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thoreauvian ::: zum leben erwachen

»in welchem Augenblick auch immer wir zum Leben erwachen, wie ich jetzt heute Abend, nachdem ich am Ufer entlangspaziert war und manchen Abendgeräuschen gelauscht habe (die schon ehemals gehört wurden), scheint es, dass ich direkt unter der Oberfläche geschlafen habe … Alle Handlungen und Gegenstände und Ereignisse verlieren in dieser Stunde ihre fest umrissene Bedeutung – in der Helligkeit des Anblicks – wie wenn manchmal das reine Licht das die untergehende Sonne begleitet auf die Bäume & Häuser fällt, ist das Licht selbst das Phänomen – und kein einziger Gegenstand ist für unsere Bewunderung so klar wie das Licht selbst ….«

(Henry D. Thoreau, Tagebuch II)

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knausgård ::: prosa å hvile i, hvorfor handlinger?

»jeg likte den, selv om det ikke var noen handling i den … men langsomt vinner han over landskapet, eller landskapet over ham … Jeg tenket at prosaen var noe man kunne hvile i, slik at man kan hvile i et sted, under et tre eller i en stol i en hage, og at det hadde en verdi i seg selv. Hvorfor skulle man egentlig skrive om handlinger? …

… Hva var beskrivelsen av en far mot en beskrivelse av et tre på en eng? Beskrivelsen av an oppvekst mot beskrivelsen av en skog sett fra en høyde? Hadde jeg bare kunnet beskrive en skog fra en hoyde! ….«

(Karl Ove Knausgård, Min Kamp 5.
Om Sir Vidiadhar Surajprasad Naipaul, The Enigma of Arrival)

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thoreauvian ::: zur Saumseligkeit erwachen

»es gibt Augenblicke in denen alle Sorge und ständige Plackerei aufhören müssen angesichts der unendlichen, ausgedehnten Saumseligkeit der Natur. An einem drückend heißen Tag – ausgestreckt auf dem Deck seines Fahrzeugs, treibt der Bootsmann auf den trägen Wassern, und die Stimmung der Natur selbst zwingt ihn zum Nachdenken.«

(Henry D. Thoreau, Tagebuch II)

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roger ::: morphologisches memento, flora der vergangenheit

»Die Wiesen, die hier nicht mehr existieren, die üppigen, wilden, mit Hunderten verschiedener Pflanzenarten, die Mischwälder, die verstrüppten, die verschwindenden, deren Unterholz gekämmt und dann beseitigt worden ist, die morphologische Vielfalt der Blattformen, Stämme, sie sind die Antiquitäten der Naturlandschaften, die Flora der Vergangenheit, und während wir es wissen, beginnen wir die Pflanzen bereits im Prozess ihres Sterbens zu betrachten, als Exemplare einer Spezies, die noch da ist, den eigenen Abschied aber schon angekündigt hat.«

(Roger Willemsen, Der Knacks)

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streumen ::: an all diesen stellen das glück

»… an genau dieser stelle versickert das glück. zu retten bleibt nur was aufgeführt ist im inhaltsverzeichnis der see, der halde versandeter wälder: hühnergötter zu finden bringt glück!! hühner zu finden nicht, tote vögel finden nicht, löcher zu finden schon … auch bernstein, blutproben alter bäume, nur die einschlüsse guter, surrender träume niemals zu finden. im schlick nie mehr kronen, echsen, nie ein stück wind.«

(Ulrike Almut Sandig, Streumen)

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knausgård ::: waldgefüllt

»solen flommet over det skogfylte landskapet … elvene glittret, bladene i lovtrærne blinket … spillet av lys og farge … jeg stod lenge inntil vinduet og så på detaljene i landskaept som kontinuerlig forsvant … de nye som hele tiden kom rennende … det eneste som ikke forandret seg var jernbaneskinnene vi fulgte … og de to punktene av gjenskinn fra solen som hele veien lå på dem og skimret. Det var et merkelig fenomen. … byen rundt meg var nedsenket i den døsigheten som bare sensommerettermiddager kan frambringe.«

(Karl Ove Knausgård, Min Kamp 5)

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thoreauvian ::: Fluss & Psyche, Karytiden, keine Hirngespinste

»Wir passierten einen Mann der am Ufer mit einer langen Rute aus Birkenholz angelte und einen Hund an seiner Seite hatte – sie standen wie Karyatiden unter dem Sonnengewölbe. …«

Langsame Zweifel ob der Fluss einem so feinfühligem und sich leicht übersteigenden Naturell wie Herrn Thoreau über die Dauer einer mehrtägigen Bootsfahrt zuträglich ist. Durch ihr nahes Rudern vertreiben sie sein Anglerglück auf unbestimmte Zeit. Doch noch weit entfernt steht der Angler noch immer unbeweglich,

»als der einzige Gegenstand, der auf der weiten Au dem Auge Abwechslung bot. … er und sein Hund! (es war ein vorzüglicher, bedächtiger Hund) möge es ihnen wohlergehen. Ich denke dass wir uns wiedersehen. Er war für mich kein Hirngespinst.«

(Henry D. Thoreau, Tagebuch II)

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knausgård ::: stadtlande

»… var det med en mild og ikke uvennlig nervøsitet i kroppen, ja, jeg følte meg lett og fin der jeg gikk, det var noe med solen som skinte, livet i gatene rundt meg … sa jeg at det vokste lange gresstrå i enden av asfalten og … noen nakne små fjellknauser mellom husene, det knyttet byen an til de ville fjellene rundt, og til havnet nedenfor, … at byen var en del av landskapet, ikke var noen eget …. sendte en strøm av gode følelser gjennom meg. Regnet falt overalt, solen skinte overalt, alt hang sammen med alt.«

(Karl Ove Knausgård, Min Kamp 5)

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thoreauvian ::: Wahrheit & Kokosnuss

»Trotz des unerklärten Geheimnisses der Natur, betreibt der Mensch seine Studien immer noch mit Zuversicht, immer bereit, das Geheimnis zu packen, als wäre die Wahrheit bloß enthalten und nicht vorenthalten – wie einer der drei Ringe an der Kokosnuss so weich ist, dass man ihn mit einem Dorn durchstoßen kann, und der Reisende dankbar ist für die dicke Schale, die so sicher die Flüssigkeit barg.«

(Henry D. Thoreau, Tagebuch II)

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pratchett ::: sich selbst sehen

»doch Hilta kicherte wie jemand, der gründlich über die Welt nachgedacht und den Witz darin gesehen hatte.«

(Terry Pratchett, Erbe des Zauberers)

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free in, June ::: wald nie weit

»der Wald von Ajer Manteior bot mir so viel Interessantes, dass ich nicht das Bedürfnis verspürte, mich weit vom Haus zu entfernen.«

(Odoardo Beccari, Entdecker der Titanwurz in: Stefano Mancuso, aus Liebe zu den Pflanzen)

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free in, June ::: ruhe nie reise, entschlossen das nichts erreichen

am Vorabend »einer nie stattfindenden Reise. Muss man zumindest muss keine Koffer packen, noch auf Papier Pläne machen, die unfreiwillig einhergehen mit Vergesslichkeit, für den noch freien Teil des folgenden Tages.

Man muss nichts tun am Vorabend einer nie stattfindenden Reise.

Große Ruhe, da es nicht einmal mehr etwas gibt, weshalb man ruhig werden müsste! … Große Gelassenheit, … da zu allem Überdruss, der Überdruss vergangen ist, und man entschlossen das Nichts erreicht hat. Große Freude, da man nicht fröhlich sein muss wie eine verkehrte Gelegenheit.«

(Fernando Pessoa/Àlvaro de Campos, am Vorabend, in: Poesie und Prosa)

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thoreauvian ::: sich selbst hüten

»Heutzutage hüten sich die Schafe meistenteils selbst.«

(Henry D. Thoreau, Tagebuch II)

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thoreauvian ::: wiederholtes schielen unter die lider der zeit

»Obwohl ich alt genug bin, um herausgefunden zu haben, dass die Jugendträume in diesem Stadium des Daseins nicht zu verwirklichen sind, denke ich doch, dass es das nächstgroße Glück wäre, unter die Lider der Zeit zu schauen und das Vollkommene unverwandt zu betrachten, und zwar mit der klaren Einsicht, dass ich es nicht erlange.«

(Henry D. Thoreau, Tagebuch II)

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thoreauvian ::: na–unna, türlich

»Wir hören oft den Ausdruck natürliches Leben des Menschen – wir sollten eher das unnatürliche Leben des Menschen sagen.«

(Henry D. Thoreau, Tagebuch II)

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