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Pessoa–de Campos ::: sich selbst aufräumen

»Das Leben ordnen, Regale einrichten im Wollen und Tun … das will ich jetzt, wie ich es immer schon wollte, mit dem gleichen Ergebnis; Doch wie gut, eine klare Absicht zu haben, unerschütterlich nur in der Klarheit, etwas zu tun!« … Koffer packen für das Endgültige, »und morgen genausoweit sein wie vorgestern – ein Vorgestern das ein Immer ist …

… Auch die anderen sind Romantiker, auch die anderen bringen nichts zustande, auch die anderen schauen ein Leben lang auf ungepackte Koffer, auch die anderen schlafen neben halb verfassten Papieren, auch die anderen sind ich. …

… Ich schaue auf von den Papieren, die ich nun doch nicht zu ordnen gedenke … Ich habe mich von allen Göttern losgesagt angesichts eines unaufgeräumten Sekretärs … Und meine Müdigkeit ist ein alter Kahn, der an einem verlassenen Strand verrottet, und mit diesem Bild irgendeines anderen Dichters schließe ich den Sekretär und das Gedicht.

Gleich einem Gott habe ich weder die Wahrheit aufgeräumt noch das Leben.«

(Fernando Pessoa/Àlvaro de Campos, Beinahe, in: Poesie und Prosa)

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systeme ::: sich selbst experimentieren

»Wether this system works equally well for all I leave to the experimenting individual.«

(Julian Barnes, Talking it over)

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watts ::: mit sich selbst sprechen

»… emergente Komplexität, wurde ihm klar. Das meint sie. Ein Neuron wusste nicht, ob es auf einen Geruch oder eine Sinfonie reagierte. Hirnzellen waren nicht intelligent — das waren nur Gehirne. Dabei bildeten Neuronen noch nicht einmal die unterste Ebene. Die Ursprünge des Denkens reichten tiefer, bis zu den Zeiten als noch kein vielzelliges Leben existiert hatte. Schon Kragengeißeltierchen kannten Neurotransmitter, Kaliumionenkanäle gab es bereits bei Monosiga. Ich bin eine Kolonie von Mikroben, die mit sich selbst spricht …«

(Peter Watts, Echopraxia)

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woolf ::: still selbst sein

»Denn jetzt brauchte sie über niemanden nachzudenken. Sie konnte sie selbst sein, allein sein. Und das war es wonach sie jetzt oft das Bedürfnis verspürte — nachzudenken; nein, nicht einmal nachzudenken. Still zu sein; allein zu sein. All das Sein und Tun, das raumgreifende, glitzernde, vernehmliche, verdunstete; und man schrumpfte, mit einem gewissen Gefühl der Feierlichkeit, darauf zusammen, man selbst zu sein … dieses Ich, das seine Bindungen abgeworfen hatte, war frei für die seltsamsten Abenteuer. Wenn das Leben für einen Augenblick Ruhe gab, schien die Reichweite der Erfahrung grenzenlos. … wenn man seine Persönlichkeit einbüßte, büßte man auch die Hektik, die Eile, die Unruhe ein; und dann drängte sich jedesmal ein Ausruf des Triumphierens über das Leben auf die Lippen, wenn die Dinge sich in diesem Frieden, dieser Ruhe, dieser Ewigkeit zusammenfügten.«

(Virginia Woolf, der Leuchturm)

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gehirn ::: sich selbst aktivieren

»Wenn wir wach sind, ist das Gehirn voll beschäftigt – es muss diese vielen Gliedmaßen kontrollieren, ständig irgendwohin fahren, einkaufen und simsen und sprechen, Geld verdienen, Kinder erziehen.«

… na und, und mein träumendes Gehirn ist wohl nicht voll beschäftigt?

»Doch wenn wir schlafen und in die REM-Phasen eintreten, kann dieses raffinierteste und komplexeste Werkzeug der Welt endlich tun, was ihm gefällt. Das Gehirn aktiviert sich selbst. Es träumt.«

(Michael Finkel, Der gute Schlaf, in: NG 18/08)

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nie zu alt ::: sich selbst kommentieren

In einem Weinkeller, wärmer, der erste Frost ist noch nicht durch die Mauern. «Hier ist es genau wie letzte Woche, sagte Aurora, die in ihrem Alter eigentlich hätte wissen müssen, dass jede Jahreszeit langsam heranflutete, dass der Winter in Wellen kam wie das Meer an einer wilden Felsenküste – aber dennoch war sie nicht zu alt, dass sie nicht mehr gern kommentierte was ihr auffiel.«

(Elisabeth Knox, Der Engel mit den dunklen Flügeln)

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thoreauvian & Traumthesen ::: sich selbst sehen, unterlass, traumsein

»Wir kennen uns selbst nur durch eine Art freiwillige Blindheit und ein Unterlassen des Sehens, wie wenn wir die Sterne aus den Augenwinkeln sehen. Der Entdeckung dessen, was wir sind, kommen wir in Träumen am allernächsten. … Und närrisch sind solche, die mit dieser Absicht in Spiegel blicken.«

(Henry D. Thoreau, Tagebuch I)

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auf alten Wegen ::: auf sich selbst zurückfallen

Ein spanisches Palindrom das es in sich hat »la ruta nos aportó otro paso natural – der Pfad führt uns zum natürlichen nächsten Schritt.«

Und noch mehr hat es in sich, was Hr. Macfarlane dazu zu sagen hat »Die chiasmische Struktur verdeutlicht auf kluge Weise die Transformation, die der Pilger durchläuft, wenn er zu seinem Ursprung zurückkehrt und sein Geist wieder auf sich selbst zurückfällt. Er bleibt scheinbar unverändert und vollzieht zugleich einen tiefgreifenden Wandel.«

(Robert Macfarlane, Alte Wege)

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Pessoa–de Campos ::: sich selbst erlügen

»Das Leben, das ich lebe – o – ist das Leben, das ich mir erlüge.«

(Fernando Pessoa/Àlvaro de Campos, Poesie und Prosa)

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aphoristische Begegnung | sich selbst spielen

Unser Leben ist ein Spiel, das es zu spielen gilt.

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aphoristische Begegnung | sich selbst erzählen

Unser Leben ist eine Geschichte, die wir uns selbst erzählen.

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