thoreauvian ::: wind und wasser noch wach, werbelin

»Wind und Wasser sind noch wach. Nachts kann man sicher hören, welcher Wind sich da regt. Der Wind weht, der Fluss fließt unermüdlich. Dort liegt Fair Heaven Lake vom herabgesunkenen Himmel nicht zu unterscheiden. Die Kiefern scheinen fremd auf immer, zumindest für den zivilisierten Menschen – nicht nur ihr Aussehen, sondern auch ihr Geruch und ihr Terpentin. So still und maßvoll ist die Nacht … keine Farbenvielfalt. … statt Blumen unter dem Fuß Sterne über dem Kopf.

Wenn Du auf die Straße kommst, sogar fern von der Stadt … überraschst dich dabei, bloß zu wandern. Die Straße lenkt deine Schritte und Gedanken gleichermaßen zur Stadt. Du siehst nur den Weg, und deine Gedanken schweifen von den Gegenständen ab, die deinen Sinnen gezeigt werden. Du bist nicht mehr an Ort und Stelle. Es gleicht einem Sich-Fügen – auf den Wegen von Menschen gehen …«

(Henry D. Thoreau, Tagebuch III)

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Fotorunde ::: zumfluss reprise

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pratchett ::: sie nennen es regen

»In der Welt außerhalb seines Kopfes begann es zu regnen. Eine weitere neue Erfahrung. Er hatte natürlich schon gehört, dass Wasser in Form kleiner Tropfen vom Himmel fallen konnte, aber nun erlebte er so etwas zum ersten Mal.«

(Terry Pratchett, Pyramiden)

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Fotorunde ::: into the golden rod

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roger ::: sich verzögern & sich konzentrieren

Gespräch von Bowles und Beckett über das Dazwischen, zwischen Entschluss etwas zu tun und tatsächlicher Ausführung. Oder es dann doch nicht zu tun. Projektion des Bildes gleich etwas zu tun. In diesem Moment, »man verzögert sich und ist in diesem Augenblick festgehalten von einem Zustand vor der Tat, gebrochen in der Nicht-Identität mit dem eigenen Handeln und doch eingefroren in der Immunität des Moments. Und dieser Moment mag sich dehnen zur Periode, er mag lebensentscheidend, mag Existenzform werden, wie der Maler Jasper Johns es fasste, als er sagte, Meine Schwäche ist es, nie zu wissen, ob ich expandieren oder mich konzentrieren soll«

Und Marcel Duchamp hat »eine so vollgestopfte Vergangenheit dass es mir schwerfällt etwas wirklich zu betrachten«, wohinzu »Alberte Giacometti weiß nicht woran es liegt, weiß aber wohl dass sein Stift nicht zeichnen kann was das Auge sieht. Zwischen sich und der Zeichnung liegt die Störung. Er weiß weder was diese ausmacht, noch, wie sie aussieht.«

(Roger Willemsen, Der Knacks)

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roger ::: sich selbst fragmentieren

»Leonardo da Vincis Aufzeichnungen lassen manchmal das Dunkel des Nichtverstehens ein. Es überschwemmt seine Sätze wie eine eigene Kraft und bringt sie nur halb zum Vorschein. … als er die folgenden Zeilen schrieb und ihnen dunklen Widerschein gab, fragmentierte er da den Mann, den Gedanken oder sich selbst? »Man wird häufig einen Mann drei werden sehen, und sie alle werden einander folgen, und oft wird der eine, der wirklichste, es aufgeben.««

(Roger Willemsen, Der Knacks)

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stapelie ::: sich selbst erinnern

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roger ::: garten, schatten, zauber

Joseph Conrad und Knut Hamsun. Fähigkeit Geschichten um eine Leerstelle zu bauen. »Bei Conrad trägt der Knacks den Namen Die Schattenlinie … die Inschrift über einer Zone, in der das Leben zögert, als wolle es Atem holen, und immer noch, gleich nach dem Verlassen der Kindheit, Versprechen zu produzieren. »Man schließt die kleine Gittertür der Knabenzeit hinter sich und – tritt in einen verzauberten Garten ein. Selbst die Schatten darin glühen verheißungsvoll. Jede Wendung des Pfades hat ihr Verführerisches. Nicht weil es ein noch unentdecktes Land ist. Man weiß sehr wohl dass alle Menschen den gleichen Weg gegangen sind. Von dem Zauber allgemein menschlicher Erfahrung erwartet man einen außergewöhnlichen oder persönlichen Eindruck – ein Stückchen Eigenes.««

(Roger Willemsen, Der Knacks)

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Fotorunde ::: Cosbugs Jul 20

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munro ::: Combray, Dublin, Jubilee

»… ließ diesen Blick nie vorübergehen ohne etwas zu sagen. Dort ist Jubilee, … oder dort vorne liegt also die Metropole, oder sie murmelte sogar undeutlich ein Gedicht vor sich hin … und durch diese Worte, ob sie nun müde, ironisch oder ehrlich dankbar waren, schien mir Jubilee seine Existenz zu erhalten. So als wären diese Straßenlaternen und Gehsteige, die Festung in der Wildnis, das offene und geheime Muster der Stadt – eine Zuflucht und ein Rätsel – ohne ihr Einverständnis, ohne ihre Billigung nicht da.«

»… die Hauptsache war, dass es mir wahr erschien, nicht real, sondern wahr, so als hätte ich solche Menschen und eine solche Geschichte entdeckt und mir nicht ausgedacht, so als läge diese Stadt unmittelbar hinter der, durch die ich jeden Tag ging … und keine Liste konnte enthalten, was ich eigentlich wollte, denn was ich wollte, war alles, jede Schicht von Sprache und Denken, jeden Lichtstrahl auf Rinde oder Wänden, jeden Geruch, jedes Schlagloch, jeden Schmerz, jeden Riss, jede Illusion – festgehalten und zusammengehalten – leuchtendhell, für immer.«

(Alice Munro, Kleine Aussichten)

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kollektaneen ::: thematisch sammeln

Kollektaneenbuch, »eine Sammlung thematisch geordneter Zitate und Geschichten, wie es in jener Zeit populär war.«

(Sarah Bakewell, Wie soll ich leben? – oder das Leben Montaignes
in einer Frage und zwanzig Antworten)

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montaigne ::: umfassende aufmerksamkeit

Seneca wäre zufrieden gewesen, »solle man sich umsehen und sich für die Vielfalt und Erhabenheit der Dinge ringsum interessieren. Die Rettung liege in der umfassenden Aufmerksamkeit für die Natur der Erscheinungen. Und Montaigne wandte sich dem ihm am nächsten liegenden Naturphänomen zu: sich selbst. … »Wie gelangt man zu innerem Frieden?« Plutarch hielt hierzu denselben Rat bereit wie Seneca: Konzentriere dich auf das, was vor dir liegt, und schenke ihm deine ganze Aufmerksamkeit … der Trick besteht darin, sich in jedem Augenblick ein kindliches Staunen zu bewahren. Und die beste Methode dafür ist, über all das zu schreiben. Einen Gegenstand auf dem Tisch oder den Blick aus dem Fenster zu beschreiben öffnet einem die Augen für das Wunder der gewöhnlichen Dinge. Doch der Blick in das eigene Innere eröffnet eine noch phantastischere Welt. Der Philosoph Maurice Merleau-Ponty nannte Montaigne einen Autor, der »ein über sich selbst staunendes Bewusstsein als Kern der menschlichen Existenz« begriff. … mit zunehmenden Alter verstärkte sich Montaignes Wunsch das Leben staunend zu betrachten nur noch mehr … er wusste dass sich sein Leben dem Ende zuneigte und schrieb: Ich will dass es an Gewicht zunehme; ich will der Schnelligkeit seiner Flucht durch die Schnelligkeit meines Zugriffs Einhalt gebieten … je kürzer ich das Leben noch besitze, desto tiefer und umfassender muss ich von ihm Besitz ergreifen.«

(Sarah Bakewell, Wie soll ich leben? – oder das Leben Montaignes
in einer Frage und zwanzig Antworten)

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le guin ::: verbunden in der landschaft der zeit

»das Meiste was in Takvers Kopf und Seele vorging, hatte wenig mit der Genetik von Fischen zu tun. Sie hegte ein leidenschaftliches Interesse an Landschaften und Lebewesen. Dieses Interesse, oft schwach als Liebe zur Natur bezeichnet, war Sheveks Eindruck nach etwas viel Umfassenderes als Liebe. Es gibt Seelen deren Nabelschnur nie gekappt wurde. Sie wurden nie dem Universum entwöhnt. Sie verstanden den Tod nicht als Feind. Sie freuten sich darauf zu verrotten und zu Humus zu werden. Es war seltsam zu sehen wie Takver ein Blatt in die Hand nahm oder einen Stein. Sie wurde eins mit ihm und er mit ihr.«

Shevek unterhält sich mit einem Zugführer, lange Zeit im nirgendwo gearbeitet, fern von Takver, und auch der Zugführer hat in den Hungerjahren viel Leid erlebt. Der Zugfahrer erzählt irgendwann wurde es ihm langweilig, in jeder Stadt eine andere Frau, nun fährt er hier jahrein und jahraus die selbe Strecke, immer durch die Wüste, und kehrt immer zu seiner einen Partnerin zurück, und langweilt sich bei ihr nie. »es ist nicht der Wechsel von Ort zu Ort der einen lebendig hält. Man muss die Zeit auf seine Seite bringen.«

Später, in Gedanken. Für Odonier gibt es keinen Zweck sondern nur einen Prozess. Es gibt nicht das Ziel wo anzukommen, jemals wo stehenzubleiben. Gegenseitige Verpflichtung zwischen ihm und Takver dadurch lebendig, auch über die Zeit ihrer Trennung. »Erfüllung, dachte Shevek, ist eine Funktion der Zeit. … das Streben nach Abwechslung von schau- oder sensationslustigen Menschen … endet stets am gleichen Punkt. Es hat ein Ende. Es erreicht das Ende und muss von vorne beginnen. Es ist nicht Reise und Wiederkehr, sondern ein geschlossener Zyklus, ein verschlossener Raum, eine Zelle. Außerhalb des verschlossenen Raums liegt die Landschaft der Zeit … ein für Menschen bewohnbares Land. … Treue das Bindeglied zwischen Vergangenheit und Zukunft, das die Zeit zu einem Ganzen fügt …«

(Ursula K. le Guin, Freie Geister)

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Südwald ::: seht die sumpfige Stelle!

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pratchett ::: klima hockt in ausgedörrter ebene

»Es war nicht das übliche Wetter von Ankh-Morpork. Das Spektrum des üblichen Wetters reichte von Nieselregen bis zu Nebelschwaden, bescherte der Stadt kühle Tage und kalte Nächte. Jetzt hockte das normale Klima in der ausgedörrten Ebene und schwitzte wie eine Kröte auf einem Schamottstein. … Wind flüsterte, doch er brachte keine Abkühlung, beschränkte sich nur darauf die Hitze gleichmäßiger zu verteilen.«

(Terry Pratchett, Pyramiden)

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