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PGI Expeditionsbericht & Trivialnotizen | España del Norte | 18. bis 28. Sep 2015

Keine Postkarten! Keine Bilder.

Picos de Europa

Wir durchqueren die hügelige Landschaft mit Panoramablick auf die Bucht von Santander. Bei einem kurzen Halt in einer Bar um eine Tortilla zu erstehen erkundigt sich der Institutsleiter betont beiläufig nach den weißen, von uns bisher noch nicht eigenständig identifizierten Vögeln, und wir erfahren dass es sich um Garzas handelt. Derweil schließe ich freudig fotografische Bekanntschaft mit drei auf einem gelben Fenstersims lagernden jungen Katzen, die mich mit weit aufgerissenen Augen durch spärlich wucherndes Unkraut anstarren.

Weiter durch Autobahnwetter zu den Picos de Europa. Beschließen zeitlich bedingt uns lediglich den Westen anzusehen, mit dem reizenden Städtchen Potes und dem Punto de Mirador: Fuente Dé [sic!].

Die Wolkenmassen verteilen sich weiter im Landesinneren langsam in ausgedehnten Tälern und schließlich trudeln wir bei Höhensonnenschein durch die Ausläufer der Picos de Europa. Erschüttert von den plötzlich zusammenrückenden nicht anders als massiv zu bezeichnenden scharfkantig verkarsteten Kalksteinmassen durch die sich die kurvenreiche Straße entlang eines glitzernd im Sonnenlicht funkelnden Bachlaufs windet, sind die Institutsmitglieder minutenlang still vor ehrfürchtigem Staunen, Schrecken, und dem dumpf pochenden Hintergedanken an 600 zu zahlenden Piepen, weil wir eine Versicherung des spanischen PGI-Leihmobils nicht für notwendig erachtet hatten. Unser Auto befindet sich meist beinahe in Tuchfühlung mit steil nach oben ragenden Gestein einerseits, und dem Abgrund zum Gebirgsbach andererseits. Steinschlagschilder wechseln mit »Achtung Käseräder«-Schildern und den von den Azoren bekannten Kuhmotiven. Wir sinnieren kurz darüber ob eine auf dem Dach gelandete Kuh wirklich ein zu meldender Schadensfall wäre, oder die Kuh aufgrund des immerzu wirkenden visuellen Absurditätsfilters nicht weiter auffallen würde.

Das Höhenlicht auf den sehr hellen steil aufragenden Felsen ist faszinierend, dieses unwirkliche Leuchten der Bergwände, Schattierungen wie von einer Art luminosen Schatten in der Luft. Die kleinen Orte auf der Schlängelstraße sind meist geradezu aufdringlich pittoresk, aus Stein und Holz, Seniorenschaften auf Bänken am Wegesrand, die Bänke so nah an der Straße, dass sie bei jedem vorbeifahrenden Auto die Füße einziehen müssen. Und das Ende, la Fuente Dé (was?!), begrüßt mit einer Kuhweide, schwebend ihre Kreise ziehenden Geiern in den Lüften, Krähen und Stelzen auf der Weide, cremefarbenen Kühen und einem nicht minder kalbgroßen cremefarbenen Hütehund.

Beim Einfahren nach Fuente Dé weise ich die Kollegen auf einen wahnwitzig auf einer Felskante gelegenen Hüttenbau hin. Wir entdecken wenige Augenblicke später dass es sich dabei um die Endstation der etwa 200 m über die Kuhweide führenden Seilbahn handelt. Die Bodenstation ist ein aufsehenerregend stilechter 50er Jahrebau in geschwungenen Formen und schiffsbugartigen Verrenkungen. Die Gondelfahrt hinauf wird kurzfristig abgeblasen (16 Piepen!). Im an den Ticketverkauf angeschlossenen Souvenirbereich gibt es keine Postkarten.

Die Sonneneinwirkung kann als intensiv bezeichnet werden, und schlägt Adlerauge Füten und der Berichterstattenden etwas auf den Erkundungsdrang. Nachdem wir einen beschaulich einladenden Waldweg folgen wollten, werden wir von den zwei knurrenden am schattigen Eingang verborgenen Hunden auf die Idee gebracht, doch lieber am Parkplatz auf der einen schattigen Banksitzgruppe zu verweilen, und die von einem motorlaufenden stehenden Reisebus sanft aufgelockerte Stille zu genießen. Der Institutsleiter bricht mit T.h.e.o. zu einem Erkundungsgang auf der Suche nach einer Ulme zur Kuhweide auf, aus der Ferne wirken sie wie in das Panorama hineingegossen. Almöhi, auf einen Wanderstock gestützt, bei einem Spaziergang über seine Weide mit seinem Junior, während über uns zusammen mit den Geiern ein einzelner nordspanischer Albatross Imagica in weiten Kreisen seine Bahnen zieht und seine majestätischen Schwingen von den Picos de Europa bis nach Noja zu reichen scheinen.

Auf dem Rückweg eine kurze Rast an einem eiskühlen plätschernden Gebirgsbach, mit Blutegeln oder Kaulquappen, und am schlammigen Ufertritt fingernagelkleine Frösche, die sich leider nicht fokussieren lassen, da zu klein. So wie sich die Reiher am sonnenaufgehenden Ebbestrand nicht fokussieren lassen, da immer noch zu fern.

Ornithologische Notiz: Stelzen, Kleiber, Gänsegeier oder Steinadler, Alpendohlen, Buchfinken

Nephologische Notiz: auf der Heimfahrt befindet sich über uns eine getüpfelte runde Wolkenausdehnung (Altocumulus floccus)

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thoreauvian ::: Ebben und Fluten der Seele

»… Kein Tag wird völlig vergeudet sein, wenn nur eine einzige, aufrichtige, geistvolle Seite geschrieben wurde.

Möge die tägliche Flut auf diesen Seiten etwas abgelagert haben, wie sie Sand und Muscheln auf dem Strand hinterlässt … dies kann ein Kalender für Ebben und Fluten der Seele sein; und auf diesen Blättern wie auf einem Strand können die Wogen Perlen und Seetang anspülen.«

(Henry D. Thoreau, Tagebuch I)

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s.n.o.w. | betrachtungsweise

»Jedes Mal, wenn eine Flocke verdunstete, dachte ich: Ihre Schönheit ist für immer dahin.«

(Wilson Bentley)

Was für ein erbaulicher Gedanke. Doch sieht man es so: »ich habe etwas gesehen, das einzigartig war!« … ist es wohl in Ordnung. Und eine Analogie auf das Leben …

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PGI | Zitatsammlung über den homo cuevo

Herr Roger betrachtet im Geiste Höhlenzeichnungen …

»In der Höhlenmalerei wurden Ursituationen zu Piktogrammen. Auch der vorzeitliche Mensch hat immer bloß die Stereotypen und Gesten aufgegriffen die gerade zeittypisch waren: der jagende, hetzende, der zum Wurf ausholende, mit der Lanze bewährte Krieger. In den Bildern ist der Mensch mythisch, für immer, in der Passform seiner Wiederholungen erstarrt.«

(Roger Willemsen, Der Knacks)

… und sinniert was aus diesem Antrieb der heutige Mensch auf seine Höhlenwände malen würde. Hockend übers Display gebeugt.

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PGI Expeditionsbericht & Trivialnotizen | España del Norte | 18. bis 28. Sep 2015

Keine Postkarten! Keine Bilder.

a las cuevas — el Pendo

Tags darauf ist für den ersten Teil der Wegstrecke zu den Picos de Europa der Besuch in der tatsächlich begehbaren Höhle el Pendo geplant. T.h.e.o. wird von dem als Papá?! bezeichneten Institutsmitglied aufgefordert schonmal seine Schuhe zu holen. T.h.e.o. bringt einen seiner Gummistiefel. Das als Papá?! bezeichnete Institutsmitglied fordert ihn auf seine anderen Schuhe zu bringen. T.h.e.o. kehrt mit dem zweiten seiner Gummistiefel zurück. Das als Papá?! bezeichnete Institutsmitglied erläutert T.h.e.o. Details zu den zu bringenden Schuhen. Die Sandalen, die kleinen Schuhe sollen es sein. Schon beim Blick in das verschmitzt und nur mühsam unterdrückte Lächeln im Gesicht hätte klar sein müssen was nun kommt. T.h.e.o. kehrt mit einem der Stiefel des Abenteurers zurück, dem größten Schuhwerk das in der Ferienwohnung zur Auswahl bereit stand. Es ist als humoristische Retourkutsche und keinesfalls als Erziehung im Affekt zu werten, dass T.h.e.o. im folgenden vom als Papá?! bezeichneten Institutsmitglied in beide Stiefel des Abenteurers versenkt wird.

Wieder geht es durch die Schlechtwetter-Regen- und Nebelzone Küstenautobahn, Wolken zwischen den Erhöhungen eingeklemmt, um schließlich wieder bei gutem Wetter, und nach einer als äußerst eng und kurvig zu bezeichnenden Straße die bei zwei der auf vier geschrumpften Teilnehmergruppe (der Abenteurer ist diesmal zu Hause geblieben, felsige Höhlen und Bergmassive sind nicht gerade das was sein Interesse weckt) polternd lachende und von Hohohooo-Ausrufen begleitete Freude hervorrufen. T.h.e.o. und das als Papá?! bezeichnete Institutsmitglied amüsieren sich prächtig. Dame C. a.k.a Adlerauge Füten und die Berichterstatterin erkunden derweil die Tiefen und vor allem Abgründe menschlicher Angst- und Beklemmungszustände.

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thoreauvian ::: ach Thoreau … auch Du?

»Ich fühle mich nie inspiriert wenn es mein Körper nicht auch ist. Auch er verschmäht ein fades Leben der Alltäglichkeit. Es ist ein Irrtum zu glauben, man könne mit dem Geist streben und den Körper in Wohlleben und Faulheit daniederliegen lassen. Der Körper ist der erste Proselyt, den die Seele macht.«

(Henry D. Thoreau, Tagebuch I)

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PGI Expeditionsbericht & Trivialnotizen | España del Norte | 18. bis 28. September

Keine Postkarten! Keine Bilder.

Aufregende nächtliche Beobachtung am Reiherfelsen

Nächtlicher Spaziergang mit dem Institutsleiter am Meer. Wasser wohltemperiert. Werden Zeugen eines ungewöhnlichen Hubschrauberschwebens über einem der Meeresfelsen. Zücken die Ferngläser. Ich werde gewahr wie hinter dem Felsen schräg nach links oben eine weißlich wabernde Säule aufsteigt. Weise Kollegen fragend darauf hin. Und in dem Moment erkenne ich es, und gleichzeitig bricht die Rauchsäule in einem wilden Flügelrausch in die Weite auseinander. Es ist die gesamte Reiherkolonie (vor allem Kuhreiher, Bubulcus ibis, vereinzelt auch darin verirrte Seidenreiher, Egretta garzetta, und hin und wieder eingestreute Kormorane, Phalacrocoracidae) des Felsens die vom Hubschrauber aufgeschreckt nun in auseinderstrebenden und sich wieder zusammenziehenden Schwarmwolken über den Nachthimmel kreist. Ein beeindruckendes Schauspiel, auch wenn die nächtliche Ruhestörung per se natürlich zu missbilligen ist.

Weitere Beobachtung des Hubschraubers zeigt ein Herablassen erst einer orangenen Person, dann einer Zweiten, und dann das Hinaufziehen beider. Eine Seenotrettungsübung. Auch wenn die während des Fortgangs der Beobachtung angestellten Mutmaßungen weitaus aufregender, geheimnisvoller und beängstigender waren, sind wir vom Gesehenen sehr aufgewühlt. Was für eine Beobachtung!

Weiter gen Westen zum Strandende, überqueren über einen enggestrüppumsäumten Sandpfad den grillenzirpenden Hügel, und blicken zur nächsten Bucht. Über das Zirpen erhebt sich ein höheres lauteres, klareres Geräusch, (nach heimischer Recherche im Vogelstimmenbuch wird der Bergpieper (Anthus Spinoletta) als Verursacher dieses Zirpens in Betracht gezogen, der ab Spätherbst auch im Tiefland … äh; Strandpieper (Anthus petrosus) wäre hinsichtlich des Habitats wahrscheinlicher, zu ihm finden sich aber keine ähnlich zirpenden Klangproben). Auf dem Rückweg entdeckt der Institutsleiter eine neue Spezies, mutmaßlich etwas quallenartiges, weißleichtrosaschimmerndes, das sich in der Brandung leicht bewegt. Nähere Untersuchung enthüllt dass es sich um eine halbe Zwiebel (Allium cepa) handelt.

Forscherglücklich kehren wir zu unseren Kollegen und dem galizischen Kräuterlikör (Ruavieja Licor de Hierbas) ins Basislager zurück.

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A Dead Forest Index | 5.11.16 | Akko

»brit pop mit sphärischen Einschlägen die sich zu Hymnen aufschwingen« (Mlle Mate)
– a fairy tale

Zwei sehr feine kleine Musikeinheiten im sehr kleinen und feinen Akko. In den Wartezeiten erklingt Jazz und Swing. Den Hummusspeisenden wurden soeben die Klapptische entzogen, und die Bar füllt sich mit Menschenbeinen. Doppelgänger und 80er wohin man blickt. Die Musik von Gemma Thompson, sehr ruhende, meditative Weltallklänge, darin manchmal ein ferner Hauch nach wildem Westen klingender Gitarre, doch nahe an der Grenze zur Illusion, ein Stromausfall, und nach Äonen wird alles von einer Schlagzeugkomposition durchbrochen.

A Dead Forest Index. Soundcheck. Eine Stimme hebt sich über die Köpfe und so etwas wie Stille breitet sich wie eine Welle durch das von den nahen Wänden verstärkte Gesprächsrauschen aus. Es ist das Innehalten im Alltäglichen wenn für einen kurzen Moment etwas zauberhaft schönes in das Bewusstsein geflattert ist. Dieses Gefühl das in Stephen Kings Shawshank Redemption beschrieben wird. Musik die aus einer anderen Sphäre in unsere materielle Welt herüberzuklingen scheint und ein die Welt verklärendes wie verdrängendes Gefühl von Transzendenz hervorruft. Nach wenigen Momenten verebbt es, und die unterbrochene Gesprächszeit setzt wieder ein.

Da der Versuch der Beschreibung der Musik bereits unternommen wurde (Konzert Chelsea Wolfe ::: A Dead Forest Index | 8.11.15 | UT Connewitz), sollen nun im Folgenden stattdessen wirre, zusammengestückelte, sich verheddernde und wiederholend kreisende Ausführungen über das Wesen der Musik als Immanation von Sehnsucht gegeben werden.

In der Name des Windes lernt der musikalisch überaus begabte Kvothe nach einem traumatischen Erlebnis mit seinem Saiteninstrument etwas anderes als Lieder zu spielen.

»Wenn der Sonnenschein das Gras wärmt und eine Brise einen kühlt, ist das ein bestimmtes Gefühl. Ich spielte so lange, bis ich dieses Gefühl auszudrücken vermochte. Ich spielte bis es klang wie warmes Gras und eine kühle Brise. … drei Tage [brauchte ich] bis ich der Wind dreht ein Blatt zu spielen vermochte.«

»Nach zwei Monaten vermochte ich die Dinge mit eben der Leichtigkeit zu spielen, mit der ich sie sah oder empfand: die Sonne geht hinter Wolken unter, ein Vogel an der Tränke, Tau auf dem Farngestrüpp.«

Die Musik von A Dead Forest Index scheint nicht so etwas dinglich Spezifisches auszudrücken, sondern eher als ob jedes Lied Sehnsucht wäre, Sehnsucht nach der Vergangenheit, nach Zukunft, nach dem Leben während man es lebt. Diese Art von Sehnsucht die einen zufrieden, ruhig, gelassen und glücklich macht, da sie so unbestimmt ist. Oder das Ziel der Sehnsucht so erhaben, dass man es gar nicht erreichen muss, sondern sich damit begnügen kann, sich danach zu sehnen, um schon glücklich zu sein. Die Sehnsucht an sich ist schon Bestimmung. Saudade. Krause Schwermut. Oder wie es Hr. Murakami über ein Klavierstück von Franz Liszt schreibt: »die grundlose Traurigkeit die eine ländliche Idylle im Herzen eines Menschen weckt«, und man fühlt, dass er darin etwas Schönes sieht. Über die spiegelglatte metallglimmernde Grundfläche aus verzerrt ferner Gitarre und Schlagzeug wringen sich keltisch zerbrechliche Stimmlagen, weltfern. A Dead Forest Index scheinen wie die englische Entsprechung dieser symbolistischen Seelenlandschaft, ihre Musik eine allumfassende, endlose Sehnsucht. So ruft die Musik Sehnsucht nach sich selbst vor. Sehnsucht nach Sehnsucht.

Nicht unvermerkt soll bleiben, dass dem, was für die Einen die alles umfassende Leichtigkeit und Schönheit des Lebens selbst ist, von Anderen eine gewisse Düsternis attestiert wird, und zu der Frage veranlasst wo denn die ganzen Grufties wohl abgeblieben sind, die eigentlich stereotyper Weise das Konzert hätten bevölkern müssen. Die Antwort in dieser herbstdunklen Nacht ist Placebo.

»Bis zum heutigen Tag weiß ich nicht, wovon die beiden italienischen Damen
gesungen haben. Um die Wahrheit zu sagen, ich will’s auch gar nicht wissen.
Es gibt Dinge, die müssen nicht gesagt werden. Ich will annehmen dass sie von etwas
so Schönem gesungen haben, dass man es nicht in Worte fassen kann und dass es
direkt ins Herz geht. Ich sage Ihnen, diese Stimmen sind höher gestiegen, als man je
an einem so trostlosen Ort zu träumen gewagt hätte. Man hatte den Eindruck als
wäre ein wunderschöner Vogel in unseren freudlosen Käfig gefallen und hätte die Mauern
zum Einstürzen gebracht, und für den Bruchteil einer Sekunde hatte jeder hier in
Shawshank das Gefühl, frei zu sein.«

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Regenmassen ::: Singulariatantum formen Plural durch Komposita

Prasselregen, Platschregen, Dauerregen, Feinregen, Fieselregen, Fernregen, Krachregen, von der Straße wieder hochgeschleuderter Regen, diesiger Regen, emulsionifizierender Regen, von Bäumen gewehter Regen, Schieberegen, Starkregen, anschwellender und verebbender Regen, Weichregen, Seichtregen, in Nebel übergehender Regen, Gleißregen, Gischtregen, scheinbar schwereloser Regen, Regenschleier, Regenreiher, bei Weiden zwischenzeitlich nur sehr wenig Regen …

»Der Regen schien ewig andauern zu wollen. Im Oktober regnet es immer so unaufhörlich, bis die Erde völlig durchweicht ist. Die Bäume, die Autobahn, die Felder, die Autos, die Häuser, die Hunde, ausnahmslos alles saugt sich mit Regen voll und die feuchte Kälte durchdringt erbarmungslos die ganze Welt.«

(Haruki Murakami, Pinball 1973)

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EF | 25.08.16 | Naumanns

Jævlig varmt er det, her i himmelen

Es mag eine weite Strecke im Jahreslauf gedauert haben, doch eines Abends geschieht der perfekteste Sommerabend den es geben kann. Nicht kalt, alles ist von sanft heruntergekühlter Luft umgeben. Der Biergarten am Felsenkeller liegt wohlig ausgereckt auf bereits blättrig raschelnd bedecktem Boden unter den Bäumen. Herr K. reizt wieder das Kombinationsspiel mit Bestellung, Einlass und verrinnender Zeit bis ins Letzte aus, doch jeder Anflug von Unruhe und nervöser Erwartung wird in der entspannten Sommerabendlaune aller umgebenden Biergartenkulturteilnehmer sogleich verweht.

Nach erfolgreichem Abschluss der Nahrungsaufnahme auf Zeit schlendern wir, stolpernden Wurzeln weichend, wieder zu den Treppen vor dem Einlass, erwartungsfroh was als Vorband gegeben wird.

Dort treffen wir auf den Institutsleiter und Dame C., die dicht an dicht mit anderen Treppenstuflern vor dem vom Gesprächsrauschen summenden und vibrierenden Eingang lehnen. Wie nett, sie warten auf uns, dabei hätten sie doch auch schon reingehen können. Noch ganz im Biergartenflair und Zauber des lauen Sommerabends gefangen, dringen die eröffnenden Gesprächsinhalte nur langsam zu mir. In seinen gewohnt fulminanten Geistessprüngen fantasiert und webt der Institutsleiter nahezu ohne Begrüßungszeremoniell wie im Wahn ein Parallelwelt-Gespinst, von Sauna-Aufgüssen auf der Haut der spielenden Band, alles umwringenden Nebeldunst, zischenden Siedewasserklängen auf High-Hats und Zimbeln, alle Konzertbesucher in Handtücher umwickelt … wie immer begeistert von der überbordenden vor nichts Halt machenden und auch vor keinem Sujet aus Ehrerbietung zurückschreckenden Vorstellungsmacht des werten Kollegen, bin ich doch auch etwas aus dem Tritt gebracht, und es scheint, nur die Hälfte dessen was er uns nahebringen will, schwappt an mein Bewusstsein heran, das sich auch halb mit dem bevorstehenden Vertrautmachen eines noch unvertrauten Konzertraums befassen muss, und überdies plötzlich mit der Sortierung von weiteren drängenden Fragen abgelenkt ist. Wir haben die Vorband verpasst? Wieso stehen alle draußen? Und was mag dem Kollegen nur widerfahren sein, das ihn so aufwühlt? Sollte ihm die sicherlich fiebernde Stirn vermessen werden? Und wieso klären wir das im Weiteren nicht drinnen? Er scheint mir wie jemand, der etwas sehr wichtiges mitzuteilen hat, doch es aus unerfindlichen, sicherlich ins Tiefenpsychologische reichenden, Gründen, einfach nicht direkt auszusprechen vermag.

Ich nicke ihm noch einmal aufmunternd und wie ich hoffe bestärkend zu … dann betreten wir den Raum, die Zeit bleibt einen Moment stockend und wie nach Luft japsend stehen. Luft mit Persönlichkeit. Es ist ja neblig, dunstig und heiß wie in einer Sauna hier drin!

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PGI Expeditionsbericht & Trivialnotizen | España del Norte | 18. bis 28. September

Keine Postkarten! Keine Bilder.

Albatrosse!

Von einer Einzelerkundung in das östliche Wanderpfadgebiet kehrt der Institutsleiter aufgeregt zurück und erwähnt beiläufig er habe auf den Felsen Albatrosse, diese majestätischen Vögel der Meere, bei der Jagd beobachten können. Ich muss zugeben mir wurde nicht wenig weh ums Herz, dass mir diese Vögel bei meiner vorangegangenen, sehr aufs Botanische konzentrierten, Erkundung entgangen waren. Wir beschließen nochmals zusammen zu den Felsen zu gehen, doch tags darauf sind keine Albatrosse zu sehen. Sammeln dafür steinzeitlich hämmernd Gesteinsproben in den Felsen. Der Institutsleiter birgt unter anderem ein kleines porzellanbeigeweißes Stück Koralle und einen Stein auf dem drei längliche, abgebrochene Korallenstücke zu sehen sind, die im inneren vollständig durch Quarzkristalle morphologiert wurden. Äußerst bemerkenswert!

Abends beschließt die versammelte Institutsmannschaft aufgrund der aufsehenerregenden Sichtung das ohnehin reichlich vorhandene Wissen über Albatrosse (Diomedeidae) weiter zu vertiefen. Der Institutsleiter zitiert aus der einschlägig bekannten und fachlich meistgenutzten Wissensquelle Wikipedia. Wir vernehmen begeistert dass die Albatrosse der Familie der Röhrennasen (Procellariiformes) angehören. Zu dieser Familie gehören übrigens auch die von mir seit der Azorenreise sehr geliebten Gelbschnabel-Sturmtaucher (Calonectris diomedea), wie ich hier hocherfreut ob der unverhofften Wiederbegegnung anmerken darf. Weiter wird berichtet dass von den 21 Arten 17 in den südlichen Ozeanen vorkommen, drei im Nordpazifik und eine in den Tropen …

»… Albatrosse können Flügelspannweiten von über 3,5 Metern erreichen und übertreffen damit jede andere lebende Vogelart. Auch die kleinsten Vertreter der Familie haben noch Spannweiten von zwei Metern. Mit einem Gewicht von bis zu 12 Kilogramm gehören Albatrosse zu den schwersten flugfähigen Vögeln überhaupt.

Verbreitung und Lebensraum. Der Großteil der Arten lebt über den Ozeanen der Südhalbkugel. Dort kommen sie vor allem auf verschiedenen Inseln wie Falkland, Macquarieinsel, Crozetinseln, Prince-Edward-Inseln und Südgeorgien vor, daneben bilden sie vereinzelte Kolonien in der Antarktis. … Im Nordatlantik und seinen Nebenmeeren gibt es für gewöhnlich keine Albatrosse; … Stürme führen allerdings dazu, dass Albatrosse auch auf die Nordhalbkugel verschlagen werden. Da sie ohne Wind nicht flugfähig sind, können sie anschließend die äquatorialen Kalmen nicht mehr überqueren und verbleiben so oft mehrere Jahre auf der »falschen« Halbkugel. Zum Beispiel war ein Schwarzbrauenalbatros von 1972 bis 1987 alljährlich auf den Shetlandinseln zu sehen. … Albatrosse meiden normalerweise die Küstennähe, und das feste Land suchen sie ausschließlich zum Brüten auf. Sie können Tausende Kilometer weite Wanderungen unternehmen und sind somit auch fernab jeder Küste zu finden. Als Brutplätze dienen meistens kleine Inseln mit grasbewachsenen Hängen. Felsige Steilküsten bieten dagegen wegen der Start- und Landeschwierigkeiten ungeeignete Bedingungen für Albatrosse. …«

Ich möchte festhalten dass die Beobachtung des werten Kollegen durch diese Informationen keineswegs geschmälert oder sogar unwahrscheinlich wird. Im Gegenteil. Gerade durch die extreme Unwahrscheinlichkeit Albatrosse an einem Felsen der spanischen Nordküste zu beobachten, ist die Sichtung dieser imposanten Geschöpfe der Lüfte von noch fantastischerer, immens bemerkenswerter, Bedeutung!

Das Abendessen erfreut alle Teilnehmenden durch die pikante Pimientos de Padron-Lotterie. Erstaunlicherweise gelingt es Dame C mit Leichtigkeit aus den letzten vier Pimientos den Hauptgewinn zu ziehen. Zum Glück hält die Institutsapotheke für solche Gelegenheiten galizischen Kräuterlikör (Ruavieja, Licor de Hierbas) bereit.
Nächtens tummeln sich diverse Institutsmitglieder auf dem Strand, versuchen sich in unverwackelten Nachtaufnahmen, patschen durch das Wasser, lassen sich von plötzlich vereinzelt weiter heranrollenden Wellen die hochgekrempelten Hosenbeine benetzen und sind alles in allem quietschfidel, ausgelassen und munter, oder auch gerne verträumt und nachdenklich während sie in die weißbeschäumte Dunkelheit blicken.

Der Institutsleiter formuliert die These vom Tag- und vom Nachtstrand.

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thoreauvian ::: Stille

»Wie die wahrste Gesellschaft sich immer mehr der Einsamkeit nähert, so verfällt die vorzüglichste Rede schließlich in Schweigen. Wir gehen umher, um Einsamkeit und Stille zu finden, als weilten sie nur in fernen Bergschluchten und in Waldestiefen und wagten sich aus diesen nur um Mitternacht hervor. Wir sagen, Stille herrschte, bevor überhaupt die Welt geschaffen wurde, als habe die Schöpfung sie verdrängt und wäre nicht ihr sichtbarer Rahmen und Hintergrund. Sie geruhe nur in Lieblingstälern zu verkehren, das denken wir, und nicht das wir sie mitnehmen, wenn wir uns dorthin wenden … Denn wo der Mensch ist, da ist auch Stille.«

(Henry D. Thoreau, Tagebuch I)

… Wolken, Wiese, Wind — Stille

»Es ist müßig für mich die Stille zu deuten … eine Weile kann ein Mensch zuversichtlich so weitermachen und denken er habe sie im Griff und wird sie eines Tages erschöpfen, doch am Ende muss auch er still sein, und man wird nur bemerken welch wackren Anfang er machte; denn wenn er schließlich eintaucht in sie, ist das Missverhältnis zwischen Gesagtem und Ungesagtem so gewaltig, dass das Erste nur als die Blase auf der Oberfläche dessen erscheinen wird, in dem er verschwand.«

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PGI | Communiqué hymenopterie

Kollegen!

es mag sein dass die Abt. PGI Wald es bisher obsäumt hat von den neben uns ins Dachgeschoss eingezogenen Nachbarn zu berichten. Anlässlich des gesternächtlichen Besuchs eines dieser Nachbarn — er hat so unangekündigt wie nonchalant durch das geöffnete Fenster unsere Wohnung aufgesucht — möchte ich dies nun nachholen. Es handelt sich bei der nebenan siedelnden Großfamilie um Vertreter der Ordnung Hymenoptera, Art Vespa crabro. Dies habe ich später herausgefunden, obwohl der neue Nachbar es versäumte sich vorzustellen. Leider ist es aufgrund unzureichend im www zur Verfügung stehenden Bildquellenmaterials bisher nicht möglich gewesen die Varietät der Nominatform eindeutig festzulegen. Vespa crabro Linnaeus, 1758 oder Vespa crabro germana Christ, 1791.

Die während des Besuchs aufgenommen Kommunikations- und Kontaktversuche haben sich leider als komplizierter herausgestellt als man bei zwei so geselligen Spezies annehmen möchte. Der Besucher hat sowohl Kaffee als auch Kuchen oder Schnaps abgelehnt.

Weiterhin wollte er sich auch nicht vermessen lassen. Daher bin ich auf eine grobe Einschätzung durch Augenmaß angewiesen, etwa 3 cm lang und 1 cm »dick«. Weder Gewicht noch Brummamplitude konnte im kurzen reconnaître aufgenommen werden, was durchaus auf eine gewisse Hymenopterie der überrumpelten Gastgeber zurückzuführen ist.

Hingegen wollte uns der Besucher beständig zu einem Tänzchen auffordern das darin bestand dass er laut brummend auf uns zuflog, dabei eine gewissen Planlosigkeit, ja Unberechenbarkeit simulierend, und wir spielerisch Fluchtverhalten vortäuschend davonhüpften.

Wir haben ihm sodann gestattet sich solange es ihm beliebte es sich allein in unserem Wohnzimmer bequem zu machen, wohin wir ihn durch aktivierte Lichtquellen gebeten haben Platz zu nehmen. Was er zuerst durchaus gerne anzunehmen schien, es irgendwann jedoch ohne einen Ton des Abschieds verlassen hat.

Auch wenn dieser erste Kontaktversuch kurz und nicht ohne kommunikative Barrieren war, so liegt ihm doch wie jedem Anfang ein vielversprechender Zauber inne.

Ich verbleibe, noch mit einem gehörigen Schuss wissenschaftlichen Adrenalins in meinen Adern,
M

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PGI, Hornissenbeobachtungsstation ::: dämm it, steal it

»Hornissen schlafen übrigens so gut wie nie. Doch es gibt ein rätselhaftes Verhalten: Ungefähr 20–25 mal pro Nacht verfällt das ganze Volk von der Königin bis zur Arbeiterin in eine Art Tiefschlaf auf Geheimkommando. Die Tiere halten dann einfach an und bewegen sich für etwa eine halbe Minute nicht. Nach dieser kurzen Pause geht’s weiter, als wäre nichts geschehen.« (hornissenschutz.de)

… booting process of vespa crapro is active, please wait …


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Sprachfund ::: autologische Vergänglichkeit

»›Neologismus‹ (Wortneuschöpfung) war einst ein autologisches Wort,
ist es aber heute nicht mehr.«
https://de.wikipedia.org/wiki/Grelling-Nelson-Antinomie

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