thoreauvian ::: weder Ganzheiten noch Schatten

»ich fürchte dass mein Wissen von Jahr zu Jahr einen deutlicheren und wissenschaftlicheren Charakter annimmt; dass ich, statt Ansichten so weit wie das Himmelsgewölbe zu haben, auf das Feld des Mikroskops eingeengt bin. Ich sehe Einzelheiten, weder Ganzheiten noch den Schatten des Ganzen. Ich zähle einige Teile uns sage: ich weiß.«

(Henry D. Thoreau, Tagebuch III)

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thoreauvian ::: schlichteste Beobachtungen, meteorologisches Tagebuch des Geistes

»Der Dichter muss beständig die Stimmungen seines Geistes beobachten, wie der Astronom die Aspekte des Himmels … selbst der schlichteste Beobachter würde ein paar Sternschnuppen sehen. Eine genaue Beschreibung, die eine unparteiische Person von den Gedanken gibt, die einen bestimmten Geist in siebzig Jahren aufsuchten, ist so, als würde jemand die Zahl und die Art der Fahrzeuge aufzeichnen, die an einem bestimmten Punkt vorbeikommen. Wie Reisende die Welt umrunden und von natürlichen Gegenständen und Phänomenen berichten, so soll ein anderer getreulich zu Hause bleiben und über die Phänomene seines eigenen Lebens berichten – Sterne katalogisieren, solche Gedanken, deren Umlaufbahnen so selten berechnet werden wie Kometen … ein meteorologisches Tagebuch des Geistes. Ihr könnt beobachten was in eurer Breite vorkommt, und ich das, was in meiner passiert.«

(Henry D. Thoreau, Tagebuch III)

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thoreauvian ::: neigung umherzuwandern nachgeben

»wie viele Dinge tragen dazu bei, einen Menschen zu Hause zu halten, zu verhindern, dass er seiner Neigung, umherzuwandern nachgibt! … es einiger Entschlossenheit wie auch Tatkraft und Voraussicht bedarf, um die einfachste Reise zu unternehmen. … wenn ich mir überlege wie viele Dinge ich bequem tragen kann, dann halte ich es für gewöhnlich für das Bequemste zu Hause zu bleiben. …«

(Henry D. Thoreau, Tagebuch III)

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rabenschwarz ::: quorren krächzen ratschen

»… was uns als unschönes Quorren, Krächzen oder Ratschen ins Ohr geht hat für die Krähen, Elstern und Häher einen ähnlich präzisen Klang wie die Stimme des Menschen mit dem wir vertraut sind.«

(Josef H. Reichholf, Rabenschwarze Intelligenz)

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thoreauvian ::: orakelhaft

»… sollte ich zu meinen Freunden sprechen? Denn wie selten bin ich ich, und sind sie sie? Wir werden uns dann treffen, weit entfernt. Die Samen des Sommers trocknen und fallen von tausend nickenden Köpfen. … ah selbst die Bäche scheinen mehr angefüllt mit Spiegelungen als sie es wirklich waren! Ah was sind das für herausfordernde orakelhafte Sätze! Der seichteste ist zugleich der unergründlichste. Wie kann die Tiefe dort ausgelotet werden, wo ein Mensch sich selbst gespiegelt sieht?«

(Henry D. Thoreau, Tagebuch III)

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lost on diy ::: eine Unzufriedenheitserklärung

Auszüge aus e-Kommunikation 2009, kommentiert
ich bin so stolz ein Ingenieur zu sein

einfache Montage einer Fassung mittels Lüsterklemme an Stecker
Habe mir heute eine Glühbirnenfassung und ein dazu passendes Stromkabel im Baumarkt besorgt, weil ich für ein Geburtstagsgeschenk in diese Richtung »nicht mehr existenter Link zu Zauperlampe« experimentiere. Die Richtung stimmt, doch bisher würde ich es trotzdem ein Scheitern nennen.

Wie auch immer, ich habe Glühbirnen mit dickerer Fassung, die nicht in die Stehlampen passen, und will ja immer ausprobieren, wies jetzt in unmittelbarer Wandnähe so wirkt, nachdem ich die Tupfen dicker und größer gemacht habe. Ab einer Entfernung von 1 Meter verpufft die Wirkung sowieso. Bisher musste ich dazu immer auf einen Stuhl, die Glühbirne aus der Deckenlampe schrauben, auswechseln, vom Stuhl runter, Licht an, gucken, enttäuscht sein, weißes Blatt in die Nähe halten um Wand zu simulieren, wieder auf den Stuhl, hach mist, vergessen Licht auszumachen, vom Stuhl runter, Licht aus, auf Stuhl hoch …

Neben dem sportlichem Problem ist die Deckenlampe einfach zu weit von der Wand weg so das man den Effekt nicht abschätzen kann.

Also jetzt: Stromkabel mit Stecker und hey Luxus, ich habe mich sogar für die Variante mit An-Aus-Knipsschalter entschieden + Lüsterklemme + Glühbirnenfassung. Stecke die Drähte in die Lüsterklemme, frage mich wie weit ich sie stecken muss, und ob es so stimmen kann dass um die Drähte am Glühbirnenfassungsteil nochmal so Extrametall drumrumgeknibbelt ist, suche einen Schraubenzieher mit dem ich in die dünnen Lüsterklemmenschraubenröhrchen (→ Achtung Fachbegriff) komme, zerlege dazu Patricks Taschenmesser, schraube und zurre das ganze fest. Schraube die Glühbirne ein, stecke den Stecker in die Steckdose und wappne mich gleichzeitig des hereinbrechenden Flutlichts (25 Watt): nichts passiert.

Schraube alles wieder auseinander, lasse von Patrick diese zusätzliche Metallummantelung wegknibbeln (mit Patricks Taschenzange die er beim Weihnachtswichteln bekommen hat), schraube alles wieder zusammen, hilfreicher Weise findet Patrick an der Taschenzange auch einen Taschenschraubenzieher der passt, stecke wieder den Stecker in die Steckdose, kneife die Augen zusammen: wieder nichts. Frage mich ob es richtiger wäre die Klemmschrauben über der Kunststoffummantelung festzuklemmen damit sich die Drähte innerhalb noch mehr berühren. oder ob eines der Teile schlichtweg defekt ist.

Denke mir dass es so schwer nicht sein kann, eine blöde Lüsterklemme und zwei Kabelenden zu verbinden. Nehme nochmal alles auseinander. Fordere Patrick auf in google zu recherchieren wie eine Lüsterklemme genau zu verwenden ist (→ J.K. Jerome, Onkel Podger!). Schraube Drahtenden, Lüsterklemmen und Glühbirne noch fester zusammen. Stecke wieder den Stecker in die Steckdose. Bemerke meinen unterbewussten Ingenieur wie er mir schon seit verzweifelten Minuten etwas zu Bewusstsein schreien möchte. Die Glühbirne bleibt dunkel. In meinen Kopf hallt es wieder: der Schalter! Knipse den verd… Schalter an!

Fiat lux!
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Fotorunde ::: winterfarben

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feld ::: schnee welt

»… die Liebe. Der Krieg. Der Gott. Der Vater. Die Mutter. Das Kind. Die Hecke und die Heimlichkeit. Die Blumen und die weiße Angst. Das Scharfe. Das Helle. Der Schnee. Das Wetterleuchten und der Suppentopf. Noch dreimal Lachen, dann ist es vorbei. Die Sonne. Der Vogel. Das Boot. Der Tod. … Würde … im Blick der anderen … erinnere mich an einen Satz. Wenn mich nicht alles täuscht, habe ich ihn selbst gedacht. Es ist ein Satz, wenn schon nicht für die Ewigkeit, so doch für den Augenblick. Mehr kann man eigentlich nicht verlangen. Erst war ich Mensch, jetzt bin ich Welt.«

(Robert Seethaler, Das Feld)

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PGI ::: Meteorologische Studien | snowcolor

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thoreauvian ::: zwischen Haus und Gartentor irgendwie vorankommen

»ein Mensch muss sich im Allgemeinen einige hundert oder tausend Meilen von zu Hause entfernen, bevor von ihm gesagt werden kann, er beginne sein Reisen. Warum nicht seine Reisen zuhause beginnen? Würde man weit gehen oder sehr genau schauen müssen um Neues zu entdecken? Der Reisende, der, in diesem Sinn seinen Reisen zu Hause nachgeht, hat jedenfalls den Vorteil eines langen Aufenthalts auf dem Land, um seine Beobachtungen genau und ertragreich anzustellen. … wenn er nun mit allem Wissen eines Einheimischen anfinge und das Wissen eines Reisenden hinzufügte … es bedarf eines Menschen von Geist, in seinem eigenen Land, in seinem Heimatort zu reisen; zwischen seiner Haustür und seinem Gartentor irgendwie voranzukommen.«

(Henry D. Thoreau, Tagebuch III)

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Fotorunde ::: plumbeum

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osang ::: winterschimmer

»… eine Zeit der Inventur, da man überprüft, was eigentlich noch im Regal des Lebens steht. Oft steht, ganz hinten, etwas Bemerkenswertes … und beobachtete wie das matte, graue Tageslicht wegsickerte … sah … hinauf zur Wohnung, der Schnee fiel ihm direkt in die Augen, aus allen Richtungen schwebte er auf ihn zu, kleine weiße Planeten, ein Meteoritenhagel, und er mittendrin. Er trieb durchs All … die Worte flossen aus ihm heraus, es war, als höre er sich selbst zu … es gab weitere Thesen, Punkte, Folien für den Weltuntergang. Ganz obendrüber stand: alles hängt mit allem zusammen. … er bewegte sich, während er das dunkle Treppenhaus hinaufstieg, in einem globalen Zusammenhang … Morgen Nachbar, rief jemand in den Frieden der sich in seinem Kopf ausbreitete (→ vgl. Jerome … weiterhin Beschreibung wie sich die Hauptfigur verrenken muss um nach oben zur Stimme zu blicken, und sich dabei wie einer dieser dünnen Jurassicparksaurier fühlt) … Almuth fühlte sich wohl im Ungefähren … Sie nippten an ihren Gläsern, rauchten und schwiegen. Die Zeit stand still. Deswegen fuhr man zu seinen Eltern, dachte sie, damit die Zeit stehen bleibt … der Schnee verwandelte den schäbigen Alexanderplatz in eine friedliche stille Landschaft, die Becker vorsichtig betrat wie einen fremden Planeten … kannte ihn nicht und er hatte keine Lust, sich ihr nach all den Jahren noch einmal vorzustellen« … ein Mann in Berlin, seine Freundin zur selben Zeit in Connecticut. Telefonieren. »auch sie war müde gewesen, aber früher am Tage, vormittags in New England, eine andere, hellere Müdigkeit.«

(Alexander Osang & Klappentext, Winterschwimmer)

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Ausblick ::: sich selbst verheddern

Ausblick: in rekursiven Schlaufen des Selbst verheddern

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Fotorunde ::: Lamettakullern

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le guin ::: aus zeit gemacht

»Shevek jedoch konnte mit Dramen nicht viel anfangen. …. erst in diesem zweiten Jahr in Abbenay entdeckte er – endlich – seine Kunst: die Kunst die aus Zeit gemacht ist. Jemand nahm ihn mit in ein Konzert des Musiksyndikats.«

(Ursula K. le Guin, Freie Geister)

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