The Veils ::: 20.06.23 ::: Frannz Club

Konzertteam Zwei trifft kurz nach mir ein. Schattiger Biergarten, Plausch und zunehmend zeittickend ungeduldiges Warten auf Essen. Hinter uns schlendert Hr Andrews vorbei, was uns etwas unserer Gelassenheit zurückgibt. Manch einer kann sich nur unter Mühen zurückhalten nicht ein Swimming with the Crocodiles als Wunsch auszurufen.

Umrunden das Gebäude um von vorne in das Konzert gelassen zu werden. Konzertraum klein und sehr fein, ein bisschen wie Naumanns wie Hr Walte meint. Die Vorkünstlerin, Nana M. Rose, singt bereits in ihrem sehr bordüren Outfit. In den tieferen Lagen erinnert mich ihre Stimme faszinierend und sehnend sehr an Therese Aune. Weiterhin fasziniert die Bandbreite und Kontrolle ihre Stimme, auch wenn die Lieder an sich und nur sachte mit Piano begleitet, einander sehr ähnlich scheinen. Dabei sehr im Zauber des nach so langer Zeit wieder live und handgemachter Musik in einem dunklen Raum beizuwohnen. Menschenumgeben, unbekannt, doch es fühlt sich alles wohl an bis in den letzten Winkel, selbst zu heiß ist es noch noch nicht.

Umbau, wir tippeln vorfreudig gespannt mehr in die Mitte des Raumes, Stefan pegelt sich auf die optimale Musikabmischzone ein, ich suche mehr nach der optimalen schrägen Blicklage zur Bühne. Irgendwann wird abgedunkelt, ein Shanty das an drunken sailor erinnert, wird abgespielt. Unvermittelt lebendig lebensmunter. Eine Menge Leute betreten die Bühne, ganz links doppelter Tastenturm, zuunterst ein rotes nord piano, ein Mann in frohgemütlich blauweißem Hemd, daneben unter meinem Sichthorizont nochmal etwas tastig-elektronisches, ein Herr mir wilden grauen Locken, der manchmal auch zu Saiten greift. Hoch aufragender Geigenspieler. Dann das wieder großenteils unter meiner Sichtlinie liegende Schlagzeug. Ganz rechts eine Lady am e-Bass. Und in der Mitte nimmt Hr Andrews Hut und Stellung, das alles unter umfassenden Begrüßungsjubel, und möglicherweise ein paar gemurmelten Happy to be here agains.

Und oh haut die Musik live um. Mit dem Einstieg Bullfighter natürlich besonders wuchtsam, aber selbst in ihrem Arrangement ruhige Lieder bekommen durch Energie und dumpfen Sound von Schlagwerk, Gitarrenschrillern, verzückend verdrilltem Fiedelklang und die gewittrig brechende knackende knisternde plötzlich klar und weich werdende Stimme, hin und wieder wunderbar komplimentiert durch den Mitgesang der Dame am Bass, des erzählenden Onkels oder Beschwörers eine sirrende Spannung wie Telegrafendrähte die sich über weites leeres überwiegend steiniges Land spannen. Die aus erlebten Äonen weit überblickende weise Güte im noch immer simmernden anklagenden Zorn eines gefallenen Engels. Es geht vor und zurück durch alle Alben. Die älteren Stücke wirken durch teils instrumentale Ergänzung subtil oder eingebildet anders. Die zwischenmenschliche Wärme in aller knarziger Knorrigkeit die auf den Alben schon immer fühlbar ist, wirkt im Realraum noch viel umfassender, und der immer wieder emporhebende irre Sinn in der predigten Mimensprache noch fassbarer. In all dem ruht die schlichte und weise Poesie der Wörter, Bilder von imaginativem Leuchten beschwörend, immer mal ein bisschen dezent abseits der Mem-Richtung, ein anverwandtes aber nicht ganz das unsere Universum. Nach dem Pausenjubel ein Stück allein auf dem Piano, vom ersten mir unbekannten Album, es geht um eine kleine Stadt, Seefahrt und Wiederkehr am Meer? Dann eines in reduzierterer Besetzung mit war das Geige und Bass. Cradle Song? Der Abend so dicht als dass er nicht anders als schon sehr bald verschwimmen kann. Dem Glück dieses Abends eine von allen Lieblingsbands zu erleben, dem Seelenvollen, und wie die Musik aus dem Vollen geschöpft wird, all die feinen Details, die Perfektion, das Fabelhafte in jedem einzelnen Moment des Arrangements, das akzentuierte, abgehakte, fließende, überschäumende, überlaufende, aufrührende, explodierende, auffangende, und die in ihr liegende lange Zeit; nie ganz genügend festzuhalten.

Alle wieder auf der Bühne, es folgt der aufgeforderte Bandapplaus und das anschließende Rings of Saturn wird den Bandmitgliedern gewidmet. Noch mitten im Gesang schließt Hr Andrews ein kommentierendes an Interlude an, stellt sich besonnen und glücklich beseelt zur Dame am Bass und in der Musik liegt diese besondere schwebend verwehende Süße eines Twin Peaks-Moments.

Hochzuglücklich geht es hinaus in die Nacht, die nicht zu kalt und nicht zu warm ist. Der Chauffeur wünscht sich noch eine Spätisitzpause um weiteres Mate zu laden, Konzerteindrücke werden von einem Teil des Teams bereits wild durcheinanderwirbelnd abgeglichen während andere noch still verarbeiten und einfach wirken lassen, und das Resümee für in vier Stunden ankündigen. Vor den Scheiben fließt die Stadt endlos vorbei, so wie das soeben besungene Universum …

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Fotorunde ::: Gallensuche Gaschwitzlachen, Entenbrücke, Brettschneiderteich, Kiesgrube Rückmarsdorf, Landpartie Schladie Sep 23

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Fotorunde ::: Hauswald & Rosentalteich / Fluss & Nrs Bahndamm & Lindenauer Wiesen Jul/Aug 23

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terzani ::: lesen hören sein

»Ich wusste es war eine Frage der Perspektive. Ist unser Blick auf die Welt eingeschränkt, kommen uns unsere Probleme, unsere Leiden extrem wichtig vor, und unser Tod entsetzlich, undenkbar. Weitet sich der Blick und sieht man die Welt in ihrer Gesamtheit, ihre Großartigkeit, wird unser Zustand, so erbärmlich er sein mag, Teil dieser unendlichen Weite und des ewigen, natürlichen Auf und Ab des Menschen in dieser Welt.« … wie Kunst helfen kann, trösten, erheben. Gibt Orientierung. »Wir sind nicht nur das was wir essen, und die Luft die wir atmen. Wir sind auch die Geschichten, die wir gehört haben, die Märchen über die wir als kleine Kinder eingeschlafen sind, die Bücher die wir gelesen, die Musik die wir gehört, und die Gefühle die ein Gemälde, eine Statue, ein Gedicht in uns geweckt haben.«

(Tiziano Terzani, Noch eine Runde auf dem Karussell. Vom Leben und Sterben)

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Fotorunde ::: Apotheker- & Arenagarten Jun/Aug 23

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Fotorunde ::: Geiseltal Jul & Aug 23

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gormenghast ::: immer wieder besuchen

Flay im Krüppelwald. »… das Geräusch seiner Knie wurde Vögeln und Hasen Tag um Tag vertrauter. Sonnenlichtgestreift, wo der Wald dünner wurde, dunkel wie der Schatten selbst, wo keine Sonne eindrang … die Natur war, wie es schien, so gewaltig wie Gormenghast. Aber als die Zeit verging, lernte er die kürzesten und verborgensten Wege durch Berge und Tal, von Flusslandschaft und Sümpfen zu finden …«

»… starrte abwesend über den unteren Teil des ausgestreckten Arms auf den Schimmer des Grases. Er ruhte sich nicht lange aus, denn er wollte vor der Abenddämmerung in seiner Nordhöhle ankommen. Er war einige Zeit lang nicht dort gewesen, und mit einer Art dunkler Freude hatte er der plötzlichen Eingebung nachgegeben. … der Blick von der Nordhöhle aus war ungewöhnlich. Er schenkte Mister Flay das, was er sich unter Freude vorstellte. Immer häufiger entdeckte er in seinem neuen und sonderbaren Leben dieser Weite, so fern von Gängen und Hallen … etwas das in ihm neue Gefühle hervorrief, ein Interesse an Phänomenen jenseits von Ritual und Gehorsam … die Vielgestaltigkeit der Pflanzen und die verschiedenen Strukturen der Borken, die Mannigfaltigkeit von Fischen und Vögeln und Steinen … sein Vergnügen war von zäher, praktischer Art, und dennoch nicht ausschließlich. Wenn ein Lichtpfeil auf eine dunkle Fläche fiel, hob er den Blick zum Himmel, um die Spalte zu entdecken, durch die die Strahlen hindurchgebrochen waren. Dann kehrte er mit einem Gefühl von Bereicherung zu dem Spiel der Strahlen zurück …

… als die Tage vergingen, merkte er, dass er das Gebiet hier und dort durchstreifte um zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort zu sein, um mittags die Eichhörnchen bei den Eichen zu sehen, das Heimkommen der Rabenkrähen oder das Sterben des Tages von irgendeinem günstigen Aussichtspunkt den er selbst gefunden hatte.«

(Mervyn Peake, Gormenghast)

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Fotorunde ::: Jena Reh Buchen Wald Orchidee Jul 23

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Fotorunde ::: Cossi shorts & Kiesgrube Jun/Jul 23

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woolf ::: bleibende nachmittage auffädeln

»… Tauziehen ein Dauerzustand – auf der einen Seite die Nachtigall oder die Aussicht, die sie leidenschaftlich liebte – ja, für eine schöne Aussicht und für die Vögel empfand sie nichts Geringeres als Leidenschaft; auf der anderen Seite der feuchte Pfad, oder der entsetzliche lange mühsame Weg den steilen Berg hinauf, mit der Folge dass sie am nächsten Tag zu nichts zu gebrauchen sein würde … wenn sie also von Zeit zu Zeit gut haushaltete mit ihren Kräften und einen Ausflug nach Hampton Court zuwege brachte, in der Woche da die Krokusse … am eindrucksvollsten waren, dann war das ein Sieg. Es war etwas Bleibendes; etwas, das für immer von Bedeutung war. Sie fädelte den Nachmittag auf die Kette unvergesslicher Tage, die nicht so lang war, als dass sie sich nicht diesen oder jenen in Erinnerung hätte rufen können …«

(Virginia Woolf, Slater Nadel haben keine Spitzen, in: Ein verwunschenes Haus)

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Fotorunde ::: frey widderchen Jun 23

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Fotorunde ::: Jena Leutratal Striepsen & Dreistammkiefer Jun 23

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Fotorunde ::: Haus-/Regenwald/Stille/Tümpeltal, Gundorf Tümpel und Ehrenbergwald Jun 23

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gormenghast ::: in sich selbst leben

Während eines Rituals, diverse Tagträume werden wiedergegeben. Gertrude. »… wenn er älter wird kann ich ihm beibringen sich um sich selbst zu kümmern und wie er sein eigenes Leben lebt soweit das möglich ist für jemanden der Tag für Tag diese grauen Steine auf dem Herzen liegen hat und jenes Geheimnis das einen Außenstehenden erstarren lässt und dann wird er in sich selbst leben können … und wie er den Kopf hübsch von den Pflichten freihalten kann die er Tag für Tag vollziehen muss … und er muss das Geheimnis der Stille kennenlernen und seine eigenen Wege gehen unter den Vögeln und den weißen Katzen und allen anderen Tieren, so dass er sich der Menschen nicht bewusst wird …«

(Mervyn Peake, Gormenghast)

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Fotorunde ::: Maivögellufterl – Rassnitzer & Wallendorfer Jun 23

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