Yob | 23.09.16 | UT Connewitz

Black Cobra. Musik als Hochleistungssport. Der Trommler trommelt einiges weg. Sowohl er als auch der Gitarrist und Sänger scheinen als Ziel zu haben möglichst viele Töne in möglichst kurzer Zeit zu absolvieren. Als halb hypnotischer Eindruck aufs Sehzentrum durchaus annehmbar.

Yob. Konzertbeginn während wir noch an der Seite sitzen. Seitlicher Blick auf die ersten Köpfe vor und zurück schüttelnden Reihen. Alle sind genau im Gleichklang bis auf einer, der langsamer ist, und nur hin und wieder denselben Einsatz trifft, ansonsten tingelt sein Oberkörper immer irgendwo außerhalb der Menge schwankend. Fühle mich identifiziert verbunden.

Komme nicht umhin bei insgesamt vier Männern mit langem, leicht lockigem Haar, darüber nachzudenken, wie es kommt dass die meisten Heavy Metal-Musiker Locken zu haben scheinen. Man verzeihe den unwürdigen Gedankengang, aber ob sie sich über Nacht wohl kleine Zöpfchen flecht…

An einer Stelle beginnt die Musik mit einem sehr interessanten, sirenenhaften Flirren, über das die rhythmisch schlagenden Saiten und Trommeln gezogen werden. Alles natürlich in gemächlich stimmigem und optimalem Haarwurf-Takt. Das Grölen und Schreien ist sehr ausdrucksgewaltig, wenn gesungen wird, erinnert die Stimme frappierend an eines der letzten Lieder in der Rocky Horror Picture Show, … das, kurz bevor das Schloss gen Transylvania abhebt.

Der Sänger ist ein hervorzuhebend frohgelaunt strahlender und freundlicher Mensch. Immer mal wieder reißt er kriegerisch beide tätowierten Oberarme hoch, lächelt dem Publikum glücklich zu, und grölt tiefdurchdringend und aus dem Publikum hallt ihm der Gruß begeistert entgegen. Zu Ende verabschieden er und die anderen der Band sich aus den ersten Reihen mit sehr realen Handshakes.

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Emma Ruth Rundle ::: Wovenhand | 22.09.16 | UT Connewitz

»christlich-schamanistische Fundamentalisten spielen Metal auf Country-Basis«
(Hr. Walte)

Ein Dröhnen und Bohren begleitet den Weg aus dem Reich des Schlafes in die Welt die wir die Wirkliche nennen …

Emma Ruth Rundle. Ein zierliches Wesen dessen Stimme weit in Raum und Zeit greift. Der Gesang der anfangs nur von einer verstärkten Akustikgitarre, aus der immer wieder unvermittelt dröhnende aufhallende, klaffende Akkorde gesetzt werden, begleitet wird, ist wie das Meer das an einen Strand anschwappt, Welle für Welle sich anhebend und sich dann leise verschwindend zurückzieht, und darüber der Gezeitenwechsel. Oder wie der Wind der mal sachte knisternd Blattwerk durchraschelt und sich im nächsten Moment anschickt alles zu entwurzeln. Er ist wie das Ein- und Ausatmen des Lebens. Zugegeben mehr an von Menschen fernen, von Nebel umgebenen Orten. Man sieht Küsten und Lichtungen im Morgengrauen, keine Großstädte, nicht den hektischen Puls großer Menschenmengen. Das war vielleicht einmal, und mag auch wieder sein, wenn sie Bestandteil der Marriages ist. Man sieht die gedankenvolle Einsamkeit einer abgeschiedenen Seele. Der an- und abebbende Effekt der Stimme wird durch vor und zurückwiegenden Tanz um das Mikrofon verstärkt.

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Abay | 15.09.16 | Naumanns

Der Vorfranzose mit Sonnenbrille unterm klabauterblauem Haar betritt die Bühne im dämmrigen Saal und bittet nach der ersten Darbietung um mehr Licht, bitte, und nach der zweiten um mehr Dezibel. Herr Walte unterstellt dem ernstzunehmenden Künstler Hiroshimas Schabernack. Musikalisch werden Anlehnungen oder vielmehr Mischungen aus Grunge und Radioheadgesang zelebriert. Die Nichtsingstimme erinnert durch das weiche und sonore Timbre mit der die deutschen Wörter aussprachegenau geformt werden, und nur einen dezenten französischen Klang beilegen, überraschend und delokalisiert an Pierre Brice.

Abay beginnen mit The Queen is Dead. Das trommelwirbelnde sich weiter und weiter steigernde Schlagzeug setzt den Traum eines perfekten Konzerts in Gang. Erhaben. Spannungsgeladen. Tänzelnd. Leicht. Beschwingt. Voller Abwechslung und Kurzweil. Und dazu der sichtliche Spaß auf und vor der Bühne, nicht zuletzt angetrieben vom vierzigjährigen Jungspund Aydo Abay der während der Lieder kaum still halten kann, und während der Zwischenansagen mit tiefenentspanntem Humor seine hartnäckigsten Fans aus Blackmailzeiten sacht dirigiert.

#mein Freund das ist nett, aber weist du, ich bekomm das Bier hier umsonst, du musst mir keines ausgeben
#ich kann jetzt nicht mit dir reden, ich bin noch auf Arbeit

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Regenmassen ::: Singulariatantum formen Plural durch Komposita

Prasselregen, Platschregen, Dauerregen, Feinregen, Fieselregen, Fernregen, Krachregen, von der Straße wieder hochgeschleuderter Regen, diesiger Regen, emulsionifizierender Regen, von Bäumen gewehter Regen, Schieberegen, Starkregen, anschwellender und verebbender Regen, Weichregen, Seichtregen, in Nebel übergehender Regen, Gleißregen, Gischtregen, scheinbar schwereloser Regen, Regenschleier, Regenreiher, bei Weiden zwischenzeitlich nur sehr wenig Regen …

»Der Regen schien ewig andauern zu wollen. Im Oktober regnet es immer so unaufhörlich, bis die Erde völlig durchweicht ist. Die Bäume, die Autobahn, die Felder, die Autos, die Häuser, die Hunde, ausnahmslos alles saugt sich mit Regen voll und die feuchte Kälte durchdringt erbarmungslos die ganze Welt.«

(Haruki Murakami, Pinball 1973)

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EF | 25.08.16 | Naumanns

Jævlig varmt er det, her i himmelen

Es mag eine weite Strecke im Jahreslauf gedauert haben, doch eines Abends geschieht der perfekteste Sommerabend den es geben kann. Nicht kalt, alles ist von sanft heruntergekühlter Luft umgeben. Der Biergarten am Felsenkeller liegt wohlig ausgereckt auf bereits blättrig raschelnd bedecktem Boden unter den Bäumen. Herr K. reizt wieder das Kombinationsspiel mit Bestellung, Einlass und verrinnender Zeit bis ins Letzte aus, doch jeder Anflug von Unruhe und nervöser Erwartung wird in der entspannten Sommerabendlaune aller umgebenden Biergartenkulturteilnehmer sogleich verweht.

Nach erfolgreichem Abschluss der Nahrungsaufnahme auf Zeit schlendern wir, stolpernden Wurzeln weichend, wieder zu den Treppen vor dem Einlass, erwartungsfroh was als Vorband gegeben wird.

Dort treffen wir auf den Institutsleiter und Dame C., die dicht an dicht mit anderen Treppenstuflern vor dem vom Gesprächsrauschen summenden und vibrierenden Eingang lehnen. Wie nett, sie warten auf uns, dabei hätten sie doch auch schon reingehen können. Noch ganz im Biergartenflair und Zauber des lauen Sommerabends gefangen, dringen die eröffnenden Gesprächsinhalte nur langsam zu mir. In seinen gewohnt fulminanten Geistessprüngen fantasiert und webt der Institutsleiter nahezu ohne Begrüßungszeremoniell wie im Wahn ein Parallelwelt-Gespinst, von Sauna-Aufgüssen auf der Haut der spielenden Band, alles umwringenden Nebeldunst, zischenden Siedewasserklängen auf High-Hats und Zimbeln, alle Konzertbesucher in Handtücher umwickelt … wie immer begeistert von der überbordenden vor nichts Halt machenden und auch vor keinem Sujet aus Ehrerbietung zurückschreckenden Vorstellungsmacht des werten Kollegen, bin ich doch auch etwas aus dem Tritt gebracht, und es scheint, nur die Hälfte dessen was er uns nahebringen will, schwappt an mein Bewusstsein heran, das sich auch halb mit dem bevorstehenden Vertrautmachen eines noch unvertrauten Konzertraums befassen muss, und überdies plötzlich mit der Sortierung von weiteren drängenden Fragen abgelenkt ist. Wir haben die Vorband verpasst? Wieso stehen alle draußen? Und was mag dem Kollegen nur widerfahren sein, das ihn so aufwühlt? Sollte ihm die sicherlich fiebernde Stirn vermessen werden? Und wieso klären wir das im Weiteren nicht drinnen? Er scheint mir wie jemand, der etwas sehr wichtiges mitzuteilen hat, doch es aus unerfindlichen, sicherlich ins Tiefenpsychologische reichenden, Gründen, einfach nicht direkt auszusprechen vermag.

Ich nicke ihm noch einmal aufmunternd und wie ich hoffe bestärkend zu … dann betreten wir den Raum, die Zeit bleibt einen Moment stockend und wie nach Luft japsend stehen. Luft mit Persönlichkeit. Es ist ja neblig, dunstig und heiß wie in einer Sauna hier drin!

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botanisieren ::: über dem Sonnenhut

Distelfalter (Vanessa cardui) und Sonnenhutvertreter (Echinacea)

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Neurosis | 15.08.16 | UT Connewitz

Vorband Tesa. Dezibel- und stimmungsintensiv einwiegender Lärm für Neurosis. Erst recht kurzweilig, dann doch mit Längen durch fehlende Leitmotive in den Liedern. Zerrgeräusche von Dauer. Türkise Beleuchtung ruft kürzlich gelesene Pilgerepisode des Institutsleiters in nächtlicher Herberge wach, und genauso malt sich mir nun schauerlich doch auch faszinierend der die Pilger damals des nächtens heimsuchende Lärm aus. Basshebel, momentelang wird ein pfeifendes-Wind-Geräusch simuliert. Teile des Gehörs werden aus Sicherheitsgründen deaktiviert. Der Rest des Abends wird in Unterwasserakustik verbracht.

Neurosis. Eine wunderschöne e-Holzgitarre in den Händen von Steve von Till ziert die ersten Stücke. Als der erste Gesang einsetzt umspült er die strapazierten Rezeptoren des Gehörs wie das weiche Wasser der Brandung an einem milden Sommertag das Sein, und wird sogleich von einer Welle aus Krach fortgerissen. Grandios wuchtvolles und exaktes Spiel. Doch Sauerstoffmangel und ohnehin reichlich mitgebrachte Müdigkeit reduzieren die Aufmerksamkeitsfähigkeit leider beträchtlich. Und die akustische Verarbeitung taucht immer tiefer ab, in die dumpfe doch irgendwie auch zufriedene Stille unter Wasser, während über der Wasseroberfläche ein Orkan lärmt. Neurosis stehen über derlei Fokussierungsproblemen. In konzertiertem Energiegestüm erklingen unermüdlich die Saiteninstrumente, das Schlagzeug und die Klangklöppelbank wie aus einer titanischen Schmiede, und erschaffen etwas über die Dauer eines bewusstseinsumnebelten Konzertabends hinaus.

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PGI Expeditionsbericht & Trivialnotizen | España del Norte | 18. bis 28. September

Keine Postkarten! Keine Bilder.

Albatrosse!

Von einer Einzelerkundung in das östliche Wanderpfadgebiet kehrt der Institutsleiter aufgeregt zurück und erwähnt beiläufig er habe auf den Felsen Albatrosse, diese majestätischen Vögel der Meere, bei der Jagd beobachten können. Ich muss zugeben mir wurde nicht wenig weh ums Herz, dass mir diese Vögel bei meiner vorangegangenen, sehr aufs Botanische konzentrierten, Erkundung entgangen waren. Wir beschließen nochmals zusammen zu den Felsen zu gehen, doch tags darauf sind keine Albatrosse zu sehen. Sammeln dafür steinzeitlich hämmernd Gesteinsproben in den Felsen. Der Institutsleiter birgt unter anderem ein kleines porzellanbeigeweißes Stück Koralle und einen Stein auf dem drei längliche, abgebrochene Korallenstücke zu sehen sind, die im inneren vollständig durch Quarzkristalle morphologiert wurden. Äußerst bemerkenswert!

Abends beschließt die versammelte Institutsmannschaft aufgrund der aufsehenerregenden Sichtung das ohnehin reichlich vorhandene Wissen über Albatrosse (Diomedeidae) weiter zu vertiefen. Der Institutsleiter zitiert aus der einschlägig bekannten und fachlich meistgenutzten Wissensquelle Wikipedia. Wir vernehmen begeistert dass die Albatrosse der Familie der Röhrennasen (Procellariiformes) angehören. Zu dieser Familie gehören übrigens auch die von mir seit der Azorenreise sehr geliebten Gelbschnabel-Sturmtaucher (Calonectris diomedea), wie ich hier hocherfreut ob der unverhofften Wiederbegegnung anmerken darf. Weiter wird berichtet dass von den 21 Arten 17 in den südlichen Ozeanen vorkommen, drei im Nordpazifik und eine in den Tropen …

»… Albatrosse können Flügelspannweiten von über 3,5 Metern erreichen und übertreffen damit jede andere lebende Vogelart. Auch die kleinsten Vertreter der Familie haben noch Spannweiten von zwei Metern. Mit einem Gewicht von bis zu 12 Kilogramm gehören Albatrosse zu den schwersten flugfähigen Vögeln überhaupt.

Verbreitung und Lebensraum. Der Großteil der Arten lebt über den Ozeanen der Südhalbkugel. Dort kommen sie vor allem auf verschiedenen Inseln wie Falkland, Macquarieinsel, Crozetinseln, Prince-Edward-Inseln und Südgeorgien vor, daneben bilden sie vereinzelte Kolonien in der Antarktis. … Im Nordatlantik und seinen Nebenmeeren gibt es für gewöhnlich keine Albatrosse; … Stürme führen allerdings dazu, dass Albatrosse auch auf die Nordhalbkugel verschlagen werden. Da sie ohne Wind nicht flugfähig sind, können sie anschließend die äquatorialen Kalmen nicht mehr überqueren und verbleiben so oft mehrere Jahre auf der »falschen« Halbkugel. Zum Beispiel war ein Schwarzbrauenalbatros von 1972 bis 1987 alljährlich auf den Shetlandinseln zu sehen. … Albatrosse meiden normalerweise die Küstennähe, und das feste Land suchen sie ausschließlich zum Brüten auf. Sie können Tausende Kilometer weite Wanderungen unternehmen und sind somit auch fernab jeder Küste zu finden. Als Brutplätze dienen meistens kleine Inseln mit grasbewachsenen Hängen. Felsige Steilküsten bieten dagegen wegen der Start- und Landeschwierigkeiten ungeeignete Bedingungen für Albatrosse. …«

Ich möchte festhalten dass die Beobachtung des werten Kollegen durch diese Informationen keineswegs geschmälert oder sogar unwahrscheinlich wird. Im Gegenteil. Gerade durch die extreme Unwahrscheinlichkeit Albatrosse an einem Felsen der spanischen Nordküste zu beobachten, ist die Sichtung dieser imposanten Geschöpfe der Lüfte von noch fantastischerer, immens bemerkenswerter, Bedeutung!

Das Abendessen erfreut alle Teilnehmenden durch die pikante Pimientos de Padron-Lotterie. Erstaunlicherweise gelingt es Dame C mit Leichtigkeit aus den letzten vier Pimientos den Hauptgewinn zu ziehen. Zum Glück hält die Institutsapotheke für solche Gelegenheiten galizischen Kräuterlikör (Ruavieja, Licor de Hierbas) bereit.
Nächtens tummeln sich diverse Institutsmitglieder auf dem Strand, versuchen sich in unverwackelten Nachtaufnahmen, patschen durch das Wasser, lassen sich von plötzlich vereinzelt weiter heranrollenden Wellen die hochgekrempelten Hosenbeine benetzen und sind alles in allem quietschfidel, ausgelassen und munter, oder auch gerne verträumt und nachdenklich während sie in die weißbeschäumte Dunkelheit blicken.

Der Institutsleiter formuliert die These vom Tag- und vom Nachtstrand.

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thoreauvian ::: Stille

»Wie die wahrste Gesellschaft sich immer mehr der Einsamkeit nähert, so verfällt die vorzüglichste Rede schließlich in Schweigen. Wir gehen umher, um Einsamkeit und Stille zu finden, als weilten sie nur in fernen Bergschluchten und in Waldestiefen und wagten sich aus diesen nur um Mitternacht hervor. Wir sagen, Stille herrschte, bevor überhaupt die Welt geschaffen wurde, als habe die Schöpfung sie verdrängt und wäre nicht ihr sichtbarer Rahmen und Hintergrund. Sie geruhe nur in Lieblingstälern zu verkehren, das denken wir, und nicht das wir sie mitnehmen, wenn wir uns dorthin wenden … Denn wo der Mensch ist, da ist auch Stille.«

(Henry D. Thoreau, Tagebuch I)

… Wolken, Wiese, Wind — Stille

»Es ist müßig für mich die Stille zu deuten … eine Weile kann ein Mensch zuversichtlich so weitermachen und denken er habe sie im Griff und wird sie eines Tages erschöpfen, doch am Ende muss auch er still sein, und man wird nur bemerken welch wackren Anfang er machte; denn wenn er schließlich eintaucht in sie, ist das Missverhältnis zwischen Gesagtem und Ungesagtem so gewaltig, dass das Erste nur als die Blase auf der Oberfläche dessen erscheinen wird, in dem er verschwand.«

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PGI, Hornissenbeobachtungsstation ::: killing–kidding

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PGI | Communiqué hymenopterie

Kollegen!

es mag sein dass die Abt. PGI Wald es bisher obsäumt hat von den neben uns ins Dachgeschoss eingezogenen Nachbarn zu berichten. Anlässlich des gesternächtlichen Besuchs eines dieser Nachbarn — er hat so unangekündigt wie nonchalant durch das geöffnete Fenster unsere Wohnung aufgesucht — möchte ich dies nun nachholen. Es handelt sich bei der nebenan siedelnden Großfamilie um Vertreter der Ordnung Hymenoptera, Art Vespa crabro. Dies habe ich später herausgefunden, obwohl der neue Nachbar es versäumte sich vorzustellen. Leider ist es aufgrund unzureichend im www zur Verfügung stehenden Bildquellenmaterials bisher nicht möglich gewesen die Varietät der Nominatform eindeutig festzulegen. Vespa crabro Linnaeus, 1758 oder Vespa crabro germana Christ, 1791.

Die während des Besuchs aufgenommen Kommunikations- und Kontaktversuche haben sich leider als komplizierter herausgestellt als man bei zwei so geselligen Spezies annehmen möchte. Der Besucher hat sowohl Kaffee als auch Kuchen oder Schnaps abgelehnt.

Weiterhin wollte er sich auch nicht vermessen lassen. Daher bin ich auf eine grobe Einschätzung durch Augenmaß angewiesen, etwa 3 cm lang und 1 cm »dick«. Weder Gewicht noch Brummamplitude konnte im kurzen reconnaître aufgenommen werden, was durchaus auf eine gewisse Hymenopterie der überrumpelten Gastgeber zurückzuführen ist.

Hingegen wollte uns der Besucher beständig zu einem Tänzchen auffordern das darin bestand dass er laut brummend auf uns zuflog, dabei eine gewissen Planlosigkeit, ja Unberechenbarkeit simulierend, und wir spielerisch Fluchtverhalten vortäuschend davonhüpften.

Wir haben ihm sodann gestattet sich solange es ihm beliebte es sich allein in unserem Wohnzimmer bequem zu machen, wohin wir ihn durch aktivierte Lichtquellen gebeten haben Platz zu nehmen. Was er zuerst durchaus gerne anzunehmen schien, es irgendwann jedoch ohne einen Ton des Abschieds verlassen hat.

Auch wenn dieser erste Kontaktversuch kurz und nicht ohne kommunikative Barrieren war, so liegt ihm doch wie jedem Anfang ein vielversprechender Zauber inne.

Ich verbleibe, noch mit einem gehörigen Schuss wissenschaftlichen Adrenalins in meinen Adern,
M

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PGI, Hornissenbeobachtungsstation ::: dämm it, steal it

»Hornissen schlafen übrigens so gut wie nie. Doch es gibt ein rätselhaftes Verhalten: Ungefähr 20–25 mal pro Nacht verfällt das ganze Volk von der Königin bis zur Arbeiterin in eine Art Tiefschlaf auf Geheimkommando. Die Tiere halten dann einfach an und bewegen sich für etwa eine halbe Minute nicht. Nach dieser kurzen Pause geht’s weiter, als wäre nichts geschehen.« (hornissenschutz.de)

… booting process of vespa crapro is active, please wait …


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PGI Expeditionsbericht & Trivialnotizen | España del Norte | 18. bis 28. September

Keine Postkarten! Keine Bilder.

Am Strand …

⌈                                                                   ⌉

… Ausblick von unserer Ferienwohnung auf den Strand in verschiedenen Wetterlagen, an einem Tag lassen Regentropfen das Bild dahinter verschwimmen … | … | … es geht einen Hang hinunter, oben stehen in angenehmen Abstand Bänke zu denen sich gerne alte Herren mit Zigarre mit dem Auto hinfahren lassen, um sodann Stunden mit Blick auf die Wellen zu verweilen, neben ihnen oft ihre telefonierende und somit ebenso bestens beschäftigte Gemahlin … | … | … neben den Bänken stehen pittoresk gefederte Tamarisken (Tamarix hispanica) … | … | … der Blick auf den Strand und das Meer wechselt mit dem Wetter, dem Himmel, der Tageszeit, Ebbe und Flut. An den bedeckteren Tagen in den metallchromatischen Abstufungen die für meine Kamera typisch sind, wie der Institutsleiter eines Tages so wohlmeinend bemerkt … | … | … die Wellen scheinen von Tag zu Tag höher zu werden, die Ebbe niedriger, die Augen sind gefangen vom Glitzern der Sonne auf dem Wasser, dem goldenen Wirbeln der Sandkörner im zurückweichenden Wasser, das durch die dunkelgrauen Felsen hindurch gespült wird, und vom Heranrollen, Auftürmen und Brechen der Wellen in denen sich wiederum das Licht bricht, den glitzerndleuchtenden Interferenzmustern auf dem seichten Wasser, dem Hochspritzen an den Felsen und dem Regen einzelner Wassertropfen, den verschiedenen Abstufungen von Blau, weit draußen dunkelblau, dann immer grüner und grünleuchtender werdend bis zum Gold des Sandes …

⌊                                                                   ⌋

⌈                                                                   ⌉

… am Aufbruchsmorgen zu den Picos de Europa spiegelt sich das Sonnenlicht golden in einer Pfütze, zusammen mit dem doppelten Schattenrissbild einer Bank und einer Tamariske, und am Strand geht der Goldton des Sandes direkt in die Goldtöne der aufgehenden Sonne über, durch die Felsenformationen leuchtet die Sonne weiß wie durch einen Tunnel und überstrahlt mit ihrem Licht aurengleich die Felsen, und die vielfach weiß gesprenkelte Kolonie der Garzas auf der Insel de los Pedro lässt sich durch den Ebbetiefstand wunderbar aus der Nähe beobachten. Zwischen den Reihern wenige vereinzelte Meermöwen (Laridae, ich optiere für Rissa tridactyla), Krähenscharben (die zu den Kormoranen gehören, Phalacrocorax aristotelis) und diese mysteriösen großen Vögel mit dunklen Schwingen … | … | … an den letzten Tagen wird der Strand bevölkerter und durch die Sonne die im Westen über dem grünen Haushügel strahlt bildet sich über den hoch hereinbrandenden Surferwellen das selbe diffus milchige Glimmern wie an der Westküste in Portugal, die im Wasser surfenden oder am Strand stehenden Menschen in der Ferne nur schwarze Schattenrisse, einer geht als Silhouette gerade mit seinem Surfbrett unterm Arm geklemmt Richtung Wasser … | … | … die Landbrücke zu den zwei Felsen, und wie sich diese im nassen Sand vom Boden aus fotografiert spiegeln, ein Motiv das man sich vielleicht wenigstens einmal wiederholen könnte, wenn man denn nochmal nach Noja fahren würde … im späten September, oder am 12. August 2026, 17:47:06 zur totalen Sonnenfinsternis deren Kernschatten Nordspanien, inkl. Santander und Umgebung, streifen wird …

⌊                                                                   ⌋

… sind wir meist für uns allein. Nur hin und wieder halten oben an der Straße vereinzelt Spanier um sich vor dem Meerpanorama fotografieren zu lassen und fahren dann wieder weiter. Gleich am ersten Tag faszinieren die Quarzlinien die durch die dunklen Gesteinsformationen am Strand laufen.

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thoreauvian ::: in jeder Enttäuschung entschädigt

»Wenn uns ein Regenschauer in den Schutz des Ahornhains oder herabhängender Kiefernzweige treibt, so entdecken wir mit mikroskopischen Blick in deren Tiefe manche neue Wunder in der Borke oder in den Blättern oder Pilzen zu unseren Füßen, oder unser Interesse wird durch eine neue Ressource der Insektenwirtschaft geweckt, oder die Meise ist vertraulicher als sonst. Wir können dann die Ecken und Winkel der Natur studieren.«

(Henry D. Thoreau, Tagebuch I)

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Sprachfund ::: autologische Vergänglichkeit

»›Neologismus‹ (Wortneuschöpfung) war einst ein autologisches Wort,
ist es aber heute nicht mehr.«
https://de.wikipedia.org/wiki/Grelling-Nelson-Antinomie

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