Botanisieren ::: kennst Du den Baum

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Galsan Tschinag ::: kennst Du die Sprache

… sich an Worten begeistern, bereichern, Erzählpfade, Abenteuer und Gedanken, Lebensrätsel, sprachliche Leidenschaft und Neugierde zu allem Wissen das ihm begegnet, wie er entfernte Situationen oder Dinge aufeinanderlegt und etwas Verbindendes darin entdeckt, eine beeindruckende Lebensschilderung, aus einer Zeit und einem Land verkameradschafteter Staatssysteme, Gesellschaftsbilder, die es nicht mehr gibt. Werte wie zum Stolz der eigenen Nation beitragen, und dieser irrsinnig wirkende Fleiß, wobei auch ein Stück weit nachvollziehbar, wie, wenn man einmal etwas gefunden hat, was einen glücklich macht und nicht mehr loslässt, wie es einem da immer mehr Energie gibt, und nicht weniger. Und vor allem die immer wieder aufglimmenden Sprachmomente, in denen er sondersames mit der Sprache macht, Begegnungen mit neuen Wörtern die einem sofort vertraut sind, Wörter mit Präfixen die bisher nicht miteinander bekannt waren. Und über den Worten Beschreibungen von Beobachtungen von Erkenntnissen und Verständnissen, Einsichten und Bewusstseinsmechaniken.

Schreiben von einem Selbst, das noch anfang zwanzig ist, … etwas was ich selbst vielleicht lieber nicht angehen würde … in vielem noch unwissend, beeinflusst von Ideen und Vorstellungen wie etwas zu sein hat, anstelle einfach nur zu sein. Und dabei kaum peinliche Situationen umschwimmend. Sternenhimmel, Jurten, stundenlange Reitstrecken von einer Feldforschung zur nächsten, Heizdung sammeln, Details aus der eigentlichen Feldforschung, eine Sprache die keine Schriftsprache besitzt hastig in Mitschrift irgendwie aufschreiben und nachts rekonstruieren, medizinisch reinigendes gegenseitiges Augen ausschlecken.

»… ~ .. Zeithügel, Zeitberge, Zeitwüsten, Zeitenmeere, – (Zeit über Landschaften. Metaphern hierfür wie Sand am Meer) – buchenswerte Ereignisse, der unlenksamste Laut, es blitzt durch seinen Kopf, Bilder wandern herzwärts, ungebildet heißt auch wenig verbildet, Hirngefäß, webt an seinem neuen Leben, er solle aufhören so scheißfreundlich zu sein, …

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Brutus ::: Chelsea Wolfe | 7.8.18 | Werk II

Verdichtung von Temperatur & Schall

Wahrnehmungen können sich durch diese Temperatur nur verschwommen an den Geist klammern. Das Sein hatte einen anderen Aggregatzustand erreicht. Es war höchster Sommer und nur erschöpfte Aufzeichnungen haben es durch die Umgebungstemperaturen in das Gedächtnis geschafft, sodann verblichen durch die Zeit, doch Intensität und Wucht beider Bands wummern ungebrochen aus der Vergangenheit und hallen an das Jetzt an.

Brutus. Wie bei Virginia Woolfs Vorgehen beim Leuchtturm könnte es sich bei allen Stücken von Brutus um einen Prozess immer weiterer Verdichtung handeln. Sie verdichten ihre Emotionen und geben sie in reduzierten eingängigen Lyrics, weit ausschwingenden Rufgesang, jede Menge Bass, Blech, Beschleunigung und sich auftürmenden Wänden aus schwingenden Saiten, in die sich der eine der beiden Jungs ordentlich reinkniet, während der Gitarrist eher statuesk seine Melodien schrammt, derart komprimiert weiter, dass sie nur noch aus Energie zu bestehen scheinen. Schlagzeugpräsenz. Singalong. Dazwischen zarte Melodieeinsprengsel, die weiche und so weit reichende Stimme. Der Anfang, ein schlurchzendes waberndes ziehen, zerren, als käme gleich Godspeeds Vorbandmann mit dem universalen Waschgang auf die Bühne. Ein Schlagzeugmoment in dem der Drumstick auf der Trommel nachfedernd belassen wird, und einen kleinen versackenden Wirbelton verebben lässt. Oder die leicht versetzten Schläge mit beiden Händen. Alles großartig. Unbekannte neue Stücke die das Album herbeisehnen. Brutus, wann sehen wir uns wieder?

Chelsea. Sakral, elegisch, perfekt abgemischt, dreschende, drillernde, dröhnende, verzerrte Drumbeats, musikalische Kompressionskammer. Hoher, immer höherer Gesang. Immer gewaltigerer Sound. Momente in denen sich über der Hautoberfläche Kälteempfinden einstellt durchziehen die Hitzekammer. Was genau so oder anders im Erleben vor sich geht, mag bereits beschrieben stehen.

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on the fly ::: Schmetterlingshaus im botanischen Garten

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Septembexkursionen ::: no moor / Presseler Heidewaldmoorgebiet

»keine gewöhnliche Insel … ein Ort mit merkwürdigen Eigenschaften. Wer dort ankommt wandert allezeit allein durch Wald und Feld und trifft nie eine Menschenseele. In einer Mondnacht oder kurz vor einem Gewitter mag er gelegentlich ahnen, dass er Nachbarn hat. An den meisten Tagen aber erlebt es jeder Wanderer so, als sei er der Einzige. …«

»Seltsam war das – als kehrte ich an den Schauplatz eines früheren Lebens zurück. … Kann es sein dass ich als kleiner Junge hier war, zu jung, um zu wissen, wo ich bin, aber alt genug, um diese Bilder zu behalten? Die Bäume und das Moor hier, sogar der Himmel scheinen an irgendeiner versunkenen Erinnerung zu rütteln.«

(Kazuo Ishiguro, Der begrabene Riese)

… more no moor

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Botanik am Wegesrand ::: nachtschattenbezaubert

»Der Name Nachtschatten (althochdeutsch nahtscato, mittelhochdeutsch nahtschade), der heute als Gattungsname der Solanum benutzt wird, bezeichnete ursprünglich nur die Art des Schwarzen Nachtschatten. Die Namensherkunft ist ungewiss, kann einerseits auf die schwarzen Beeren der Pflanze, andererseits auf die Wirkung der Pflanze (Schatten in der Bedeutung Schaden) zurückgeführt werden.«

(Zitat aus wikipedia)

… mehr Wegesrand

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Pessoa–de Campos ::: ausufernde angelegenheiten

»Pflichten haben, welch ausufernde Angelegenheit! Jetzt muss ich um fünf vor eins am Rossio-Bahnhof sein, oberer Bahnsteig – Verabschiedung des Freundes, …. Süd-Express …. ich muss dort sein, und glauben Sie mir, die Anspannung ist im voraus so groß … nähme er doch zum Teufel, mein Leben mit, wenn er entgleist! …!«

(Fernando Pessoa/Àlvaro de Campos, Pflichten haben, in: Poesie und Prosa)

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Septembexkursionen ::: suedwald see sheep

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Fotorunde ::: alpine colour kvelder

»… doch was immer sie denken mochte, wenn sie es fasziniert beobachtete, hypnotisiert, als striche es mit seinen Silberfingern über irgendein versiegeltes Gefäß in ihrem Hirn, dessen Zerspringen sie mit Freude überfluten würde, sie hatte Glück gekannt … intensives Glück, und es versilberte die rauhen Wellen ein wenig leuchtender,

in dem Maße wie das Tageslicht schwand und das Blau aus dem Meer wich

… und die Verzückung sich in ihren Augen brach und Wellen reiner Freude über den Grund ihres Bewusstseins jagten und sie fand, Es ist genug! Es ist genug!«

(Virginia Woolf, der Leuchtturm)

… mehr schwindende Farbe

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Traumthesen ::: lyrics and dreams as poetry beyond analysis

»It’s part reality and part fantasy but I’m always in the song as a witness. [...] You know how when you dream something you can see something change into something else and it’s illogical when you examine it in the morning. [...] That’s why I’ve never analyzed the lyrics to the song. They’re beyond analysis. They’re poetry.«

(Don McLean über American Pie, nach Popsongs und ihre Hintergründe)

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hjemmehage ::: la vie en paprika

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watts ::: mit sich selbst sprechen

»… emergente Komplexität, wurde ihm klar. Das meint sie. Ein Neuron wusste nicht, ob es auf einen Geruch oder eine Sinfonie reagierte. Hirnzellen waren nicht intelligent — das waren nur Gehirne. Dabei bildeten Neuronen noch nicht einmal die unterste Ebene. Die Ursprünge des Denkens reichten tiefer, bis zu den Zeiten als noch kein vielzelliges Leben existiert hatte. Schon Kragengeißeltierchen kannten Neurotransmitter, Kaliumionenkanäle gab es bereits bei Monosiga. Ich bin eine Kolonie von Mikroben, die mit sich selbst spricht …«

(Peter Watts, Echopraxia)

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Pessoa–de Campos ::: seelen urlaub seltsam

»Das Leben an Bord! Jeder neue Tag bricht neuer an und anders als jeder Tag an Land.«
Kräne, Geräusche, »Energie der Dinge«. »Melodie für meine Seele, die angesichts des Wirklichen das Wirkliche verliert und verfehlt … ist die Zeit eine andere Zeit, ist der Raum von einer anderen Weite, und jede Küste die auftaucht, ist ein anbrechender Tag und zärtlich vor Leere der Blick, der die Unermesslichkeit umfängt und nichts besitzt, und das Atmen der Luft []«

(Fernando Pessoa/Àlvaro de Campos, ah seltsam, in: Poesie und Prosa)

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woolf ::: still selbst sein

»Denn jetzt brauchte sie über niemanden nachzudenken. Sie konnte sie selbst sein, allein sein. Und das war es wonach sie jetzt oft das Bedürfnis verspürte — nachzudenken; nein, nicht einmal nachzudenken. Still zu sein; allein zu sein. All das Sein und Tun, das raumgreifende, glitzernde, vernehmliche, verdunstete; und man schrumpfte, mit einem gewissen Gefühl der Feierlichkeit, darauf zusammen, man selbst zu sein … dieses Ich, das seine Bindungen abgeworfen hatte, war frei für die seltsamsten Abenteuer. Wenn das Leben für einen Augenblick Ruhe gab, schien die Reichweite der Erfahrung grenzenlos. … wenn man seine Persönlichkeit einbüßte, büßte man auch die Hektik, die Eile, die Unruhe ein; und dann drängte sich jedesmal ein Ausruf des Triumphierens über das Leben auf die Lippen, wenn die Dinge sich in diesem Frieden, dieser Ruhe, dieser Ewigkeit zusammenfügten.«

(Virginia Woolf, der Leuchturm)

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Pessoa–de Campos ::: wohl über Gülpe und Umgebung

»alles wie durch den Kinematographen eines Lichtspieltheaters von der Größe des Universums, in dem man wüsste, dass, tritt man nach Ende der Vorstellung auf die Straße, kein Haus da ist in das man zurückkehren könnte … wohl aber die absolute Nacht …

… Tiefe und religiöse Einsamkeit des unendlichen Universums, gewaltige Weite, nicht breit, nicht hoch, nicht lang, reiner Raum nur, der Raum dieses schwarzblauen und gestirnten Mysteriums, in dem die Erde ein Ding ist, und die Leben wie Barkassen an der Wasseroberfläche scheinen … Sonnenstrahlen, die durch das halboffene Fenster in das Zimmer des Landhauses fallen, Mittage auf verlassenen Tennen, späte Nächte für Begegnungen an anderen Ufern, macht unser natürliches Gelingen zu einer Ruhe, einem Umhang, und senkt euch über meine Seele … ihr schlummernden, brachen Fluren, ihr ruhig durch eine Unruhe fließenden Flüsse, ihr an Nachmittagen besuchten Parkanlagen, ihr Teiche der Landgüter, ihr Kamine in Herrenhäusern, und als hechelnder Atem schwarzer Seide die Stille der Nacht.«

(Fernando Pessoa/Àlvaro de Campos, mit gepackten Koffern, in: Poesie und Prosa)

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