Petula ::: Me and My Drummer | 4.06.16 | Parkbühne Geyserhaus

Die Vorband Petula besteht aus einem optisch sehr an Kristofer Åström erinnernden Typ, der ein Shark-T-Shirt trägt. Die Musik gitarrenschwer von Elektronik unterwandert, und das gefühlvoll geloopte Gesamtarrangement bildet mit beeindruckender Wucht einen ausfüllenden Freiraumklang.

Der Gesang dehnt sich von sanften Songwritertönen über kopfhoch exaltiert bis vollkommen Twin Peaks-geflippt, dazu ausschweifende Gestik die an die hohe Schule David Eugene Edwards reicht. Wenn man White Whine gesehen hat, dächte man, das ausgeflipptest Mögliche gesehen zu haben. Doch die Erde ist groß. Ein Erinnerungshauch Muse, Roman Fischer. Und Helge.

Wie immer von der schlafwandelnd sicheren, wie beiläufigen Präzision sich selbst loopender Künstler beeindruckt. Ein abschließender Dank geht nicht nur an die Hauptband, das Team und die Veranstalter, sondern auch an all jene die ihm vorher beim Joggen durch den Park zugewunken und angefeuert haben. Der Abgang wird durch die sich nicht öffnende Tür in der Bühnenmitte erschwert, und sogleich stilistisch durch sich seitlich davonschleichende Pantomime gerettet. Ein gewisser Andrang am dort befindlichen Merch-Stand zeugt von entfachter Begeisterung.

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Spain | 24.05.16 | Werk II, Halle D

Dehnt sich in einem leider viel zu menschenleeren Raum Musik um so weiter aus um alles auszufüllen? Es gelingt ihr jedenfalls im Fall von Spain. Die einzeln verteilten Barhocker, an einem jedem ein Pärchen sitzend, die Dunkelheit des leicht rauchnebligen Raumes, und die sehr reduzierte und damit bewegend klare und weiche Musik verbinden sich zu einer zur Ruhe gekommenen, beinahe stillstehenden Szenerie, in der jede Schwingung einzeln in den Fokus zu gleiten scheint, jeder Ton umso intensiver bewundert werden kann, und das Staunen über die Perfektion der Musiker von dem geborgenen Glück umhüllt wird, dass die in ihrer vielschichtigen Schlichtheit strahlende Schönheit der Musik in einem zum klingen bringt.

Das Gefühl erinnert manche an Dirty Old Town, andere glänzen mit einer Vorstellungskraft der es gelingt sich Cake ohne Trompete vorzustellen. Zwei Beschreibungen einer Musik die nur leicht an etwas rühren können, was vollkommene Musikhingabe ist. Die meist sehr ruhig abgestuft gesetzten Bassläufe, die sich dann hin und wieder in eine kleine Melodie einfinden, klar akzentuiertes und sich variierendes Geschehen an der Gitarre, das hin und wieder ein bisschen Unruhe und Dissonanz in das melodiereine Gefüge setzt, im jazziges Gegenspiel zum Schlagzeug auf dem viel gezimbelt wird, und über all dem die Stimme eines Erzählers, erzeugen traurige Melancholien und mitreißenden Drive, Scheppern, elektronisch verstärkten Saitenlärm und gemäßigt wild durcheinanderflirrenden Krach der wattig weich aufgefangen wird. Und all das durchwringt vom Blues.

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Einar Stray Orchestra | 11.05.14 | UT Connewitz

Aus der trauben Samtalen zieht sielsches Band um Vogelgezwitscher die wissdurstige Merksamkeit ogen Bühne.* Sonocheben der supporten vil Musik zuckrigsüßer franziler Klang eines dänischen Stimmbandes, der sodanngleich in skand’auneschen Koloratheresen verschwaundet wie eine Haillusination. … Ist dwis eine elektrinsische Zahnbürste ram Drum Pad?

Mennesken Einar Stray Orchestrålend erströmen UTene Bühne. Tre Musik stürmt ein. Wiewucht. Klas Schlagwerk klungt auf urmittelbahnste Weise unpluggen. Thrasymachos bund folgende Weisen dunnern sich wiemitten Kiespapier angeschmiergelt kornd angeraut heran. Es kelingt herfavorragend. Wieminner scheinen wievolle Lieder liebleicht vermändert, varsonifiziert, justiriliert, dawasimachs Zuhörungen durchs spannweitenden rund rätselnem Erlebsten.

Neuder Bassmann oftzwar ninchs Gehörsch dam Anderende in bühnerelation zuunserstem Hörstand punkt, doch er hellheitert glee Stimmung währweiles Zwischenplänkels er geseintes Repertitorium andeutschen Sprächen zu Späßten siebt.

Culminus in »läuft«.

Dinzwidritte Violinistin füngt sich älsware sien schimmer teilsen kuns beklanggeistert bühnenreich. Merinnungen ans feenglanze Singe dersten Violanstimne. Anüberwältigend wiedauernde Begeistung besonderings Wandlunuancen drineinander schönstimmfließender Blumengebinde.

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PGI | classification is not for sissies, here you are, homo sapiens

Lebewesen  .  Domäne > Eukaryoten (Eukaryota)  .  Vielzeller (Metabionta) **  .  ohne Rang > Amorphea (Amorphea)*  .  ohne Rang > Opisthokonta (Opisthokonta, gr. für hinterpolig wg. der Geißel)  .  ohne Rang > Holozoa (Holozoa)  .  ohne Rang > vielzellige Tiere (Metazoa, gr. »danach Tier«)  .  Abteilung > Gewebetiere (Eumetazoa, auch Echte Vielzeller)  .  Unterabteilung > Bilateria (Bilateria, bilateral symmetrisch aufgebaute Gewebetiere)  .  Überstamm > Neumünder (Deuterostomia)  .  Stamm > Chordatiere (Chordata)  .  > ohne Rang > Notochordata (Notochordata)  .  Unterstamm > Wirbeltiere (Vertebrata)  .  Überklasse > Kiefermäuler (Gnathostomata)  .  Reihe > Landwirbeltiere (Tetrapoda)  .  ohne Rang > Amnioten  .  ohne Rang > Synapsiden  .  Klasse > Säugetiere (Mammalia)  .  ohne Rang > Theria (Theria)  .  Unterklasse > höhere Säugetiere (Eutheria, manchmal trotzdem sehr niedrig)  .  Überordnung > Euarchontoglires (Euarchontoglires)  .  Ohne Rang > Euarchonta (Euarchonta)  .  Ohne Rang > Primatomorpha (Primatomorpha)  .  Ordnung > Primaten (Primates)  .  Unterordnung > Trockennasenprimaten (Haplorrhini)  .  Teilordnung > Affen (Anthropoidea)  .  ohne Rang > Altweltaffen (Catarrhini)  .  Überfamilie > Menschenartige (Hominoidea)  .  Familie > Menschenaffen (Hominidae)  .  Unterfamilie > Homininae (Homininae)  .  Tribus > Hominini (Hominini)  .  Gattung > Homo (Homo)  .  Art > Mensch (Homo sapiens, Selbstbezeichnung)

Notate  Was ich an dieser ganzen Feinteilung vor allem nicht begreife, ist, warum man nicht schon bei den Trockennasenprimaten aufgehört hat, alles weitere unbedingt auseinanderhalten zu müssen. Und in eingedenk der heutigen teils niedriggradigen Bedingungen durchaus mit nichten trockener Nase, im Zweifel ob den werten Kollegen Wissenschaftlern an dieser Abzweigung kein bestimmender Irrtum unterlaufen ist.

* ein Taxon das zu den Eukaryoten gestellt wird, was auch immer das genau in der Bedeutung ausmacht.
** (hier geht es nicht direkt weiter)

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thoreauvian ::: bewundernde Seele

»So ist Schönheit immer – weder hier noch da, jetzt oder einst, weder in Rom noch in Athen, doch stets dort, wo es eine bewundernde Seele gibt. Wenn ich sie anderswo suche, weil ich sie zu Hause nicht finde, wird meine Suche sich als sinnlos erweisen.«

(Henry D. Thoreau, Tagebuch I)

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m.o.n.d. ::: anheulen und nicht verstehen

»… wo die Gebrauchtwarenhändler ihr mit Autos übersätes Territorium markierten, einen Mond anheulten, den sie nicht verstanden, was allerdings genau genommen keiner tat, …«

(Joseph Fink & Jeffrey Cranor, Willkommen in Night Vale)

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Botanisieren ::: Spätfrühling Querco-Ulmetum minoris Auwald

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Sammlung Traumthesen ::: geduldeter Wahnsinn

»Jackie wachte verwirrt auf, wie üblich. Schlaf ist verwirrend. Träume sind rätselhaft. Die Idee des Übergangs von einer vermeintlichen Realität in eine andere ist geduldeter Wahnsinn.«

(Joseph Fink & Jeffrey Cranor, Willkommen in Night Vale)

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AnnenMayKantereit | 26.04.16 | Haus Auensee

Das ausverkaufende Publikum unterscheidet sich in kaum wahrnehmbaren, schwer zu benennenden Details vom Publikum MaryLinMansons. Doch irgendetwas wirkt anders am Haus Auensee.

AnnenMayKantereit auf der Bühne, irgendwo da unten, da vorne. Der Stimmklang aus dem Mikrofon klingt erst verwaschen dumpf, doch scheint sich bald entweder zu verbessern, oder das Gehör und -hirn nimmt die übliche Tätigkeit des Gestaltens der Wirklichkeit auf. Denn, nicht zuletzt wegen der Stimme, sind Gehör wie -hirn heute abend hier. In wenigen Stücken wird die mögliche Niedrigstfrequenz der Stimme ausgelotet, ein klein wenig rau, wie auf hoher See. Doch selbst wenn die Gestaltung einiger Textzeilen einen verbrauchten, dreckigen Klang anvisieren sollte, so klingen AnnenMayKantereit immer wie die gutaufgelegten und von Grund auf sympathischen Jungs, die sie vermutlich sind, als wären wirklich finstere Abgründe im eigenen Innern ihrem Wesen nach nicht möglich.

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Botanisieren ::: Spätfrühling Festuco-Brometea-Klassenmagerrasen

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m.o.n.d. ::: optische Täuschung

»Der Mond ist eine von den Weltmeeren verursachte optische Täuschung, dachte das Haus.«

(Joseph Fink & Jeffrey Cranor, Willkommen in Night Vale)

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Doom over Leipzig | 15.04.16 | UT Connewitz

Regennasses Sonnenleuchten funkelt in den Bäumen eines sonnigen Aprilabends. Am Hauptbahnhof besteigen Graf Dracul und seine hochgeschätzte Gattin Linie 11. Am Himmel vereinzelte tiefblaue Wolkenflecken auf weißem Flaum.

Addaura. In den vorab gehörten Soundcloud-Beispielen sehr anschmiegsamer Krach. Live sehr lauter Krach. ::: Thaw erfreuen mit polnischem Soundcheck. Im Stück bleepst, klackerts, hämmerts und driepst es gehörig, und all das bleepsen, hämmern, driepsen und klackern wird immer mal wieder von homogenen Lärm zugedeckt. Rotes Stroboskopleuchten scheint träger als andere Wellenlängen. ::: Dead to a dying World im Soundcheck. Der Sänger grölt in sein Mikrofon. Danach überwuchtet ihn die kleine zierliche Sängerin mit ihrem Schrei, bei dem man sich instinktiv nach Deckung umsieht. ::: Cult of Luna …

… M.O.N.D. Das bedeutet Luna. Die Bühne ist zunehmend in lunaren Nebel gehüllt, den langsam ein bläuliches Leuchten durchdringt. Die aufmerksame Seele ist an einem Ort angekommen an dem sie verweilen kann. Sternengefächerte Lichtstrahlen zerdrehen die Bühne, im Wechsel mit wirbelnden Lichtkegeln. Und die Musik gleitet hindurch, und schwappt heran an die Gestade der Müdigkeit. So müde wie in den Zeiten von Isis …

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Laura Mardon ::: Walt Hamburger ::: Yotam ::: Joey Cape | 31.03.16 | Werk II D

This life is strange. It steals away | Attained to wealth and wisdom | Misread in fatalism | This life is strange. A measured mess | Of miles ran and junk possessed | This life is strange. It fails to entertain | A vain attempt. The dull escape. || Joey Cape, This Life is Strange ||

Vier Menschen mit goldenem Herzen und Gitarre auf der Bühne. Laura Mardon mit leuchtend seidiger Stimme und Melodik. Walt Hamburger mit durchschlagender Verve und ungestümer Frohnatur die sich in meist selbstbewitzelndem Humor äußert. Yotam Ben Horin mit Texten von denen viele im schönen Zwischen der Vergänglichkeit des Lebens angesiedelt scheinen. Und Joey Cape, der Mann der eines der traurigschönsten Alben voll Erkenntnis und darin eingehülltem Lebensglück geschrieben hat, in dem sich Worte, Musik und seine Stimme zu etwas verbinden, dass sich unmittelbar, wie durch einen Regentropfen verzerrt und vergrößert, wie das Leben selbst anfühlt.

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Wortgrund ::: Sammelsurium

Das niederdeutsche sammelsur bedeutet so viel wie «saures Gericht aus gesammelten Speiseresten« und wurde ab dem 18. Jhd nur noch mit abfälligen Unterton für «ekelhafte Gemüsemischungen« (!) verwendet, wie ich soeben nachgelesen habe. Ich bin froh dass sich die Bedeutung des Wortes nochmals gewandelt hat, so dass es nun für alles unsystematisch Gesammelte Verwendung finden kann. Bei -ium handelt es sich um ein typisches scheingelehrtes (!) Suffix das hauptsächlich bei norddeutschen Studenten Verbreitung fand. [wikipedia]

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Botanisieren ::: Calendula 2015 — call to Spring! jump to Summer …

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