen. Space Cold. Ja, Weltraum war auch viel. Hinter jeder Biegung, jedem Moment andere Genre, Einflüsse, Referenzen, Zitate, Postcore, Rockover, Swingpop, Indiegaze. Der Gesang der Stücke aus dem alten Album auch im Dreiklang unterlegt sehr fein. Stücke von denen eine seltsame Geborgenheit ausgeht. Marching Drums, Spannungsenergie, nicht zutreffende Erinnerung an black parade. Für ein Lied außerhalb der Verstärkung gesungen. Zu Beginn. Dirigierend. Leicht. Erhaben. Pathetisch. Verspielt. Ein bisschen emotionale Ergriffenheit bitte. Alles … abay. Das Draußen nieselt.

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Jaye Jayle ::: Emma Ruth Rundle | 18.10.18 | UT Connewitz

JJ. Polternd dumpfer Einsatz, sirenschwirrender darauf folgender Sound, porzellanklarklingende Klänge die gleichwohl über der Bühne zerwabern, schmirgeln, zerfließen und übereinander dringen. Durchhallende Schläge aus dem Bass. Klackernde Schlagstäbe und dumpfes Pochen. Irre aus einer synthetischen Orgel fliegende, sirrende Tonreihen, wie aus einer Gitarre gejagt und über allem die Tempi des Blues, aus dem grauen Gewebe herausschleifende Reminiszenzen an Moon Duo, im digitalen Nachhören an Portico Quartet, und durch alles der für allerlei dunkle Einflüsterungen oder Beschwörungen so geeignete Gesang von Evan Patterson und seiner backraunenden Bandkollegen. What took you so long. Aus allem ein dichtes Gewebe, zweifach Schlagwerke, Saiten, Tasten, Verzerrungen scheinen ein Raumloch zu öffnen, aus dem zusätzliche Klangteilchen aus einem anderen Universum hinzuzufließen scheinen, auf die Bühne des UT zutreiben wie auf das Zentrum einer Aggregationsscheibe. Wir wirbeln schneller mit jeder Umdrehung bis alles stillsteht. Dicht, satt, und bereit für ERR.

Einstand dieses Mal sogleich mit Bandunterstützung, wie letztes Jahr sind wieder der Sänger und der Bassist von JJ dabei, und der Schlagzeuger gewechselt. Ein vielschichtenschimmernder Metallsaitensound in dem Emma Ruths Stimme nur im eigenen Kopf zu existieren, mit allem anderen zu verschwimmen scheint. Doch in weiteren und vor allem auch älteren Stücken ist die umgebende Klangwand etwas zurückgenommen, Emma Ruths Stimme und Ausdruck klar zu hören, so berührend, herausfordernd, wiegend, empfindsam und plötzlich ausbrechend wie je, die Schlagzeugklänge deutlich herausgestellt gesetzt, und einen weiten Teil der Aufmerksamkeit hypnotisierend, wie sie die Melodie antreiben, zügeln und wieder aufscheuchen*, klirren, scheppern, pochen. Die Saiteninstrumente schwingen im Rausch von Ebbe und Flut, in Ruhe klingende weich umspielende Melodien die dann wieder von aufbauschenden Rauschen verweht werden, Sturm der durch still stehende Bäume geht. Das Bewusstsein mit Sound umspült und wohlig umfangen. Für light song wird zum Auftakt ein Bogen an den e-Saiten entlanggezogen, und die Klänge sogleich in schwappenden Krach aufgefangen, Jaye Jayle gibt dunkel seine Stimme zu.

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Brutus ::: Chelsea Wolfe | 7.8.18 | Werk II

Verdichtung von Temperatur & Schall

Wahrnehmungen können sich durch diese Temperatur nur verschwommen an den Geist klammern. Das Sein hatte einen anderen Aggregatzustand erreicht. Es war höchster Sommer und nur erschöpfte Aufzeichnungen haben es durch die Umgebungstemperaturen in das Gedächtnis geschafft, sodann verblichen durch die Zeit, doch Intensität und Wucht beider Bands wummern ungebrochen aus der Vergangenheit und hallen an das Jetzt an.

Brutus. Wie bei Virginia Woolfs Vorgehen beim Leuchtturm könnte es sich bei allen Stücken von Brutus um einen Prozess immer weiterer Verdichtung handeln. Sie verdichten ihre Emotionen und geben sie in reduzierten eingängigen Lyrics, weit ausschwingenden Rufgesang, jede Menge Bass, Blech, Beschleunigung und sich auftürmenden Wänden aus schwingenden Saiten, in die sich der eine der beiden Jungs ordentlich reinkniet, während der Gitarrist eher statuesk seine Melodien schrammt, derart komprimiert weiter, dass sie nur noch aus Energie zu bestehen scheinen. Schlagzeugpräsenz. Singalong. Dazwischen zarte Melodieeinsprengsel, die weiche und so weit reichende Stimme. Der Anfang, ein schlurchzendes waberndes ziehen, zerren, als käme gleich Godspeeds Vorbandmann mit dem universalen Waschgang auf die Bühne. Ein Schlagzeugmoment in dem der Drumstick auf der Trommel nachfedernd belassen wird, und einen kleinen versackenden Wirbelton verebben lässt. Oder die leicht versetzten Schläge mit beiden Händen. Alles großartig. Unbekannte neue Stücke die das Album herbeisehnen. Brutus, wann sehen wir uns wieder?

Chelsea. Sakral, elegisch, perfekt abgemischt, dreschende, drillernde, dröhnende, verzerrte Drumbeats, musikalische Kompressionskammer. Hoher, immer höherer Gesang. Immer gewaltigerer Sound. Momente in denen sich über der Hautoberfläche Kälteempfinden einstellt durchziehen die Hitzekammer. Was genau so oder anders im Erleben vor sich geht, mag bereits beschrieben stehen.

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Traumthesen ::: lyrics and dreams as poetry beyond analysis

»It’s part reality and part fantasy but I’m always in the song as a witness. [...] You know how when you dream something you can see something change into something else and it’s illogical when you examine it in the morning. [...] That’s why I’ve never analyzed the lyrics to the song. They’re beyond analysis. They’re poetry.«

(Don McLean über American Pie, nach Popsongs und ihre Hintergründe)

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Jimmy Eat World | 3.06.18 | Conne Island

winterliches Glitzern in frühem Sommerhoch*

Unweit zurückreichende Nostalgie, viel Menschen, viel Klima, viel Bass. Letzterer vielleicht die Feinheiten der Lieder, vor allem die Gesangslinien etwas überspülend, aber das Besondere an Jimmy Eat World dringt auch durch den Bassnebel. Die verspielte, außerordentliche, mitunter minimalistische Klarheit ihrer Kompositionen, der Klang der Saiten, Motive die abgebrochen werden, um sich kurze Zeit später, nach griffigem Gitarrentumult, wieder in veränderter Weise einzufinden, der mehrstimmige in hymnische Empathie schwingende Gesang, hereinbrechender akzentuierter, schwer eingängiger Krach und zartere Weisen die sich nicht so sehr abwechseln sondern ineinander verfädeln, verdichten, Komplexität die klingt als wäre nichts leichter, darüber gebreitet, die Weite jugendlichen Seins, popsüß romantisch, energiegeladen, übergutgelaunt, ausbrechend, emo-ptimistisches Lebensgefühl, Zuversicht zusprechend, erzieherische Maßnahmen in den Zwischengesprächen mit dem Publikum, mehr Zeit, weniger fu*** phones, es scheint niemand hier ist jemals wirklich älter geworden, schon gar nicht um gut zwanzig Jahre, die Beziehung zwischen Fan und ausgefüllte Vorbildrolle steht so solide, wie etwas nur stehen kann wenn jeder daran festhalten will, es noch einmal leben, sei es für einen Abend, so einfach, das Damals, so scheint es im Jetzt, (so leicht wurde man pathetisch, damals!), die Linien klar, der Weg nicht wichtig, sondern nur das Sein im Moment … und in all dem verschwimmend das so traurige Hear You Me. Erfahrung, Weisheit, etwas nach vorn gerichtetes Nachdenkliches das in jedem ihrer Stücke enthalten ist. All das was den Jimmy Eat World ganz eigenen Drive bestimmt, der durch ihre Stücke fließt, ihr Jizz, schweben durch den überfüllten Saal, über die in der Mitte das Saalklima ignorierende Wahnsinnigen die mit gereckten Armen wild auf und abspringen, bis an die Seitenränder. Glück und Staunen wie der eine übergroße Song immer von noch einem Weiteren gefolgt wird, eine schier endlos scheinende Kette an schimmernden Perlen. Und darin eine neue in blau gehüllte schwarzlochschwere Perle aus Postrock, deren Namen vergessen ist, doch die Hoffnung dass man sie wiederfindet besteht.

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Nils Frahm | 22.04.18 | Gewandhaus

Konzertschuppen mit Aussicht. Der Blick fliegt aus den Panoramafenstern über den Augustusplatz, über den sich in zwei Bögen den Mendebrunnen umkreisend die noch anstehenden Mitkonzertbesucher choreographieren. In den Saal. Damals vor Jahrzehnjahren bei Helge Schneider einerseits sehr damit beschäftigt geräuschlos Hustreiz unterdrückende Zuckerpastillen zu konsumieren, zum anderen der so weithin bekannten besonderen Akustik noch unbewusst, als dass sie, noch die funktionsfolgende polygonal gefaltete Innenarchitektur und begleitendes Ambiente, würdigend wahrgenommen worden wäre.

Der Raumklang allein des vorkonzertlichen Gesprächsmurmelns und wie es sich im Raum ausbreitet, schwebend, von Wand zu Wand.

Die Bühne zeigt sich wie eine Erinnerung an das Konzert im Schauspielhaus. Wieder sind zwei zentrale Bereiche von diversen Tastenaufbauten umstellt. Die flimmernden Holzkästen aus der Original Series im Hintergrund fehlen, später wird erklärt dass sie aus Amplitudenbalancegründen in einem entfernten, aber durch Verkabelung verbundenen Raum untergebracht sind, und das ein oder andere Detail mag verändert worden sein. Doch die zwei Performance-Bereiche sind wieder von jeweils drei Seiten mit zu bedienendem oder bespielendem Instrument umgeben und ergeben eine Art Aufenthaltskubus. Der rechte ist wieder »das Raumschiff« mit Konzertflügel, links wieder die mit mehr Holz verspielten, älter klingenden Tasten. Und so wie der Aufbau wird das ganze Konzert den Abend vor drei Jahren mit in sich einschließen, die Musik, die kleinen Plaudereien mit dem Publikum, Elbphilharmonie und Gewandhaus, ein schmeichelndes Abwägen, entspannte Perfektion.
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vokabulaves ::: schrillen

Apus Apus arrived!

Mauersegler (Apus apus), Famile der Segler (Apus). Nicht näher mit den Schwalben (Hirundinidae, Ordnung Sperlingsvögel (Passeriformes), Unterordnung Singvögel (Passeres)) verwandt. Konvergente Evolution.

»im Altholländischen wird er Ghierswalwe genannt, nach dem vergessenen Verb gieren, das ›schrill schreien‹ bedeutet.«

(Peter Krauss, Singt der Vogel, ruft er oder schlägt er?)

… ich biete dazu: das pfeilschnelle Schrillen der Mauersegler

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Algiers | 28.02.18 | UT Connewitz

Kunst am Boden. Der Saal des UT noch weitgehend leer. Besprühte Leinwände.

Ein Konzert-Date mit Dame Luisenbach. Plausch vor dem Konzert in den unbequem Seitenklappsesseln, von winterlichen Jacken behangen. Vorband Jupiter C erinnert durch wohl inszenierte Trash-itude an Princess Chelsea, ein beat-schwerer Bogen aus repetitiver elektronischer Trance der in vagen Schlummer versetzt. Atmosphärisch Orientierung an Twin Peaks. Und ein Stück das wohlig an diese unglaubliche Drumstrecke von Chelsea Wolf erinnert.

Benommen stehen wir auf und nehmen einen Platz irgendwo mittig ein. Durch diverse live-Videos vor Freude und vorbereitet für Algiers. Und doch … die Wucht mit der einen der Beginn des Konzerts trifft. Die ungestüm pfeifende, fauchende und elektrisch aufgeladene Energie. Ein Orkan. Und was alles in ihm herumwirbelt. Soundschnipsel, Zerrgeräusche, nach vorn drängender Beat, der Tonus jedes einzelnen Stücks unter Spannung, die sich auf die Sinne überträgt, an der Aufmerksamkeit zerrt, Sein vor der Entladung eines Sommergewitters im Winter, Tanzbarkeit, ein Viertel blocparty-Nostalgie, in Drums Matt Tong, doch weiter, mehr, unaufgeräumter, sich überschlagende, überlagernde Gesangparts, die an anderer Stelle weich auffangen oder einen umschweben wie ein Wiegenlied, weitfassendes Instrumentarium der Stimmen im Backgroundchor, Brummen, lautes Rufen, überschlagen, Schreien, Summen, Pfeifen, Erinnerung an ein möglicherweise eingebildetes dschungelhaftes Kreischen, in jedem Stück andere Worte, Klänge, Laute, die alle ihren spezifischen Effekt erwirken, die Silbenklänge der Echostimmen, wahumm, Zeit wird gedehnt und zersetzt, zerdrillt und gestaucht, Postrock, Industrial, Soul 21.0, eine Kuhglocke?, Kirchturmläuten, aufbrausendes Schellenrasseln, Klapperschlangensignale, Ohrwurmmelodien, Loops, Groove, Geschwindigkeit und relatives Ruhen, …

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Jaye Jayle ::: Emma Ruth Rundle | 3.12.17 | UT Connewitz

»wir durchfuhren geräumige Dunkelheit, wie der Philosoph William James es einmal nannte«*

(Robert Macfarlane, Alte Wege)

Der Weg führt durch ins Gesicht wehenden und wirbelnden Neuschnee mit einem kleinen Umweg ins UT. Zestglücklich sitzen wir schließlich an den seitlichen Sitzen, umfangen vom gemütlich wartenden Dunkel im sich zunehmend mit Menschen füllenden Saal, dessen Schönheit auch an diesem Abend ausgiebig und mehrmals gewürdigt werden wird. Umfangen von diesem heimeligen prä-Konzert-Gefühl, und der Frage, wie sehr vielleicht nicht nur Landschaften das eigene Leben und Selbstsein prägen, wie Robert Macfarlane es in Alte Wege beschreibt, sondern auch dieses gemeinschaftliche Gathering, Menschen die sich abends entspannt versammeln, um live Musik zu hören.

Jaye Jayle beginnen mit einzelnen, alles durchdringenden, schlagenden Tönen, die – beide mit Schlagzeug ausgestatteten Musiker zeigen sich im suchenden Blick mit dem Aufeinanderklacken von Holzstäben beschäftigt – von keinem der beiden Schlagzeuge kommen. Es ist der Bassist, der diese satten Schläge setzt, um die sogleich ein dicht durchdrängtes Klima aus an Nick Cave erinnernden Gesang, urgewaltigem Rhythmus, Schüttelklängen, triefendem Blues, und einem durch Musik und Mensch hindurchgehenden tief vibrierenden sirenenaufjaulendem Spezialgeräusch geschaffen wird, der Gesang zwischen nahezu geflüsterten Beschwörungen und daraus emporsteigenden Schreien wechselnd, die schwer auf allem lastende Spannung durchbrochen von kurzen Atempausen, in denen einzelne Instrumente etwas zurückweichen, und darin sanft eingestreuten weichen backing Vokals und meditativ anplingenden Klängen und Weisen Raum geben.

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Motorpsycho | 9.11.17 | Conne Island

Der Hof des Conne Island ist mit froh plauderndem Konzertvolk gefüllt, voll von sommerlichem Draußengefühl, kühle Getränke in den Händen. Mit Mühe können wir unsere seit Stunden wartende Begleitung aufgrund dieses gegenteiligen Anscheins davon überzeugen dass es a…winterkalt ist, und das Drinnen aufzusuchen wäre. Die Ränge lassen wieder genug Platz für diesmal drei Senioren, der Blick zur Bühne ist für einen jeden durch den Pfosten in einer anderen Linie durchbrochen. Für mich geht der Pfosten meist zwischen das Seelenzwillingspaar Bent Sæther und Hans Magnus Ryan wie ein Spiegel, bei hervorragender Sicht auf alles was Taste ist, sowohl auf das zentralere Tastengeschehen rechts, als auch das nur gelegentliche am linken Bühnenrand.

Der Einstieg ein lässig lockerer Rocksound, der, wie auch die folgenden epischen Stücke mit erstaunlich geringer Aufmerksamkeitsdrift munter durchwippt werden kann. Auf der Leinwand taumelnde gezeichnete Wälder in dunkler Nacht, die durch sie hindurchfliegende Kamerafahrt eine sehr stimmige Begleitung der ebenso wie beschwipst glücklich vor sich hin treidelnden Stücke, im weiteren kreist sie um ein altes Farmhaus und einen kleinen Jungen. Es groovt und schrammt und plingt. Schon bald der Übergang in pfeifende, schallende, sirrend und flirrende Spaceopersequenzen, Mandalas entfalten sich auf der Bühne, balladeske arglos verträumte wie in halbschlafender Trance gesungene Intermezzi in siebziger-Jahre-Melancholie, Jazz, Dub-Jazz, elektronische Wirbel und wildes Orgeln, Slides und Gehämmer an den Tasten. Hin und wieder das Gefühl etwas, kurze Augenblicke nur, vom Unicorn zu erahnen, ein Song glänzt mit Posaune, abrupteste Wechsel und Brüche, Wendungen wohin das Ohr auch hört, immer sauber auf den Punkt gespielt wie man so sagt, mit dieser geradezu irrsinnigen Beherrschung ihrer Instrumente. Passagen psychedelischen Wahnsinns wechseln mit wiegenden besänftigendem Gesang, der von gitarrendichtem Sound eingeholt wird, das Lächeln fliegt einem wie aus dem Nichts ins Gesicht, irrglückselig, Stücke die eine Gitarre mit 2 Stegen unabdingbar machen, in einer andauernden rasant schnell gespielten Strecke wird allein durch das Zuhören Saitenstechen körperlich evoziert, ein Song erinnert an Highschoolrock a la Weezer, ein anderer im Gesang an frühere Foo Fighters, eine 2-Mann-synchrone-Tanzeinlage mit im Wechsel schräg nach vorn geworfenem Schwungbein wie sie Dead South nicht lässiger hätten bringen können erfreut Seele und Geist, es ist alles so kur-zweilig, Zugabe, ein Stück aus vielen, am Ende dieses grandios knätschige Jahrmarktpiano und Gesang, mehrstimmig, großartig. Das letztes Lied wie ein fade out, it feels good to feel again. Der Abschluss eines kleinen Seelenausflugs aus dem Alltag.

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Mogwai | 2.11.17 | Täubchenthal

… ein möglicher Eintrag ins dictionary of obscure sorrows: mogwai: moments that are quiet, humble, thoughtful, touching, lucid, precise, full of melancholy, light, darkness, energy, mind drifting, soulful, blowing, thundering … all and everything at the same time. Their beauty is overpowering your self, the you vanishes in these moments. … this is mogwai

Das fürsorgliche Angebot des Täubchenthals bereits ab achtzehn dreißig Einlass zu gewähren, um lange Einlasswartezeiten zu minimieren, scheint in der winterzeitdunklen Nacht die niedrig über der weiten backstein- und holzwandumsäumten Teerfläche liegt, von vielen nicht wahrgenommen worden zu sein. Eine Warteschlange schlendert und trippelt gemütlich und in gelassen erwartungsfroher Stimmung dem Eingang zu. Innen der Geruch diverser auf niedriger Stufe Atmosphäre generierender Nebelmaschinen und ein hauchfeines Partikelwabern in der Luft durch das viele Menschen ihre Spuren ziehen. Zur Bar, zur Garderobe, Platz suchen unten, linke Bühnenseite, rechte Bühnenseite, Mitte scheint bereits undurchdringlich, nach oben, Klangcheck, nach unten nochmal vergleichen, wieder nach oben, eine glückliche Spannung liegt im Raum.

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Baby Dee ::: Swans | 25.10.17 | Conne Island

One Sunny Judgement Day
I lost Track Of Time
(Baby Dee)

Vorgeplänkel. Am Einlass werden fürsorglich Ohrstöpsel gereicht. Auf einem Aushang neben dem Eingang ist zu lesen, dass das Tragen von Ohrstöpseln angeraten wird, ja, dass es vielleicht sogar unabdinglich sein könnte. Nach einem kurzen Besuch an der Bar, immerzu neue Biere im Land, eine angebotene Bierprobe wird jedoch abgelehnt, erklimmen die beiden Konzertbeobachter des PGI die seitlichen Ränge für Senioren, und ergattern den beliebten Aussichtspunkt mit diagonalem Blick am Pfosten vorbei auf die Bühne.

Zunehmende Verunsicherung welche Schallwellenamplituden zu erwarten sind, und ob die mitgeführten sensiblen Messgeräte durch die chemiebunten Batikohrstöpsel auch ausreichend Abschirmung vom Hauptwellensturm bieten werden, um die feineren Nuancen mitzeichnen zu können. In gleichzeitiger Spaltung des Seins fühlt man sich aber auch sehr entspannt. Diese disparate Seelenstimmung wird durch die Soundchecks der einzelnen Instrumente auf eine erste Zerreißprobe hin gereizt. Im Nachgang muss hier auch festgestellt werden, dass es ausnehmend schön war, das Korg einmal im vollsten Raumklang zu hören, den es diesseits und jenseits der Milchstraße gibt, ohne dass der Klang im allumfassenden Lärm aus allen Instrumenten aufgelöst wird.

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thoreauvian ::: musik schielt unter die lider der zeit

»Die gesamte Romantik meiner jugendlichsten Antriebskraft ist in Musik enthalten. Wie in unserer Kindheit sind wir von Himmel umgeben. … Musik verwandelt meine einzige wirkliche Erfahrung in einen Traum und lässt den Glauben so dehnbar werden, dass nur das Unglaubwürdige ihn befriedigen kann. … sie ist ein ungelebtes Leben, ein Leben jenseits des Lebens, worin schließlich meine Jahre vergehen werden. Ich schaue unter die Lider der Zeit.«

(Henry D. Thoreau, Tagebuch I)

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Rocket from the Crypt | 12.07.17 | Festsaal Kreuzberg

Damals, 2017 war das. Ich weiß es leider nicht mehr als ob es gestern wäre. Aber das Gefühl, an das erinnere ich mich noch als wäre ich genau dort, in diesem Augenblick, mit Rocket from the Crypt und all ihren Fans. In einem der die Tanzfläche umgebenden Sitzgruppen des Saloons. Habe selten härter gesessen. Der Gin Tonic vor mir leuchtet. In Bearleans Creek war das. Da wo es immer regnet, wenn wir hindurchziehen. Festsaal Kreuzberg. Der Schuppen, im wörtlichen Sinn des Wortes, in dem vorher das White Trash Fast Food war. Die Zeit und die Läden vergehen. Doch die Szene bleibt. Das Gefühl ist tief im Innersten verankert. Diese schiere Freude die sich aus der Energie von Rock’n'Roll . Punk . Garage . und Gebläse in einem einzigen Rauschgefühl entlädt. Draußen rollt das Tumbleweed zum langgezogenen Ruf des Kojoten, der aus dem Canyon mitten in der Stadt herüberweht. Und hier drinnen, da steht dieser mitteilsame nette Mann auf der Bühne, und unterhält die ganze Stadt. Zwischendurch macht er mit seinen Freunden Musik. War heiß die letzten Tage. Die Vergangenheit sirrt und verschwimmt wie die Landschaft die man hinter den erhitzten Luftschichten in Bodennähe flimmern sieht. Vielleicht war alles auch ganz anders …

Im Dunkel der Bühne entfaltet sich ein silbriges Glitzern dass sich kreisend bewegt. …

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Kamikaze Fest mit Talking to Turtles ::: A Dead Forest Index ::: White Wine | 1.07.17 | Arena im Panometer

Es schickt sich an prächtiges Festivalwetter zu werden! Noch ist der Himmel zwar bedeckt, die Luft schon angereichert mit Feuchtigkeit, aber abgesehen von einem nachmittäglichen Schauer ist das Wetter doch leider noch nicht anders als trocken zu nennen.

Am Panometer vorbei, eine kurze Erinnerung an das lunare Strahlen des Narrenturms in Wien, weiter zur Arena, im Näherkommen wird die von Weitem wahrgenommene Musik immer deutlicher die von von Talking to Turtles. Schnell durch den Einlass und gleichzeitig vom »Innen draußen« Eindruck des luftigen Gebäuderestes, unerwartet grasbedecktem Boden und dem durch dieses abgemauerte Rund schwebenden glücklich freien Klang aufgefangen.

Im weit ausgedehnten Innen nur wenige sich darin verlierende Menschen, dadurch noch mehr das besondere Gefühl der umgebenden Leere und Luft, ein kleines abgekapseltes Universum für sich.

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