in the yellow ::: Duft-/Tast-/Apo- & botanischer Garten Jun 20

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thoreauvian ::: veräppeln

Erstes Auftauen der Äpfel. Ehedem sauer (zu seinem Bedauern hat er sie gekostet) sind sie nun voll reichhaltigem süßen Most, ihm vertrauter als Wein. Seiner Meinung nach wertvoller als importierte Ananas. … »es gibt diese kratzigen Holzäpfel, mit denen ich meinen Gefährten veräppelte, indem ich mein Gesicht nicht verzog, damit er zum Essen verleitet wurde. Nun füllen wir beide gierig unsere Taschen mit ihnen und werden geselliger durch ihren Wein«

(Henry D. Thoreau, Tagebuch II)

… Äppelflashback Wörlitz

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perec ::: treppenhaus

»das Treppenhaus ein baufälliger Ort von zweifelhafter Sauberkeit … durch das Treppenhaus huschen die flüchtigen Schatten all derer, die eines Tages da waren. … er versuchte die unmerklichen Einzelheiten, die im Verlauf dieser fünfundfünfzig Jahre das Leben dieses Hauses ausgemacht und die die Jahre eine nach der anderen ausgelöscht hatten, wieder lebendig werden zu lassen … die Treppen waren für ihn auf jedem Stock eine Erinnerung, eine Emotion, etwas Überholtes und nicht Fühlbares, etwas, das irgendwo in der flackernden Flamme seines Gedächtnisses zuckte: eine Gebärde, ein Duft, ein Geräusch, … ein Lärm, ein Schrei, ein Tohuwabohu, ein Rauschen und Knistern … ein klagendes Miauen hinter einer Tür, Klopfen an Wänden, … auch weiterhin nur eine unerträgliche Stille antwortete. … und rings umher die lange Heerschar seiner Figuren mit ihren Geschichten, ihrer Vergangenheit, ihren Legenden …«

(Georges Perec, Das Leben Gebrauchsanweisung)

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hjemmehage ::: l’escalierlily

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woolf ::: immer in diesem Garten

»… Falls das Leben einen Sockel hat, auf dem es steht, falls es eine Schale ist, die man füllt und füllt und füllt – dann steht meine Schale ohne jeden Zweifel auf dieser Erinnerung. Sie handelt davon, halb schlafend, halb wach, im Kinderzimmer auf St. Ivey im Bett zu liegen.«

All die vielen Male, zu Bett gehen, einschlafen, Dinge die sich zu einer Erinnerung verdichten, weil sie immer wiederkehren. Keine Einzelerinnerung sondern eine Gesamtheit an Erinnerungen, und sie bleiben so viel dichter vorhanden, als diese anderen. Mehr Gefühl als Erinnerung, mehr Bewusstheit als Erinnerung.

»Sie handelt davon dazuliegen und dieses Schäumen zu hören und dieses Licht zu sehen, und zu fühlen, es ist fast unmöglich dass ich hier bin …« Intensität der Eindrücke. Die immer noch realer sein können, als der gegenwärtige Augenblick. Beschreibt wie sie in manchen Zeiten noch mehr an diesen Ort zurückkehren kann, vollständiger, als jetzt gerade. »… so als sei ich dort, zu beobachten scheine; wie die Dinge geschehen. … In gewissen günstigen Stimmungen steigen Erinnerungen … an die Oberfläche …. wäre es nicht möglich – frage ich mich oft –, dass Dinge, die wir mit großer Intensität empfunden haben, unabhängig von unserem Hirn existieren; tatsächlich immer noch existieren?« Denkt an ein Gerät dass es einmal geben könnte um an diese Dinge heranzukommen. »… ich sehe sie, die Vergangenheit, als eine Straße, die hinter mir liegt; ein langes Band aus Szenen, Gefühlen …«

»… als sie Witwe war, saß [sie] stundenlang zwischen ihren Blumen, und sie schien mehr mit Geistern zu sein als mit ihnen allen, träumte von der Vergangenheit, die, dachte Mrs Vallance, irgendwie so viel wirklicher ist als die Gegenwart … und sie dachte an den sternenhellen Garten und die Bäume … spürte, wie ihre Augen weicher und tiefer wurden wie beim Kommen von Tränen … dass wenn sie noch am Leben wären und sie immer mit ihnen in diesem Garten gewesen wäre (der ihr nun wie der Ort vorkam in dem sie ihre ganze Kindheit verbracht hatte, und er war immer sternenhell, und es war immer Sommer) …«

(Virginia Woolf, Vorfahren & Auszug aus Skizze der Vergangenheit in: der Leuchtturm )

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wallace ::: gedankenschreiben

»schrieb er … das auf, was von den gerade gedachten Gedanken noch übrig war.«

(Anselm Oelze, Wallace)

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Fotorunde ::: Bam-Berg/Stadt/Wald Jun 20

… mehr Bergstadtwald

Nachdem der frühste Tag geruhsam beginnen kann fällt mir mit einem Mal die Goerdelerbaustelle ein, und ich muss losspurten … Waldplatz ii gibt an dass erst in neun Minuten eine Bahn kommt, und in einer halben Stunde bereits der Zug, ich bin sehr verblüfft ärgerlich dass mir so etwas passieren kann, und beschließe weise die ganze Strecke zu laufen. Am Hotel über mir im Himmel ein kreisender Raubvogel, meine Erinnerung jubelt, Turmfalke, und er gibt sehr possierliche Töne von sich, wie wenn jemand mit zu wenig Puste in eine Trillerpfeife bläst! Nach etwas mehr als fünfzehn Minuten am Bahnsteig, erleichtert, die Welt ist noch bedeckt doch wird gleich überm Land tiefsonnenblau werden, voller unterschiedlichster Wolkenvölker, wattig, weit auftürmend, vereinzelt, Bänder, solche wie Rillenmuster im Sand die das zurückziehende Wasser zurückgelassen hat, feine Nebel, wo sind meine Wörter dafür hin, Cumulus, und Cyrus …

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Pilgergrüße aus Bamberg

Ihr eifrigen PilgerInnen, seht und höret!

da ist man einen Tag in Bamberg um eine ebenfalls dort zu Besuch weilende Freundin zu sehen, schweift danach durch die Stadt, und wo führen einen Kismet und steil gepflasterte Gassen hin? Jakobsstadt Bamberg!

Und sieht er nicht wie ein richtiger Pilger aus, wie er da so in der Kirchaußenwand hängt? Beschwingt, ich vermeine sogar leicht tänzelnde Schritte zu erkennen, ist das ein Samba? Ein Detail das ihr mir noch gar nicht offenbart habt, sondern hinter Geschichten von schwielend vernarbt und suppenden Füßen geschickt zu tarnen wusstet. War der ganze Jakobsweg eine einzige Love Party? Eine langgezogene mittelalterliche Rave-Parade von Ausmaßen die man sich heutzutage gar nicht mehr ausmalen kann? So also geht es wirklich auf dem Jakobsweg zu, jeder schwingt und zwirbelt seine wallenden Gewänder, wie Derwische segelt und zirkuliert die Pereginatio gen Spanien, um es da am Ziel angelangt vermutlich nochmal so richtig krachen zu lassen. Ich ahnte ja nicht …!

Grüße im hohen Zeichen der Muschel! M.

… mehr Bergstadtwald

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le guin ::: wahrheit aus lauter unsinn

»Ja. Gewiss. Schriftsteller trachten, zumindest in den Augenblicken des Mutes, nach der Wahrheit … aber sie nähern sich ihr auf einem höchst eigentümlichen und verschlungenem Weg, indem sie Personen, Orte und Ereignisse erfinden, die es nie gegeben hat und nie geben wird, und indem sie von diesen Fiktionen detailliert und ausführlich und mit viel Gefühl erzählen, und wenn sie es dann geschafft haben, dieses Bündel Lügen aufzuschreiben, sagen sie: da! Das ist die Wahrheit! …

… Bei der Lektüre eines Romans, jedes Romans, müssen wir uns völlig darüber im Klaren sein, dass es lauter Unsinn ist, und gleichzeitig doch, solange wir lesen, jedes Wort glauben. …

Wenn wir schließlich fertig sind damit, stellen wir vielleicht fest – falls es ein guter Roman war –, dass wir ein bisschen anders sind, als wir es vorher waren, dass wir uns ein wenig verändert haben … aber es ist schwer zu sagen, was wir erfahren haben, worin wir verändert sind.«

(Ursula K. Le Guin, im Vorwort zu Die linke Hand der Dunkelheit)

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trisolar ::: leben lenkt zu sehr

»Ding Yi mochte es in der Wüste spazieren zu gehen und seinen Gedanken nachzuhängen, manchmal gab er dort sogar Unterricht. Seine Studenten schätzten das weniger, aber er rechtfertigte seine exzentrische Vorliebe mit den Worten: ich mag verlassene Orte. Das Leben lenkt zu sehr von der Physik ab.«

(Liu Cixin, Drei Sonnen)

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Fotorunde ::: Wald/-wiese & Tümpel Jun ‘20

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woolf ::: eine Herde Elefanten, eine Wildnis voller Spinnen

»da war ich mit Notizbuch und Stift und dem Vorhaben hierhergekommen, den Vormittag lesend zu verbringen, in der Annahme am Ende des Vormittags die Wahrheit in ein Notizbuch übertragen zu haben. Aber ich müsste eine Herde Elefanten sein, dachte ich, und eine Wildnis voller Spinnen, mich verzweifelt an jene Tiere haltend, die angeblich das längste Leben und die meisten Augen haben, um all das zu bewältigen.«

(Virginia Woolf, Ein Zimmer für sich allein)

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thoreauvian ::: sich selbst lassen

»Ich halte es für den Gipfel der Weisheit, wenn ich mir nicht die Mühe mache, mich zu kontrollieren, und ein Leben mit Klugheit und gesundem Menschenverstand führe, sondern wenn ich über mich hinausschaue, erhabene Vermutungen anstelle, mich zur Durchgangsstraße erregender Gedanken mache, all das lebe, was gelebt werden kann. Was kann der Mensch, der mit sich unzufrieden ist, denn nicht tun?«

(Henry D. Thoreau, Tagebuch II)

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Fotorunde ::: Leuschner

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night vale ::: fakten sehen wollen

»Wissenschaft basiert auf Fakten, doch diese Fakten werden auf auf Grund von Hypothesen erhoben, und Hypothesen entstehen durch das was man sieht oder sehen will.«

(Joseph Fink & Jeffrey Cranor, Der lächelnde Gott)

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