Turmrausch im Muldental

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Motorpsycho & Ståle Storløkken | 19.04.12 | Conne Island

Sie stehen in ernster Anschauung symmetrischer Prinzipien auf der Bühne wie eine Zusammenrottung von Elementarteilchen und tragen ihr Konzeptalbum The Death Defying Unicorn vor, das einem schon auf Album wie ein Jahrtausendwerk im Bewußtsein klingt.

Innen die zwei langhaarigen Nuclei in schwarz. Solide, felsenfest, rockend. Auf der äußeren Schale der Schlagzeuger mit seinem kunststoffleuchtenden weißen Trommeln, ihm gegenüber, leicht erhöht schwebend, der solide, schwere Masse ausstrahlende, Holzorgelkörper, der wie aus einem Zeitriß aus der Vergangenheit gefallen zu sein scheint. Hinter der Holzorgelmasse flimmert dem Verständnis entzogen ein Oszillatorgerät. Um die Symmetrie zum Schlagzeug aufrechtzuerhalten trägt der elfenschmale Ståle einen transparent schimmernden weißen Umhang, die Kapuze zurückgeschlagen.

Beide, Ståle und der Schlagzeuger flirren in ihrem Spiel in photonenschneller Aufenthaltsunbestimmtheit. Ståle, sitzend, stehend, verschiedene Niveauebenen der verschiedenen Tasteninstrumente bespielend, die der Holzkörper birgt, wilden Jazz auf die Tasten schlagend und sich dabei wie ein alter Elf der sich einmal wieder richtig austoben darf, freuend, dann wieder Tasten lange drückend, der Klang der Orgel verliert sich und findet sich in den Gitarren wieder.

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Portico Quartet | 30.03.12 | Neues Schauspiel

Das Gefühl einer nächtlich durchwanderten Stadt.

Es gibt Musik die wie ein Abbild der Natur ist. Der ersten – der biologischen Natur. Dankbares Staunen über die Lebendigkeit jedes einzelnen Winkels, vom Wasser umspielte Felsen, vom Wind umflogene Baumwipfel, zwischen allem schwirrende Insekten, Knistern, Farben, Gerüche, Weite findet sich in Klängen die wie eine Ode an das was uns hervorbrachte sind.

Es gibt Musik die ist wie die Natur, die der Mensch erschaffen hat. Der Teil des Ökosystems Stadt der sich gut, geborgen, und hin und wieder magisch anfühlt. Der Teil der nachts in den Straßenschluchten von Straßenlichtern ausgeleuchtet wird, in denen sich nur wenige einsame Wanderer befinden. Die Enge der Tage ist verschwunden. Licht, das sich verlassen im Asphalt, im dunklen Fluß und in Fensterscheiben spiegelt. Die Fülle und Helligkeit des Tages ist nur eine Erinnerung wenn nicht gar ganz vergessen. Es ist eine Reise in eine andere Welt. Die Wirklichkeit der Tagwelt hat eine Patina des Unwirklichen bekommen. Das Spiel der Natur greift in die Welt hinein. Blecherne Regentropfen etwa, die auf Regenrinnen, Mülltonnen und auf den geteerten Flächen anklingen. Pfützen bilden. Doch die meisten Geräusche sind von uns geschaffen. Quietschen, Motorenrauschen. Elektrisches Summen aus jeder Leuchtreklame, hinter jeder Hausmauer, die in jeder modernen Stadt eingebettete Zweitwelt der Computer, die in der zur Stadt gehörenden Musik Bestandteile der instrumentellen Entfaltung sind. Bedeutungen und Gedanken verschwimmen. Man bewegt sich nur noch hindurch. In jedem Moment ein neuer Blick, ein neuer Eindruck, der kurze Blick in eine Querstraße an der man vorbeiläuft. Gedanken. Sie prallen an, und fliegen wieder weg. Gelöst.

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Kristofer Åström and the Rainaways ::: Mattias Hellberg | 28.03.12 | Objekt 5, Halle

Die romanische Straße hat uns nach nur einwöchiger Abwesenheit zufällig wieder. Nach Naumburg sind wir nun in Halle, und beschlendern ein bisschen die Umgebung des Objekt 5 bis wir zum Kristofer Åström-Konzertabend eingelassen werden, vorbei an Burg Giebichenstein bis zur Saale. Es ist ein ruhiges Schlendern, da die uns umtösenden Motorengeräusche der prachtbreit neben uns verlaufenden Straße sowohl jedes vernünftige Gespräch verhindern, als auch die Unvernünftigen, die zusammen mit Herrn G. mindestens ebenso gerne zelebriert werden, erschweren. Wir sind hier. Der Abend lau. Das Konzert beginnt bald. Die Welt wirkt harmonisch und friedlich und wir sind an dem Ort an dem wir in diesem Moment sein wollen. Das war noch vor wenigen Stunden ungewiß.

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Immerzu Bananenbrot

Es gibt Menschen mit undeutlichem Gehör, die verstehen gerne egal was man ihnen erzählt nur Bananenbrot. Konfrontiert mit diesem Bericht aus Freundeskreis, und zudem mit Freunden im Besitz von Bananenbrotrezepten ausgestattet, war es zwingend erforderlich Grundlagenforschung zu betreiben. Nicht zuletzt um den seitdem im Gehirn nistenden Wurm der immerzu Bananenbrot murmelt auszutreiben.

2–3 reife Bananen, 400 ml Sojajoghurt-Sojasahnengemisch, 1 TL Natron, 125 g Margarine oder 80 ml Sonneblumenöl, ca. 200 g Zucker, 400 g Mehl, 1 TL Backpulver, ca. 50–75 g braunen Zucker, 75 g gehackte Mandeln

Sojajoghurt-Sojasahnengemisch [Sojosa] und Natron verrühren und ca. 5 min quellen lassen — Butter zum Schmelzen bringen und mit Zucker zum Sojosa geben, alles gut vermengen — Mehl und Backpulver mischen — nach und nach Sojosa unterrühren — Bananen zerdrücken und unter den Teig heben — Teig auf einem Blech zu interessantem Haufen auftürmen und mit braunem Zucker und Mandeln bestreuen — 60–75 min bei 180° C backen

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ToNY Hommage. Biene. Backstein. Blüten.

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Kaizers Orchestra | 12.03.12 | Centraltheater

Beitrag beinhaltet über den Stream of Concert hinaus
weiterführende Gedanken zum Kaizerlichen Universum.
Einem Universum das größer ist als das es
eine annähernde Abhandlung gänzlich umfassen könnte.
Sicherlich größer als ein kurzzeiliger Bericht.

Jeg er større en livet. Og livet er større en deg.
(Psycho under min hatt, Beatrice)

An das Konzert im Postbahnhof in Berlin zurückdenkend, sind die zuschaulichen Begebenheiten im Centraltheater nicht anders als beschaulich und koselig zu nennen. Von den Polstersitzen bis zu den überschaubaren Plätzen und der gelüsterten Beleuchtung ein gediegener Rahmen für das angeschleppte Bühnenbild. Das alles ist dem Ideal eines Clubkonzerts so nah wie man es bei dieser Band gerade noch erreichen mag.

Die Bühne ist bereits gedeckt, Oma-Stehlämpchen, Instrumente und Ölfässer stehen auf antik gemusterten Teppichen bereit. Später wird das Licht oft vollkommen erlischen, und zu einer dieser Gelegenheiten bilden die zwei orange warm leuchtenden Stehlämpchen zusammen mit diversen Scheinwerfern zufällig verteilte orangene Scheiben auf der Netzhaut, in die plötzlich einsetzende Lichtstille. Was antiquiertes Stehlämpchen war, und was moderner Scheinwerfer ist den orangenen Kreisen nicht mehr anzusehen. Die Welten vermischen sich. Im Hintergrund der Bühne spannt sich dass monochromgraue, laternenbestückte fluchtpunkttiefziehende Motiv einer Straße aus dem zweiten Violetta Violetta-Album an dessen fernstem Punkt ein gigantischer Mond prankt.

Bildmaterialanbefaling: Michael Grein, Konzert 2012 in Köln

Der Beginn ohne Firlefanz und Propanz. Kein minutenlanges Introanspielen diesmal, bevor die Herren Kaizer die Bühne betreten. Es ist still, die Band begibt sich an ihre Plätze, und stolpert sich taktvoll verhalten und nonchalant in den herzfrohlockenden Walzerklang von Philemon, Arthur & the Dung hinein … in was für einen Klang.

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Avosobasha

Avocado, Banane, Agavendicksaft, gemahlener schwarzer Pfeffer, Sojamilch und ein Mixer. Wenn man dann noch ein Frl. A. aus Wien kennt, dass dem ganzen so an charmanten Namen gibt, dann hat der Großstadtsommer kein Halten mehr.

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espanisches Ehrenpilgern in der Fastenzeit zu Naumburg

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Fotorunde | ein Sehenswürdigenbus vorm Steigenberger

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Chinanudeln, Sojasesam-Tofu, Frühlingszwiebeln und Paprika

Vor den Lebensmittelwaren im dm stehend wird ein Mandelnuss-Tofu erspäht und erlegt und spontan bildet sich Hunger nach Jahräonen mal wieder Chinanudeln hübsch geringelt von der Gabel hängen zu lassen. Nach Vorabverkostung des Mandelnuss-Tofus erscheint er zwar auf einem Brot mit Apfelzwiebelpastete und Essiggürckchen geeigneter und wird auch wegen Herrn Waltes Abneigung gegenüber Nuss-Tofu durch weißen Tofu ersetzt. Doch davon unbeeindruckt war die herabhängende Ringeligkeit ganz und gar frohlockend.

Benötigte Zeit bis zur Frohlockung
15–20 min

Basiszutaten
200 g weißen Tofu, Sesamsamen, Olivenöl & Sojasauce, Frühlingszwiebeln, Knoblauch, grüner Paprika, Ingwer, Curry, Salz, 200 ml Kokosmilch, Chinesische Instantringelnudeln

Besänftigend & Optional
grüner Tee als Rettungsanker gegen zu regen Gewürzgebrauch ::: Chinakohl oder dieser andere bittere Salat … Chicorée (ungetestet) ::: Gurkensalat mit Sojajoghurtkräutersauce (ungetestet)

Weißen Tofu würfeln (die handelsüblichen Packs am besten einmal quer durch die Mitte teilen und dann klein würfeln, damit die Würfel nicht zu riesig werden). Frühlingszwiebeln in etwa 1 cm lange Stücke schneiden, Paprika in längliche nicht allzu dünne Stücke schlitzen & salzen. Knoblauch klein hacken.
Tofu (gesalzen) und Sesam mit Olivenöl und Sojasauce in die Pfanne werfen und ebenso scharf wie lange anbraten, bis sich der Tofu merklich bratbräunlich und nicht nur sojafarben färbt. Die Instantnudeln ansetzen. Frühlingszwiebeln, Paprika und Knoblauch in die Pfanne geben. Nach Belieben und Aushalten mit Ingwer und Curry würzen. Sobald die Paprika weich zu werden drohen, die fertigen Instantnudeln aus dem Wasser holen und mit in die Pfanne werfen. Sich an der Ringeligkeit der Masse erfreuen und versuchen den bereits vorhandenen Pfanneninhalt gleichmäßig zu verteilen. Es wird nicht gelingen. Sich mit ansetzendem Gelingen zufriedengeben. Kokosmilch dazugießen. Sieht es zu blaß aus, nochmal Curry und Sojasauce hinterhergießen. Es lebe die Herausforderung des Rachens.

Rätselhafterweise ist der weiße Tofu von einer nie geahnten softweichen fast schleimigen Konsistenz, die in Ermangelung eines entsprechenden Wortes für Essen nur als süffig bezeichnet werden kann. Ob es am Olivenöl-Sojasaucenbad oder an der eingezogenen Kokosmilch liegt, harrt noch eingehender Erforschung.

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Stadtteilimpression Lindenau & Schneeform am Fenster

Stadtteilimpression Lindenau. Winterschneefall. Blick aus Straßenbahn in der Lützner Straße. Aus dem Solinger Stahlwarenladen stapft ein Mann in Anorak und trägt eine halbmeterlange, stark nach unten geschwungene, hin und her wabernde dünne Klinge mehr oder minder waagrecht vor sich her. Unverpackt. Der Griff sieht nach Gartengerät aus.

Und abends grinst der Hase vom Fenster.

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Ein Atem Winter & Krähen

Ein Tag Schnee. Halblichtsonne. Ein Atem Winter in Leipzig. Ein Tag um die Worte knirschen, Kälte, harsch und stieben wieder mit Leben zu füllen. Und das wispelnde Geräusch von eintausend Krähenflügeln die den Himmel berauschen.

Krarh, Krarh, Krarh.

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Me & my Drummer ::: Einar Stray | 6.01.12 | UT Connewitz

Noen sier at musikken er det høyeste av alle kunstene.
Etter en konsert kvelden som det, føler man særlig at det er sann.*

Es wird gesagt dass die Musik die Höchste aller Künste sei.
Nach einem Konzertabend wie diesem, weiß man dass es wahr ist.

Das Jahr ist noch keine Woche alt, das letzte hörkulturelle Live-Erlebnis liegt viel zu lange zurück, als Herr Walte mit dadurch umso stärker entfachter Freude auf einen Facebookveranstaltungshinweis des UT Connewitz reagiert. Einer aus Norwegen. Einmal reingehört. Auch in die Vorband. Ja, das könnte ein ganz und gar formidabler Konzertjahresauftakt werden. Ein kaum zu fassendes Glück. Noch ein paar Tage warten und freuen und es ist Freitag.

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… aber was kann man denn da noch essen!?

Aus dem Inneren rufts: der Weg in die neunundneunzigkommafünfprozent-vegane Ernährung ist lang, steinig und gepflastert mit verführerischen Fertigprodukten die unbedacht Milch oder Eier enthalten.
Das Außen bangt besorgt und mitleidig: … aber was kann man denn da noch essen?
Und das Gedächtnis quengelt: ich habe keine Idee was ich jetzt verspeisen könnte.

Zeit das Kostgedächtnis auszulagern und Platz für diese vegantastische Kategorie zu schaffen. Eine zu wachsende Anhäufung von Gerichten, die man auch noch schnell zubereiten kann, wenn man ausgehungert mit dem Magen knirschend abends nach Hause kommt. Eine Kategorie in vegane Wege zu verführen …

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