parrot ::: acceptable failure, idea of travel, secret of happiness

drei Persönlichkeitsschläge

i »his air of failure had nothing desperate about it; rather it seemed to stem from an unresented realisation that he was not cut out for success, and his duty was therefore to ensure only that he failed in a correct and acceptable fashion.« ii »he didn’t really like travel, of course. He liked the idea of travel, and the memory of travel, but not travel itself. For once I agree with Du Camp, who used to say that Gustave’s preferred form of travel was to lie on a divan and have the scenery carried passed him.« iii »the secret of happiness, he told, is to be happy already.«

(Julian Barnes, Flaubert’s Parrot)

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Fotorunde ::: Silene et al. are still there | … waiting | … ready to explore 2019

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pratchett ::: Tastaturgefallen

fünf Weisheitsanschläge aus der Tastenwelt

i »ich räume lieber gleich ein, dass ich mit Magie genausowenig am Hut habe wie mit Astrologie. Ich bin nämlich von Sternzeichen Stier, und wir Stiere halten nichts von Okkultismus.« ii ein Tagblick durch ein Teleskop — »Das Universum leuchtete, es wurde auch am Tag nicht ausgeknipst! Das wusste ich zwar schon ewig, aber es war trotzdem eine Offenbarung – keine Ahnung von was oder wem oder wozu, aber egal, zu einer Offenbarung sagt man nicht nein.« iii zur Theaterumsetzung von eine Insel. »… kam ich mit vielen Zuschauern ins Gespräch und hörte nur Gutes. Selbst das ältere Ehepaar, das zugab einiges nicht ganz mitgekriegt zu haben, zeigte sich zufrieden damit, dass es eine Idee gab, die man hätte mitkriegen können, selbst wenn es ihnen persönlich nicht geglückt war.« vi »Die Unwissenheit steht bei den Menschen generell nicht hoch im Kurs, obwohl wir auf Erden das einzige Lebewesen sind, das sich wirklich damit auskennt. … Unwissenheit ist etwas wunderbares – sie ist der Zustand in dem man sich befinden muss, ehe man wirklich etwas lernen kann.« v »… wir halten die Zukunft für eine riesige Welle die uns davonträgt. Wir glauben, dass wir sie kommen sehen. Stattdessen bildet sie erst kleine Pfützen um unsere Füße und steigt uns dann ganz langsam über den Kopf, während wir mit anderen Sachen beschäftigt sind. Wir leben in einer Science Fiction Welt und merken es nicht einmal.«

(Terry Pratchett, Aus der Tastatur gefallen)

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Fotorunde ::: linden gold leaves blue sky

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Nada Surf – Let go & Nada Surf | 13.11.18 | Täubchenthal

sich selbst eröffnen

Jedes Album spannt einen Raum auf. Manche sind verworrene Traumräume. Orientierungslos, wenn auch nicht notwendigerweise unzufrieden deswegen, treibt man hindurch. Manche bilden ein Ganzes. Manche fühlen sich an wie ein zu Hause. Es sind Räume die man normalerweise mit seinem Inneren aufsucht. Und dann kann man die Let Go an einem Abend mit seinem ganzen Sein betreten, nicht nur mit dem Geist.

what it’s like, in the inside of … let go

Wir sind in der Let go. Der erste Raum in gedämmten Licht, Blizzard, beginnt allein im Dreigesang. Weitere Räume durch die nur selten, doch wohl gesetzt Zerrgeräusche flattern. Überwiegend fein säuberlich aufeinander gelegte Gesangslinien, Gitarrenwände in Regalen. Überall begleitet einen freundlicher und alle Lebenslagen verstehender Gesang. Ein Tisch über dem Fruchtfliegen kreisen, schlechtes Fernsehen, Zeit vergehen lassen. Sie sind voller Utensilien aus denen Alltag besteht, und so vertraut wie die Requisiten umgibt einen die Musik. Magie des Alltags. Das French room. Zwischen der sprühenden Lebensenergie mancher Tage, voller Gitarrenfunken und antreibendem Beat, und der verschlafenen Melancholie anderer. Regentage. Tage die zur Decke sprechen. Vorbeitreibende Satzfragmente wie an Fensterglas abperlende Tropfen aus denen sich eigene Räume spinnen lassen, erfüllt von bedeutenden Worten und magischen Momenten, die auf besondere Weise aus der Verbindung dieser Worte und der Musik entstehen, und aus Erfahrungen die uns allen gemeinsam sind.

left some food wrapped up in a plastic bag on the kitchen table way too long
i sat down to eat next to the bag i was too tired to throw it out
i saw a swarm of fruit flies i took the bag downstairs
when i came back they were still there
flying jerky patterns like snowflakes in the air
i’m sorry you’ve got nowhere to go

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Pessoa–de Campos ::: sich selbst aufräumen

»Das Leben ordnen, Regale einrichten im Wollen und Tun … das will ich jetzt, wie ich es immer schon wollte, mit dem gleichen Ergebnis; Doch wie gut, eine klare Absicht zu haben, unerschütterlich nur in der Klarheit, etwas zu tun!« … Koffer packen für das Endgültige, »und morgen genausoweit sein wie vorgestern – ein Vorgestern das ein Immer ist …

… Auch die anderen sind Romantiker, auch die anderen bringen nichts zustande, auch die anderen schauen ein Leben lang auf ungepackte Koffer, auch die anderen schlafen neben halb verfassten Papieren, auch die anderen sind ich. …

… Ich schaue auf von den Papieren, die ich nun doch nicht zu ordnen gedenke … Ich habe mich von allen Göttern losgesagt angesichts eines unaufgeräumten Sekretärs … Und meine Müdigkeit ist ein alter Kahn, der an einem verlassenen Strand verrottet, und mit diesem Bild irgendeines anderen Dichters schließe ich den Sekretär und das Gedicht.

Gleich einem Gott habe ich weder die Wahrheit aufgeräumt noch das Leben.«

(Fernando Pessoa/Àlvaro de Campos, Beinahe, in: Poesie und Prosa)

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Fotorunde ::: still there

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Abay | 25.10.18 | Werk II

The Polish Club. Rock’n'Soul & Punk in schneller scheppernder Taktung aus Australien.

Sehr schön getanzt, Güllener!

Abay. Episch, und viel zu kurz. Raumfüllend, Musik die in die Weite geht, ganz nach oben fliegt, und in das Selbst. Und in die konzertgelebte Erinnerung, ins Naumanns. Andere zerstören Songs bisweilen mit Gitarreneinschlägen und Schlagzeugrauschen, hin und wieder zerschreddern Abay wummernde postrock-Arrangements indem sie Leichtigkeit in die Songs hineinfallen lassen. Space Cold. Ja, Weltraum war auch viel. Hinter jeder Biegung, jedem Moment andere Genre, Einflüsse, Referenzen, Zitate, Postcore, Rockover, Swingpop, Indiegaze. Der Gesang der Stücke aus dem alten Album auch im Dreiklang unterlegt sehr fein. Stücke von denen eine seltsame Geborgenheit ausgeht. Marching Drums, Spannungsenergie, nicht zutreffende Erinnerung an black parade. Für ein Lied außerhalb der Verstärkung gesungen. Zu Beginn. Dirigierend. Leicht. Erhaben. Pathetisch. Verspielt. Ein bisschen emotionale Ergriffenheit bitte. Alles … abay. Das Draußen nieselt.

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geschichte ::: auf gewisse details achten

»in den unsterblichen Worten von sonstwem: Geschichte heißt einfach nur, dass eines nach dem anderen geschieht. Es sei denn Henry Ford hat das gesagt, dann streicht das bitte. Aber er war ja derjenige der gesagt hat: Geschichte ist Quatsch. Und das ist ganz und gar nicht das Gleiche. Am besten ihr streicht beide dummen und zynischen Sprüche. Die Geschichte ist der Versuch der Menschheit, die Dinge in den Griff zu bekommen. Offenbar ist das nicht so einfach. Es könnte jedoch besser laufen, wenn ihr auf gewisse Details achten würdet: wie zum Beispiel euren Planeten.«

(Kim Stanley Robinson, 2140)

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systeme ::: sich selbst experimentieren

»Wether this system works equally well for all I leave to the experimenting individual.«

(Julian Barnes, Talking it over)

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Fotorunde ::: kennst Du die Farbe

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Jaye Jayle ::: Emma Ruth Rundle | 18.10.18 | UT Connewitz

JJ. Polternd dumpfer Einsatz, sirenschwirrender darauf folgender Sound, porzellanklarklingende Klänge die gleichwohl über der Bühne zerwabern, schmirgeln, zerfließen und übereinander dringen. Durchhallende Schläge aus dem Bass. Klackernde Schlagstäbe und dumpfes Pochen. Irre aus einer synthetischen Orgel fliegende, sirrende Tonreihen, wie aus einer Gitarre gejagt und über allem die Tempi des Blues, aus dem grauen Gewebe herausschleifende Reminiszenzen an Moon Duo, im digitalen Nachhören an Portico Quartet, und durch alles der für allerlei dunkle Einflüsterungen oder Beschwörungen so geeignete Gesang von Evan Patterson und seiner backraunenden Bandkollegen. What took you so long. Aus allem ein dichtes Gewebe, zweifach Schlagwerke, Saiten, Tasten, Verzerrungen scheinen ein Raumloch zu öffnen, aus dem zusätzliche Klangteilchen aus einem anderen Universum hinzuzufließen scheinen, auf die Bühne des UT zutreiben wie auf das Zentrum einer Aggregationsscheibe. Wir wirbeln schneller mit jeder Umdrehung bis alles stillsteht. Dicht, satt, und bereit für ERR.

Einstand dieses Mal sogleich mit Bandunterstützung, wie letztes Jahr sind wieder der Sänger und der Bassist von JJ dabei, und der Schlagzeuger gewechselt. Ein vielschichtenschimmernder Metallsaitensound in dem Emma Ruths Stimme nur im eigenen Kopf zu existieren, mit allem anderen zu verschwimmen scheint. Doch in weiteren und vor allem auch älteren Stücken ist die umgebende Klangwand etwas zurückgenommen, Emma Ruths Stimme und Ausdruck klar zu hören, so berührend, herausfordernd, wiegend, empfindsam und plötzlich ausbrechend wie je, die Schlagzeugklänge deutlich herausgestellt gesetzt, und einen weiten Teil der Aufmerksamkeit hypnotisierend, wie sie die Melodie antreiben, zügeln und wieder aufscheuchen*, klirren, scheppern, pochen. Die Saiteninstrumente schwingen im Rausch von Ebbe und Flut, in Ruhe klingende weich umspielende Melodien die dann wieder von aufbauschenden Rauschen verweht werden, Sturm der durch still stehende Bäume geht. Das Bewusstsein mit Sound umspült und wohlig umfangen. Für light song wird zum Auftakt ein Bogen an den e-Saiten entlanggezogen, und die Klänge sogleich in schwappenden Krach aufgefangen, Jaye Jayle gibt dunkel seine Stimme zu.

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Pessoa–de Campos ::: alle Zeiten

»Betrachte ich den Himmel des Tages, er spiegelt den Himmel der Nacht, und dieses sphärische, konkave Universum, ich sehe es wie einen Spiegel, in dem wir leben, begrenzt, da es in seinem Inneren ist, doch mit Sternen und der Sonne, die das Sichtbare nach außen hin zerreißen, hin zum Konvexen, das unendlich ist, und dort, im Wahren, werde ich die Gestirne und das Leben aus meiner Tasche ziehen als Geschenk an das Richtige, und werde erneut im Leben lesen, wie in einem sorgsam verwahrten Brief, und dann, bei besserem Licht, den Wortlaut zu verstehen und wissen. … bewege mich diagonal zu allem aufwärts, durch alle Zwischenräume hindurch, sprenge wie Staub, der ich nicht bin, die Hülle, und gehe auf Reisen … Kehre wer weiß wie oft? zurück zum selben Punkt (was weiß wer nachts geht vom Gehen und von der Nacht?), und nehme in meiner Tasche alles Gesehene* mit – den Himmel mit seinen Sternen, und die Sonne mit all ihren Erscheinungsweisen, und alle Jahreszeiten mit ihrer bunten Farbpalette …«

(Fernando Pessoa/Àlvaro de Campos, Todesode, in: Poesie und Prosa)

* & Geschehene

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Botanisieren ::: kennst Du den Baum

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Galsan Tschinag ::: kennst Du die Sprache

… sich an Worten begeistern, bereichern, Erzählpfade, Abenteuer und Gedanken, Lebensrätsel, sprachliche Leidenschaft und Neugierde zu allem Wissen das ihm begegnet, wie er entfernte Situationen oder Dinge aufeinanderlegt und etwas Verbindendes darin entdeckt, eine beeindruckende Lebensschilderung, aus einer Zeit und einem Land verkameradschafteter Staatssysteme, Gesellschaftsbilder, die es nicht mehr gibt. Werte wie zum Stolz der eigenen Nation beitragen, und dieser irrsinnig wirkende Fleiß, wobei auch ein Stück weit nachvollziehbar, wie, wenn man einmal etwas gefunden hat, was einen glücklich macht und nicht mehr loslässt, wie es einem da immer mehr Energie gibt, und nicht weniger. Und vor allem die immer wieder aufglimmenden Sprachmomente, in denen er sondersames mit der Sprache macht, Begegnungen mit neuen Wörtern die einem sofort vertraut sind, Wörter mit Präfixen die bisher nicht miteinander bekannt waren. Und über den Worten Beschreibungen von Beobachtungen von Erkenntnissen und Verständnissen, Einsichten und Bewusstseinsmechaniken.

Schreiben von einem Selbst, das noch anfang zwanzig ist, … etwas was ich selbst vielleicht lieber nicht angehen würde … in vielem noch unwissend, beeinflusst von Ideen und Vorstellungen wie etwas zu sein hat, anstelle einfach nur zu sein. Und dabei kaum peinliche Situationen umschwimmend. Sternenhimmel, Jurten, stundenlange Reitstrecken von einer Feldforschung zur nächsten, Heizdung sammeln, Details aus der eigentlichen Feldforschung, eine Sprache die keine Schriftsprache besitzt hastig in Mitschrift irgendwie aufschreiben und nachts rekonstruieren, medizinisch reinigendes gegenseitiges Augen ausschlecken.

»… ~ .. Zeithügel, Zeitberge, Zeitwüsten, Zeitenmeere, – (Zeit über Landschaften. Metaphern hierfür wie Sand am Meer) – buchenswerte Ereignisse, der unlenksamste Laut, es blitzt durch seinen Kopf, Bilder wandern herzwärts, ungebildet heißt auch wenig verbildet, Hirngefäß, webt an seinem neuen Leben, er solle aufhören so scheißfreundlich zu sein, …

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