Fotorunde ::: zum Zipfelwald

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thoreauvian ::: schlafend träumen wachend leben

»Endymion soll von Jupiter das Vorrecht erhalten haben, so viel zu schlafen, wie er wollte. Kein Mensch möge den Schlaf fürchten, wenn seine Müdigkeit daher rührt dass er seinem Genius gehorcht … diese Art von Leben, die wir, schlafend, träumen, dass wir sie wachend leben, leben wir, wachend, bei unseren nächtlichen Spaziergängen, während unser Tagesleben als ein Traum erscheint.«

(Henry D. Thoreau, Tagebuch III)

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southern reach ::: seltene Klarheit, dunkelgolden

»… grüne Umriss der Insel im dunkelgoldenen Licht eines späten Nachmittags.«

… Rückerinnerung, glaubt lange sie ist tot und im Fegefeuer als sie nach ihrer nicht nachvollziehbaren Rückkehr aus Area X verhört wird. Obwohl sie nicht an ein Leben nach dem Tod glaubt, und auch schon weiß, dass sie nicht die echte Biologin ist, sondern eine Kopie. Unsicher ob Area X schuld war, oder ein Experiment von Southern Reach. Fühlt sich wie eine Projektion auf ihrer Flucht. »Als sie in Rock Bay angekommen war, … hatte sie, weit weg von allem, eine Weile Ruhe gehabt und die Landschaft auf eine andere Weise auf sich wirken lassen – sie war in ihre Einzelteile zerlegt und neu zusammengesetzt worden.« → in Landschaft sein … doch erst als sie wieder in Area X war, hatte sie ihr Unbehagen/Ziellosigkeit überwunden. Kurze Panik beim Untertauchen, all das Wasser das sie umschließt, doch dann wird etwas in ihrem Kopf umgelegt, hymnische Erfahrung des Meers … und es war ja nicht sie selbst die ertrinkt. … »dem Licht konnte man sich nicht entziehen, so strahlend und doch unnahbar war es. Es ließt das Röhricht und den Schlick und das Wasser der Kanäle, in dem sie sich spiegelten in einer seltenen Klarheit erscheinen. … es war das Licht dass ihr einen unerschöpflichen Vorrat an Gelassenheit zur Verfügung stellte.« → Fotografieerfahrung; Vermerk: es ist das wesenhafte Licht von Area X dass sie sieht, nicht Licht als solches und an sich.

(Jeff VanderMeer, Southern Reach II)

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Fotorunde ::: Regenwald, ground green Apr 21

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mars ::: nicht nachvollziehbare Markierungen

eine lange Reise, sieht sein Lesegerät durch, sehr lange nicht darin gelesen, »er hatte sich in jenen Tagen offenbar für Nietzsche interessiert. Ungefähr die Hälfte der markierten Stellen waren Nietzsche-Zitate. Als Frank sie durchsah konnte er nicht nachvollziehen, weshalb er sie markiert hatte. Es war alles windiges Gefasel. …«

(Kim Stanley Robinson, Roter Mars)

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mars ::: neue taxonomien, areophyten

»eine ganze Taxonomie neuer Lebensformen, alle partiell der Marsoberfläche angepasst …«

(Kim Stanley Robinson, Roter Mars)

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Fotorunde ::: mittagswald/abendwald Apr 21

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mars ::: mythologische linsen

»der Mars war leer, ehe wir kamen. Das soll nicht heißen dort wäre niemals etwas geschehen.« … Beschreibung von landschaftbildenden Vorgängen. Gewaltige geologische, besser: areologische, Besonderheiten der Oberfläche … »aber all das war in mineralischer Bewusstseinslosigkeit geschehen und wurde von niemandem beobachtet. Es gab keine Zeugen – mit Ausnahme von uns, die wir von dem benachbarten Planeten aus zuschauten, und das erst im letzten Moment seiner langen Geschichte. Wir sind das ganze Bewusstsein das der Planet je besaß.« … Bedeutung des Mars für die Menschheit, ein Stern der sich nicht wie andere bewegt, als wollte er etwas mitteilen. Erste Bezeichnungen für ihn … Nirgal, Mangala, Auqakuh, Harmakhis … »Sie klingen so als wären sie noch älter als die uralten Sprachen in denen sie vorkommen, als wären es fossile Wörter aus der Eiszeit oder noch früher.« … weiter in der Beobachtung, Teleskope, die Geschichte mit den Kanälen, die Sonden Mariner und Viking, »und so entfaltete sich vor unseren Augen eine neue Welt, eine Welt die niemand auch nur erahnt hatte.« … Beweise für Leben hat man nie gefunden, aber es sind Geschichten aufgeblüht um diese Lücke zu füllen … »genauso wie zu Lowells oder Homers Zeiten oder der der Höhlenmenschen und Bewohnern der Savannen.« … Geschichten von Mikrofossilien die durch unsere Bioorganismen vernichtet wurden. Erste Andeutungen zum großen Mann, und die kleinen roten Männchen. »Diese Geschichten werden erzählt, um einen lebenden Mars zu schaffen oder ihn wieder mit Leben zu erfüllen. Denn wir sind immer noch die Wesen, die die Eiszeit überlebt haben, die voll Staunen zum Nachthimmel aufgeschaut und sich Geschichten erzählt haben. Und der Mars hat nie aufgehört das zu sein, was er für uns von Anbeginn an gewesen ist – ein großes Zeichen, ein großes Symbol, eine große Macht. Und so sind wir hierhergekommen. Er war eine Macht, jetzt ist er ein Ort.« → setzt die Mythen der frühen Menschheit nivellierend in Kontext zu den Mythen unserer moderneren Menschheit, nivellierend hinsichtlich Überlegenheit, wir haben uns eigentlich nie verändert. Das was uns bewegt und bestimmt, wie wir Dinge versuchen zu erfassen und zu lenken und in einen größeren Sinn einzubinden indem wir Geschichten erzählen. → die Themen des Romans klingen alle an, Mythen, Gesellschaft, Geschichte, Wissenschaft …

… Und John steht da und behauptet sie wären hierhergekommen um was neues zu tun, und hätten alle irdischen Differenzen beigelegt. Denn in der neuen Welt wären sie irrelevant. »Ja, er meinte das alles wörtlich. Seine Version vom Mars war eine Linse, die alles verzerrte was er sah, wie eine Art Religion.« → wie jeder für alles eine Linse anwendet

(Kim Stanley Robinson, Roter Mars)

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Fotorunde ::: Parkblühen Apr 21

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knausgård ::: strutse-taktikken

»det har tre leveregler: kommer det et kosteskraft som er høyere enn meg, står jeg stille. Blir jeg truet, stikker jeg hodet i sanden. Setter noen en sekk over hodet mitt, tror jeg verden forsvinner og at jeg ikke lenger finnes – det er jo dine leveregler du snakker om – ja. Hvorfor tror du jeg nevner det? Men det er fascinerende også, er det ikke? Den er en så gammel skapning. Den har jo ikke bruk for noen større hjerne, den har alltid klart seg bra. – dine fascinasjoner kan du ha for deg selv. – … men når det gjelder deg, har du ikke mye glede av strutse-taktikken din lenger. Du blir jo sett overalt nå når boken din kommer. Du kommer til å bli en struts uten sand.«

(Karl Ove Knausgård, Min Kamp 6)

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Fotorunde ::: frühleing Apr 21

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southern reach ::: dinge in schatten aus licht

… Gespräch mit Cheney, hat ihn gefragt ob er manchmal komische Dinge in Southern Reach gesehen hätte. »Genau, es sind die hohen Decken nicht wahr? Führt dazu dass man Dinge sieht, die nicht da sind. Führt dazu dass die Dinge die man sieht wie andere Dinge aussehen. Ein Vogel kann eine Fledermaus sein. Eine Fledermaus kann eine schwebende Plastiktüte sein. Der Lauf der Dinge. Dinge sehen aus wie andere Dinge. Vogel-Blätter. Fledermaus-Vögel. Schatten aus Licht. Identische Klänge die aber bedeutungsvoller erscheinen. Scheinen nie verschieden zu sein, wohin auch immer man kommt.«

(Jeff VanderMeer, Southern Reach II)

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southern reach ::: kormorane, schattierungen

»Aber sosehr sich der Raum in solchen Momenten zu weiten schien, da waren nur Möwen und Pelikane, Kormorane und, hoch oben, etwas, das vielleicht ein Albatros sein mochte. Nur die kabbeligen Wellen und ein weit entferntes Nebelhorn und die matten Konturen von näheren und entfernteren Booten.« … die Landschaft immer kälter und karger, fühlt sich wie eine Befreiung, als wäre Area X »nichts anderes als ein Klima, eine Vegetationsart, ein schlichtes Terroir, obwohl er wusste dass das nicht stimmte. So viele Grautöne und -schattierungen – das Grau das vom Himmel strahlte, ein ständiges und endloses Grau, und völlig lautlos. Das gefleckte matte Grau des Wassers, vor dem Regen, gebrochen von den Kringeln der kleinen Welle, das Grau des Regens selbst, die Stacheln und das Kräuseln auf der Oberfläche des Ozeans. Das Silbergrau der richtigen Wellen weiter draußen … das Grau von etwas Großem und Schwerfälligem das unter ihm hindurchschwamm und das Boot anzuheben schien, als er versuchte, es in diesen Momenten still und motorlos gleiten zu lassen, sodass er den Atem anhielt; das Leben zu nah am Traum, um wieder auszuatmen. Er verstand warum die Biologin an diesem Teil der Welt Gefallen fand, wie man sich hier auf Hunderte Arten verlieren konnte. Wie man hier sogar ein ganz anderer werden konnte, als den man sich sah. Während der Stunden der Suche kamen seine Gedanken zur Ruhe. Die verzweifelte Sucht zu analysieren, den Tag und die Woche zu atomisieren, fiel von ihm ab …« … wie man sich in allen Landschaften verlieren kann

(Jeff VanderMeer, Southern Reach II)

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satz ::: modell sitzen

… Modell sitzen für die Büste von Rodin. »ich könnte jetzt im Wald sitzen und komponieren. Oder im Kaffeehaus und denken.«

(Robert Seethaler, der letzte Satz)

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Fotorunde ::: Südwald Mar 21

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