Okta Logue | 17.11.19 | Naumanns

Vorband. Suzan Köcher’s Suprafon sehr stimmungsvoll einstimmend. Die Atmosphäre und das Selbst entspannt sich in Reminiszenzen an Air, Au Revoir Simone, Moon Duo auch, vermeint sich im Road House, der Raum dunkel, die Bühne neblig, und auf ihr eine Band, die auch Hr. Lynchs transzendierenden Musikgeschmack wie von Traum vernebelter Wahrnehmung sehr gut treffen würde. Metallsaiten, Schellenkränze, Rasseln, Schlagbläche und wie im Traum vernommene Stimmen hallen von sehr metallhaltigen Canyonwänden wieder.

Und dann, der kleine Laden, und wie die Musik ihn ausfüllt. Im Nachhinein erinnert es an Jenniferever in der Mule. Noch mehr Nebel, ein Musiker beklagt sich dass er sein Instrument kaum noch sieht. Die Musik umschließt einen. Intensive Mimik und ebensolches Gitarrenspiel wieder untrennbar miteinander verbunden. Musik aus den 70ern aber mit glänzend neuem Klang. Wieder eintauchen in Okta Logue …

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thoreauvian ::: sich selbst zerstreuen

»Flint’s Point … ein Sapziergang zu ihm hin auf Indianerpfaden durch den Wald ist sommers wie winters eine angenehme Zerstreuung.«

(Henry D. Thoreau, Tagebuch II)

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Fotorunde ::: Jahrherbstfeld

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Fotorunde ::: residenzperlen frey

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Filmrunde ::: Royal Cinema, private communication

… Zeit für eine kleine Reise in die Vergangenheit? Die Allgemeine, und auch die Eigene? … Doku erzählen, die wir gestern im Kinostern premieristisch, mit Q&A des Regisseurs im Anschluss, bereist haben. In der anschließenden Fragerunde geht auf, dass die Doku wohl bislang nur den rumänischen Royals gezeigt wurde. Margareta, im Anschluss vom Regisseur gefragt wie sie die Doku fand, äußerte sich in etwa mit: machtvolle Eindrücke, doch sie sei sich nicht sicher ob sie gut oder schlecht für sie wäre.

Die Reise war ruckelnd und sehr laut, das kann ich Dir sagen, so ein alter Zug (alter Hut?) ist keine Magnetschwebebahn, es wurde gehupt, gequietscht, getrötet und sehr viel Nationalhymne gesungen. Geschraubt und Gehämmert. Doch der Zug durchaus noch schmuck, auch wenn man es da ganz mit der charmanten, in falscher Liebenswürdigkeit zuckersüß lächelnden Bahnangestellten halten mag, die der begeisterten Anhängerin die die Durchfahrt und den Jubelhalt plant, erklärt, ja, es ist ja gut und schön, dass es die königliche Familie ist, das respektiere sie ja auch, aber Vergangenheit sei nunmal Vergangenheit. Selten haben ich ein aufreibenderes Duell gesehen, kein Western kann da mithalten, wie zwischen diesen beiden Frauen das Lächeln hin und herschießt, und jede weicht von ihrem Standpunkt nicht ab, verteidigt ihn beharrlich und unabrückbar. Die Familie könne ja auch weiter hinten am Bahnhof halten und aussteigen.

Doch, wie der Regisseur auch nachher bedauerte, solche Positionen hat er kaum gefunden, und so wird in nüchtern der Skurrilität Raum gebenden Manier die Hr. Walte an Wes Anderson erinnerte all das beobachtet, was sich rund um die Performance der Royals so abspielt, die Verkleidungen, Uniformen, mit allerlei Gekordel und silbernen Gebamsel verziert, Hüte, Trachten mit Gärten auf dem Kopf — wie es die Hüterin der Krone meines Erachtens mit mangelnden Respekt später beim Betrachten der Fotos der Royal Train-Kampagne bezeichnet –, Ritterrüstungen, das Ausrollen der roten Teppiche an den Bahnhöfen mit unterschiedlichem Professionalitätsgrad, einer vom Organisationskomitee bemängelt der Teppich müsse noch festgenagelt oder geklebt werden, sonst wehe er ja weg, einer der Einheimischen zuckt daraufhin in universeller Geste gekonnt mit einem leichten Anheben der Arme mit den Schultern, er habe weder Hammer noch Klebeband, und man denkt sich, na, daran hätte jemand mit Organisationssalär ja auch mal vorher denken können, die so hochmoderne Marketingmaschinerie die das Produkt Monarchie neu bewirbt, mit Flyern, Give Aways, Bildbänden, Fotografien, königlichen Hoflieferantenurkunden die zeremoniell verliehen werden, vor Schulklassen, alle Damen im Dunstkreis dieser anderen Welt, die weiter weg von den Bahnhöfen, und mehr in den Weinverkostungen, Verleihungen, Kirchen und Schlössern, Flughäfen und Parlamenten spielen, sehr hochhackig, Hausangestellte die immerzu Staub wedeln, oder auch mit einer Teppichfransenbürste selbige Fransen kämmen, akribisch auszurichtende Gedecke auf langen Tischen, und Faszination in welch engem Gedränge die Bewirtung im Zug gelingt, unfassbar dass beim Tellerabtragen keine Soßenreste auf die Gäste schwappen, die Organisationsteams dieses Unternehmens Monarchie wie aus dem Businessbilderbuch geschnitten, in Besprechungsräumen, an Bildschirmen, die Fotos mit den besten Wirkungen für die Presse heraussuchend, dazwischen immer wieder der sympathisch, doch nicht nachvollziehbar königsbegeisterte junge Archivar Adrian, Geschichtlichkeit allein mag es eigentlich nicht zu erklären, der alte Kultobjekte der verflossenen Monarchie in Buchhandlungen und Privatwohnungen zusammensucht, den Besitzern aber dadurch auch ein warmes Gefühl gibt, denn jemand interessiert sich für das, was ihnen auch schon so lange so wichtig ist, der in alten Wohnungen, Kellern und Werkstädten rumkraucht, und irgendwann zu einem weiteren Höhepunkt führend, der Kronprinz, der aussieht als wäre er der Bruder von David Lynch, was den verwirrend beklemmenden faszinierend verwundernden fremdartigen Eindruck des ganzen Geschehens sehr erhöht, reist zur Einweihung einer Büste auf einem Dorfplatz, alle sind wieder traditionell herausgeputzt, Blaskapelle in historischer Uniform aber spiegelnden Sonnengläsern, und das Priesterteam, einer davon besonders bärtig, das bei der Messe irgendwie unkoordiniert wild durcheinanderspricht, huch, wir haben die Weihung vergessen, also schnell den großen Weihwasserkessel geschnappt, einmal um die Statue herum, und dann noch die Menge weihen, und sowas, ich sage Dir, mit all meiner römisch katholischen Dorfvergangenheit, so etwas habe ich noch nicht gesehen, mit einem monströs überdimensionierten Weihwasserstreuwedel schöpft er aus dem Vollen um die Menge zu besprenkeln, wo in bayrischen Landen nur so ein bisschen Wischiwaschi der Weihwasserwedel zaghaft in die Menge geschwungen wird, da wird hier die Sintflut nachempfunden, ich habe gerade noch Zeit zu denken, huch die ganzen Brillenträger, werden ja über und über nass gepritscht, da nimmt auch schon der Geistesgegenwärtigste, vermutlich Erfahrenste von ihnen, seine Brille hektisch ab – ein fulminantes Spektakel! Und ich kann mir vorstellen dass manch junger Knabe da gerne auch das Kirchenamt als Berufswunsch ins Auge visiert, wenn man da ohne dass jemand etwas dagegen sagen kann, Menschen so durchwässern und bespritzen darf.

Und weiter und immer mal wieder rattert der Zug durch weite wie verlorene Landschaften, die als Gegensatz zu den prunkvollen Interieurs und Außen der situierteren Gebäude gezeigt werden, der Blick wird einmal von einer Widescreenaufnahme des rumänischen Parlaments völlig hinweggefegt, bis er in die Nacht rattert und in den Abspann hinein. …

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more mush ::: Burgaue im Oktober

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Fotorunde ::: en tid for fungi

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thoreauvian ::: Parzellen und Rabatten des Waldes

in der Zeitenwende vom Jägerdasein zum Gartendasein. »Gärtnern ist zivilisiert und gesellig, doch fehlt ihm die Kraft und die Freiheit des Waldes und des Außenseiters. … die heldenhaften Wege sind rau und in anderer Hinsicht zurückgezogen, und wer sie betritt studiert seine Parzellen und Rabatten in den Sternen …«

(Henry D. Thoreau, Tagebuch II)

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Fotorunde ::: en tid for elven

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Fotorunde ::: Palmengarten

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Fotorunde ::: grün im Rosental!

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thoreauvian ::: wachstum beziffern

»Warum sollte das Gegenwärtige uns so viel aufbürden? Ich sitze jetzt auf einem Baumstumpf dessen Jahresringe Jahrhunderte des Wachstums beziffern.« … und sogar der Boden selbst besteht aus diesen Stümpfen. Sein Stock stößt viele Äonen in die Oberfläche. Das Quaken der Frösche scheint ihm älter als der Schlamm Ägyptens. Ein fernes Rebhuhn hört er auch, das auf einen Baumstamm trommelt. Als wäre es der Pulsschlag der Sommerluft.

(Henry D. Thoreau, Tagebuch II)

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Sprache ::: graue Vorzeit bis Vorstadt, zu viele Vorstellungen

»Die Sprachmaschine gestattet es so ziemlich jedem – vom prämodernen Jäger in grauer Vorzeit bis hin zu postmodernen Intellektuellen in grauer Vorstadt –, diese bedeutungslosen Laute zu einer unendlichen Vielfalt subtiler Bedeutungen zu verknüpfen, und das alles anscheinend ohne die geringste Mühe.«

Frage nach Zeitpunkt des Ich-Tarzan-Stadiums der Sprache? »vor 40000 Jahren, vor 100000 Jahren oder sogar noch früher? Davon hat unglücklicherweise kein Mensch eine Vorstellung (oder genauer gesagt, allzu viele Leute haben davon allzu viele Vorstellungen).«

(Guy Deutscher, Die Evolution der Sprache)

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knausgård ::: batrium, inne & ute

»… helt fra jeg var liten hadde jeg vært fascinert av forholdet mellom inne og ute, når det som skulle være inne var ute, og omvendt. Et av det mest hypnotiske minnene jeg hadde var den gangen jeg og Geir hadde kommet over en kjeller i et halvferdig hus som var full av vann. … vann, inne

(Karl Ove Knausgård, Min Kamp 5)

… mehr Backstein

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Fotorunde ::: beetlemania bürgerbahnhof

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